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Löbl Vorstand.
So weit mir bis jetzt die gegenwärtigen Zustände des religiösen Jugendunterrichts im hiesigen Kreise bekannt geworden, glaube ich, um diesem heiligsten Zweige unserer grossen Aufgabe, so lange eine allgemeine Anstalt zu unseren frommen Wünschen gehören wird, doch nach meinen geringen Kräften das Möglichste zu leisten, folgende Wünsche äussern zu dürfen:
lch wünsche für die im hebräischen Unterrichte bereits fortge- schrittenen Knaben ein paar wöchentliche Lehrstunden zu eröffnen, in welchen ihnen nur der Inhalt unserer heiligen Urkunden, eb) dond, Lehren und Pflichten, zur thätigen Anwendung im eigenen Leben zum Bewusstsein gebracht werden möge.
lch wünsche einen ähnlichen Unterricht den Mädchen zu erteilen.
. Für unsere erwachsene Jugend wünsche ich ein paar wöchentliche Stun- den ½'ρ-Vorträge zu widmen, da der in— niedergelegte göttliche Geist doch das einzige Licht und der einzige Führer in jedem Felde des Stu- diums und des Lebens bleibt.
Lieb wäre es mir auch, wenn ich Gelegenheit fände, etwa durch von Zeit zu Zeit vorzunehmende Prüfungen, in den jetzt leider so vereinzelt und zerstreut erteilten hebräischen Unterricht Einheit und möglichst über- einstimmende Leitung zu bringen.
Der eben angedeutete Unterricht könnte wohl füglich erst nach den 5'˙ mνν(Feiertagen) beginnen; ich glaube aber jetzt schon diese Wünsche äussern zu müssen, damit— wenn löbl. Vorstand damit einverstanden ist— das Nötige wegen Erlangung eines Lokals, Veran- lassung der Anmeldungen und Bestimmung der passenden Zeit einge- leitet werden mõöge.
Hochachtend
Rabbiner Hirsch. Frankfurt a. M, 20. August 1851.
Wir haben den vorstehenden, bisher unter den Akten ver- grabenen Brief vollständig hier wiedergegeben und nicht in den Anhang verwiesen, weil er zeigt, wie Rabbiner Hirsch's eifrig- stes Streben dahin ging, dem Jugendunterrichte sich zu widmen, aber auch, weil wir in diesem Versuch den ersten Schritt zur Gründung unserer Schule erkennen. Die Bereitwilligkeit, die er gefunden, hat ihn ermutigt, den grösseren Schritt zu wa- gen und kaum ein Jahr später die Gründung einer vollständigen Schule anzuregen.
Die Neugründung der Religionsgesellschaft, aus der Not- wendigkeit hervorgegangen, für die altgläubigen Mitglieder der grossen Kultusgemeinde, sich ihre religiösen Interesse zu wahren,
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