In diesem Bescheide war ausgesprochen, dass die Schule der Auf- sicht der gemischten Kirchen- und Schulbehörde„unterworfen“ dass Abänderungen im Lehrplan, wie auch Anstellung von Lehrern nur mit Genehmigung dieser Behörde gestattet und alljährlich Bericht über den Gang der Schule jener einzureichen sei.*)
So war in verhältnismässig kurzer Zeit ein grosses Ziel erreicht, und man konnte nun an die Errichtung eines Werkes gehen, das der Gründer und erster Leiter mit seinem weitvor- schauenden Blick als den Lebensnerv der jungen Gemeinde betrach- tete und das sich auch im Laufe der Zeiten als solcher erwiesen hat. Die Aufgabe der Schulkommission, die mit nicht genug anzuer- kennender Hingabe und Selbstverleugnung gearbeitet hatte, war gelöst, sie konnte ihr Mandat in die Hände des Vorstandes zu- rückgeben, der jetzt zur Wahl eines„Schulrates“ schritt, welcher aus einem Vorstandsmitglied, einem Mitgliede des Ausschusses und drei Gesellschaftsmitgliedern bestand, dem nun im Verein mit dem Rabbiner, dem designierten Rector der neuzugründenden Schule, die Constituierung der Lehranstalt oblag. Der erste „Schulrat“ bestand aus den Herren Phil. Abr. Cohen, Meier B. Goldschmidt, Jac. M. Kann, Freiherr Wilhelm Carl von Rothschild und Emanuel Schwarzschild.
Infolge eines an die Gemeinde-Mitglieder erlassenen Cir- culars wurden ansehnliche Beiträge für die neuzugründende Schule gezeichnet, und eine Reihe von Eltern erklärte sich be- reit, ihr ihre Kinder zu übergeben. Das Haus Schützenstrasse 14, das zu einem grösseren Areal gehörte, welches die Religions- gesellschaft für den Bau einer Synagoge erworben hatte, wurde für die Schule bestimmt; bauliche Veränderungen, die notwendig waren, das Haus, ursprünglich ein Wohnhaus, den Zwecken eines Schulhauses dienstbar zu machen, waren bald vollendet, so dass dasselbe am 1. April 1853 seiner neuen Bestimmung übergeben werden konnte. Mit 84 Schülern und Schülerinnen(55 Knaben und 29 Mädchen) für deren Unterricht 4 Lehrer und eine Hand- arbeitslehrerin gewonnen waren, wurde die Schule eröffnet. Diese Lehrkräfte waren die Herren Dr. S. Dessau, J. M. Japhet J. Kra, A. Baruch und die Lehrerin Frl. Herzog.
*) S. Anhang III


