Aufsatz 
Die Lehre und Verfassung der morgenländischen Kirche / von Thomas Bormann
Entstehung
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in einer allgemeinen Oberaufsicht und in einer höhern Jurisdiktion über ihre Diöcesen). Der Patriarch von Konstantinopel aber wurde vom Kaiser aus drei Personen erwählt, welche die von ihm aus der Stadt und Umgegend berufene Synode der Bischöfe designirte; dann mit Stab, Mantel und Brustkreuz geschmückt, und zuletzt, wenn er noch nicht Bischof war, vom Erzbischof von Heraklea geweiht und inthronisirt. Häufig vergaben indess die Kaiser diese Würde ganz nach ihrem Gutdünken. Seit der Türkenherrschaft ward der Patriarch von Konstantinopel ebenfalls meist nach dem Willen der hohen Pforte ernannt und von dem Sultan mit jenen Insignien investirt. Um nehmlich die Griechen wieder zur Rückkehr in das ganz entvölkerte Constantinopel zu bewegen, stellte ihnen Muhamed II. einige Kirchen zurück, und erlaubte in denselben den gewöhnlichen Gottesdienst zu halten. Gleich am vierten Tage nach Eroberung der Stadt befahl er, dass an die Stelle des verstorbenen Patriarchen nach alter Sitte und Ordnung ein neuer gewählt werde. Diese bestand aber unter den christlichen Kaisern darin, dass dem neuerwählten Patriarchen ein goldner, mit Edelsteinen und Perlen besetzter Scepter, ein Pferd aus dem kaisertichen Marstall, mit kost- barer weisser Schabracke geschmückt, verehrt wurde, auf welchem er, von der ganzen Klerisei umgeben, aus dem Palast des Kaisers in die Patriarchenwohnung zog, wo ihm die Erzpriester nach Gesetz und Gewohnheit huldigten. Dort empfing er den Scepter aus des Kaisers Händen; der Kaiser sass dabei auf dem Thron; um ihn her stand der ganze heilige Senat mit entblösstem Haupt; der erste Hofkaplan sprach den Segen, der Grossdomestikos stimmte den Hymnus und das Gloria, der Lampadarius auf der andern Seite einen Chorgesang an. Nach vollendetem Gesang stand der Kaiser auf, in seiner Rechten das Scepter haltend; ihm rechts stand der kaiserliche Erbprinz, links der Metropolit von Heraklea. Der neuerwählte Patriarch verbeugte sich dreimal gegen die ganze Versammlung und warf sich vor dem Kaiser nieder. Dieser hielt den Scepter etwas in die Höhe und sprach dazu die Worte: die heilige Dreifaltigkeit, welche mir das Kaiserthum geschenkt, verleiht dir das Patriarchat von Neu-Rom. So empfing er aus des Kaisers Händen die neue Würde und reichte ihm dann das Sakrament. Der Chorgesang: für viele Jahre o Herr! schloss die Feierlichkeit. Muhamed II. wollte die Feierlichkeit der Weihe des von den wenigen vorhandnen priestern und Laien zum Patriarchen erwählten Georg Scholarios(sonst auch Gennadios genannt) auf dieselbe unter den Byzantinischen Kaisern übliche Weise erhalten wissen. Er lud ihn zu sich zum Mahle und empfing ihn mit grossen Ehren. Nach langem und freundlichen Gespräche, als die Zeit des Auszugs aus dem Palaste kam, verehrte er ihm ein kostbares Zepter und begleitete ihn bis in den Hof, ungeachtet es sich Gennadios verbat, und befahl, dass alle Grossen seiner Baba-Humayun (hohen Pforte) ihn bis in seine Wohnung geleiten sollten. So ritt er auf auserlesenem Pferde bis an die Kirche der hl. Apostel, welche ihm statt der in eine Moschee verwandelten Aja Sophia als Patriarchensitz angewiesen war. Aber Gennadios verlegte bald nach seiner Einsetzung diesen Sitz nach der Kirche der Panagia(hl. Jungfrau) und nahm von dem damals nördlich der Kirche gelegenen schönen Palast Besitz. Der Sultan fertigte ihm ein Berat(Diplom) aus, des Inhalts dass ihn Niemand belästige und störe, dass er ungekränkt, unbesteuert, unerschüttert von allen Gegnern mit allen ihm untergebnen Priestern für alle Zeit von allen Steuern und Abgaben frei sei. Dasselbe oder ein anderes kaiserliches Berat sicherte den Griechen drei Freiheiten zu: dass ihre Kirchen nicht in Moscheen verwandelt werden, dass ihre Ver- mählungen, Begräbnisse und alle ihre Kirchenfeierlichkeiten ungestört vor sich gehen, dass das Osterfest mit allen Ceremonien gefeiert, und während der drei Nächte desselben die Thore des Fanars(des Grie- chischen Stadtviertels) offen bleiben sollten. Ueberhaupt wurde die Grundlage des Griechischen geistlichen