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Der Geburtstag Sr. Königlichen Hoheit des Kurprinzen⸗Mitregenten wurde am 20. Auguſt durch eine Feſtrede, welche der Director hielt, ſowie durch eine vom Geſanglehrer, Cantor Weikert, aufgeführte Symphonie von Seiten des Gymnaſiums feierlich begangen.
Am 23. Auguſt wurde von den Lehrern und Schülern gemeinſam das heilige Abendmahl gefeiert, nachdem Tags vorher Dr. Münſcher die Vorbereitungsrede im Gymnaſium gehalten hatte.
Die Maturitätsprüfung, zu welcher ſich der Primaner Walther gemeldet hatte, wurde am 4. Sept. abgehalten
Das nicht öffentliche Michaeliseramen erfolgte am 21. und 22. September; die Entlaſſung des mit dem Zeugniß der Reife zur Univerſität abgehenden Primaners, ſowie die Verſetzung der in der Lehr⸗ anſtalt zurückbleibenden Schüler fand am 23. September Statt.
Die Herbſtferien dauerten von dieſem Tage an bis zum 12. October, an welchem der neue Curſus ſeinen Anfang nahm..
Durch ein gnädigſtes Reſcript vom 22. October wurde der Dr. Joh. Friedrich Lotz, welcher bis dahin als Hülfslehrer angeſtellt war, zum ordentlichen Lehrer befördert.
Eine höchſte Entſchließung wurde durch ein Miniſterialreſcript vom 11. November 1846, zur Nr. 11014, mitgetheilt, wonach der Dr. Carl Heräus aus Caſſel als Praktikant beim Gymnaſium in Hanau zuge⸗ laſſen wurde.— Derſelbe traf den 16. December ein und beſuchte die Lehrſtunden des Dr. Feußner in Quinta, um ſich für dieſen Theil des vorbereitenden Unterrichts unter deſſen Leitung zu bilden.
Aus ſeinem Leben verdient folgendes erwähnt zu werden: Zu Caſſel am 18. März 1818 geboren, be⸗ ſuchte er daſelbſt zuerſt das Lyceum, dann das neu gegründete Gymnaſium bis Michaelis 1836 und bezog nach beſtandener Maturitätsprüfung die Univerſität Marburg, um ſich den philologiſchen, hiſtoriſchen und philoſophiſchen Studien unter Hermann, Rubino, Rehm, Huber und Bayerhoffer zu widmen. Nach einem tjährigen Aufenthalte daſelbſt ging er nach Göttingen, wo er die Vorträge von O. Müller, Jak. Grimm, Gervinus, v. Leutſch, Schneidewin bis Michaelis 1838 beſuchte. Nach einer ljährigen Pauſe wandte er ſich im Herbſte 1839 nach Berlin, wo er ſeine Studien unter v. Savigny, Lachmann, Zumpt, Nanke, Ritter, Gerhard, Trendelenburg, Bopp, W. Grimm, Benary, Werder 2 ¾ Jahre fortſetzte. Im Sommer 1842 nach Marburg zuruͤckgekehrt hörte er noch einige Vorleſungen bei Hermann, Huber, Koch, und beſtand im Auguſt 1843 die philoſophiſche Prüfung. Nachdem er in ſeiner Vaterſtadt privatiſirend ſich mit philologiſch⸗kritiſchen Studien beſchäftigt hatte, ließ er als erſte Frucht derſelben, zur Erlangung der philoſophiſchen Doctorwürde in Marburg, den erſten Theil ſeiner»Studia eritica in Mediceos Taciti eodices« im Herbſte 1846 erſcheinen.
Am 24. December wurden die Schulen wegen der Weihnachtsferien bis zum 4. Januar 1847 ge⸗ ſchloſſen.
Zur Maturitätsprüfung meldeten ſich zwei Primaner, Julius Deuſchle aus Bergen und Alerander Adolph Wilhelm v Möller aus Hanau, und wurden am 8. Februar u. d. f. Tagen zum ſchriftlichen, am 5. und 6. März aber zum mündlichen Maturitätseramen zugelaſſen.
Durch ein höchſtes Reſcript vom 7. Januar 1847 wurde der ſeitherige Director des Gymnaſiums, Dr. Schiek, in gleicher Eigenſchaft an das Gymnaſium in Rinteln perſetzt.
Bei dem von den Lehrern wie von den Schulern bedauerten Scheiden deſſelben aus ſeinem Amte übernahm der Dr. Soldan, als älteſter der ordemtlichen Lehrer, einſtweilen die Beſorgung der Directorialgeſchäfte.


