Aufsatz 
Zur Geschichte und Literatur der Samaritaner
Entstehung
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Wellen der Geſchichte davongetragen, denn ſo ſehr ſie auch an dem Ererbten und Herkömmlichen feſtgehalten, ſo wurden ſie doch von den Umwälzungen im Reiche des Geiſtes, die auch zu ihnen den Weg gefunden, oft gar hart mitgenommen. Kein Feuerſtrahl nationaler Begeiſterung entrang ſich je einem Samaritaner mit ſolcher Gewalt, daß er alle Herzen traf und zu gemein⸗ ſamen Wünſchen und Thaten entflammte. Keine wehmüthige Erinnerung an die Geſchichte und die Geſchicke der Vorzeit, keine ideale Verherrlichung derſelben, weckte in ihnen den Antrieb zu geiſtiger Verjüngung, die Kraft zu politiſcher Wiedergeburt. Sie entbehren eines feſten innern Haltes, um ein Princip des Fühlens und Handelns aus ſich herauszubilden und mit einer ge⸗ wiſſen Ueberzeugung feſtzuhalten und weiter zu tragen.

Nur in Juda, welches mit unauslöſchlicher Sehnſucht nach ſeiner Heimath ſchmachtete, das mit jeder Faſer ſeines Herzens und mit jeder Empfindung ſeiner Seele an ſeiner Geſchichte hing, konnte ein lebendiger Drang nach der Wiedererlangung des Verlorenen, nach der Begrün⸗ dung eines feſten, für die Zukunft dauernden, von den Bewegungen der Geſchichte getragenen und auch in ihnen nicht untergehenden Principes erwachen, und Tauſende mit freudigen Hoff⸗ nungen, mit edlen Vorſätzen erfüllen.

Die Samaritaner haben, weil ſie ſich ſelbſt nicht als Sekte, ſondern als das eigentliche iſraelitiſche Volk betrachteten, auch ihre Geſchichte mit den erſten in dem Pentateuche vorhandenen Erzählungen begonnen. Ihre Darſtellung derſelben, erſt in ſpäterer Zeit entſtanden, durch viele eingewebte Fabeln und bewußte Fälſchungen erheblich von der, von den Juden allgemein recipirten abweichend, enthält auch Manches Richtige, das der Beachtung werth iſt. So, um nur ein Beiſpiel anzuführen, zählen die Samaritaner vom Wegzuge Abrahams aus ſeinem Heimats⸗ lande bis zum Auszuge der Iſraeliten aus Aegypten 430 Jahre, nach einer in ihrem Pentateuche vom maſſoretiſchen Texte vorhandenen Abweichung, wonach ſie Exod. 12, 40 für„die Zeit aber, da die Kinder Ifrael in Aegypten gewohnt haben“„die Zeit aber, da die Kinder Iſrael und ihre Väter in dem Lande Kanaan und in dem Lande Aegypten gewohnt haben“ leſen.

Es iſt beachtenswerth, daß nicht nur die alexandriniſche Pentateuch⸗Ueberſetzung und das Jonathan⸗Targum mit den Samaritanern hier übereinſtimmen, ſondern daß ſogar der Schrift⸗ erklärer Rabbi Nathan, der von dieſer anderen Lesart Kunde gehabt haben muß, dieſelbe als ſehr bedeutungsvoll bezeichnet ¹). Nach dieſer Auffaſſung dauerte der Aufenthalt Abrahams und ſeiner Nachkommen in Kanaan zweihundert und fünfzehn Jahre und ebenſo lange der Aufenthalt

¹) Ich gebe hier die Zuſätze im Hebräo⸗Samaritaner zu Exod. 12, 40 in runden, das Fehlende in eckigen Klammern: Na pe dr dWdr dd[al(p-de- ed pe) dee e(Oe) DNdn W. LXX.: H lατοοάανσαςα τν viν Ioα di zarchencav e 7 Aifuðxrou zal ⁸ν Xavadr érn rer qaxσσα τοασ⁶ντα. 7 Targum Jon.: — d p e r dy dd Nrp ſo d d en por den pe d

OXbb PS Rep Gen. r. Sect. 63.:

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