Aufsatz 
Der Rheinstrom : eine geographisch-historische Abhandlung / vom ... Dommerich
Entstehung
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E⸗ wird wol kaum einer Entſchuldigung bedürfen, daß gerade der Rheinſtrom zum Gegenſtande einer Abhandlung gewählt iſt. Der ganze Lauf des Fluſſes und ſein Gebiet iſt ja ſeit zwei Jahrtauſenden ein geſchichtlich klaſſiſcher Boden, auf welchem das Schickſal der Völker Europa's und ſeiner Herrſcher entſchie⸗ den wurde. An ſeinen Ufern ſind große und glänzende Thaten vollbracht. In ſeinem Stromgebiete lagen von den früheſten Zeiten her große und berühmte Städte, in welchen Handel und Gewerbe, Kunſt und Wiſſenſchaft blühten. Das Land, das der Rhein durchſtrömt, gehört zu den kultivirteſten und ſchönſten Ländern der Erde. Tauſende von Menſchen reiſen jährlich an die Ufer des Fluſſes, Millionen hegen we⸗ nigſtens den Wunſch, ſie zu ſehen. Darum darf eine Beſchreibung des Rheins wol eher, als die irgend eines andern Stromes auf die Theilnahme der Leſer rechnen.

Wenn demnach die Wahl des Gegenſtandes der nachfolgenden Monographie gerechtfertigt ſein dürfte, ſo mögen nun noch, da die Art der Behandlung des Gegenſtandes im Allgemeinen wie im Beſondern von der gewöhnlichen in mancher Hinſicht abweicht, einige Worte über das Eigenthümliche im Allgemeinen an⸗ gegeben werden. Die einzelnen abweichenden Anſichten ſind an den betreffenden Stellen zu rechtfertigen verſucht.

Um im Stande zu ſein, das Richtige und Unrichtige in den Anſichten der Alten über geographiſche Gegenſtände ſogleich zu entdecken, um zu wiſſen, was ihnen unbekannt geblieben, oder was von ihnen we⸗ nigſtens nicht erwähnt iſt, müſſen wir die philologiſchen Erforderniſſe unberückſichtigt gelaſſen nicht allein von der gegenwärtigen Beſchaffenheit der betreffenden Gegenſtände, ſondern auch von den im Laufe der Zeit durch Natur und Menſchenhand bewirkten Veränderungen genaue und richtige Kenntniß beſitzen. Es ſind aber nicht Jedem alle Einzelheiten bekannt, oder Werke augenblicklich zugänglich, worin dieſe erzählt ſind. Darum ſchien es mir zweckmäßig, das, was wir gegenwärtig über den Rhein und ſein Stromgebiet als das Richtige kennen, voranzuſtellen, dann die im Laufe der Zeit durch Natur und Menſchenhand be⸗ wirkten Veränderungen anzuführen, und zuletzt erſt die in den Werken griechiſcher und römiſcher Schrift⸗ ſteller enthaltenen Angaben folgen laſſen. Nur bei den Städten iſt das umgekehrte Verfahren eingehalten.

Um genau die Anſicht darzulegen, die ein alter Schriftſteller über einen geographiſchen Gegenſtand hatte, ſind die Angaben desſelben möglichſt vollſtändig und im Zuſammenhange aufgeführt. Deſſhalb iſt micht bloß Quelle und Mundung eines Fluſſes erwähnt, ſondern auch Richtung und Länge des Laufes, Breite, Tiefe und Geſchwindigkeit, ſowie die Beſchaffenheit der Stufenländer.

Die Beweisſtellen ſind nicht bloß citirt, ſondern, ſo weit es erforderlich war, vollſtändig mit den Wor⸗ den des griechiſchen oder römiſchen Schriftſtellers angeführt, damit der Leſer auch ohne die betreffenden

Werke nachzuſchlagen, im Stande ſei, ſelbſt zu beurtheilen, ob in der citirten Stelle die entwickelte Anſicht enthalten ſei oder nicht. Die wörtliche Anführung der Beweisſtellen aus ſolchen Autoren, die man nicht mmer zur Hand hat, erſchien mir durchaus nöthig; die wörtliche Anführung aus denjenigen Werken aber, pie jeder beſitzt oder leicht bekommen kann, iſt fuͤr den Leſer wenigſtens eine Erleichterung. Durch dieſes 1