— 13—
Beſitz in der Pfalz, das feſte Frankenthal, verlaſſen; auf 6 Neckarſchiffen fuhren ſie mit Weib und Kind und Kranken an Lahnſtein vurbei, um von Coblenz auf der Moſel bis Grevenach geleitet zu werden. ¹) Jetzt wurden aber auch von den Kaiſerlichen Anſtrengungen gemacht, um die Schweden aus ihren Eroberungen zu verdrängen. Der bayr. General Gronsfeld erhielt das Oberkommando am Rhein; General Merode warb neue Truppen im Erzſtift Köln. Vor der wachſenden Macht ſeiner Gegner mußte Baudiſſin ſein Hauptquartier in Siegburg verlaſſen und ſich dem Weſterwald zu wenden. Mitte Februar 33 lag er mit ſeinen Truppen in Naſſau. Da kam die Nachricht, daß die Spanier in überlegener Zahl anrückten, und Baudiſſin brach in der Nacht zum 17. Februar auf und zog durch Ems auf beſchwerlichem Marſche, denn alles war mit Schnee und Eis bedeckt, nach Oberlahnſtein, um hierhin ſein Hauptquartier zu verlegen.2) Noch während der Nacht kam er an und kampierte zunächſt um die Stadt, ſo gut es eben ging. So bildete Oberlahnſtein den Mittelpunkt für die ſchwediſchen Bewegungen am Rhein. Truppenzüge kamen und gingen; Gefangene wurden ein⸗ gebracht und fortgeſchafft;³) Schiffe und Wagen mit Proviant kamen von allen Seiten; die Grafſchaft Hadamar ſorgte für die Küche des Generals.“) Da Baudiſſins Macht ſich zu gering erwieſen hatte, um die Spanier und Kaiſerlichen mit Erfolg zu bekämpfen, ſo zog der Reichs⸗ kanzler Oxenſtierna etliche Tauſend zu Fuß und zu Roß aus Franken und anderen Orten zuſammen. Dieſe brachen zu Anfang März unter dem Commando des Pfalzgrafen Chriſtian von Birkenfeld und des Oberſten Vitzthum auf und zogen rheinabwärts. Am 10. desſelben Monats ſtanden ſie vor Oberlahnſtein und wurden von Baudiſſin empfangen. Oberſt Vitzthum marſchierte ſofort mit dem Vortrab über Engers nach Bendorf, wo er 300 feindliche Reiter überraſchte und in die Flucht ſchlug. Das Hauptheer folgte ihm auf dem Fuße. Die Gronsfeldiſchen hatten inzwiſchen eine Reihe von Orten am Rhein wieder eingenommen, unter
¹) Tn. Ev. II, 710.
²) Chemnitz II, 47.
³) Am 3. April wird der Sohn eines Gefangenen aus Linz getauft. Oberl. Kirchenb..
⁴) Keller, Drangſ. 187.


