Aufsatz 
Das doppelte Motiv im Freiermord oder der ursprüngliche Schluss der Odyssee / von Adam
Entstehung
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Homer weiss nichts von dem Hermes drνταωανιμασασ³⁶³ς ¹), nichts von den in XXIV, 11 f, erwähnten Oertlichkeiten oder einem Lande der Träume ²). Vers 23 101 sind ein noch späteres Einschiebsel; denn sie enthalten eine der Odyssee völlig fremde Abschweifung und erwecken die Vorstellung, als träfen sich die- Schatten Achills und Agamemnons bei der Ankunft der Freier im Hades zum ersten Male. Ja, da sich die Schatten der letzteren nach 11 ff. schon im Hades befinden und nach 99 f. nochmals hinabgeführt werden, so ist derselbe Gedanke an beiden Stellen wiederholt, wodurch ebenfalls sich 23 101 als spätere Zuthat erkennen lassen. Was das Folgende anlangt, so kennt Homer weder die Neunzahl der Musen 3), noch weiss er etwas davon, dass Penelope auf das Verderben der Freier gesonnen), noch dass sie Gewebe gewaschen und dann jenen vorgezeigt habe ⁵5). In 149 wird der Tag der Rückkehr des Odysseus zu nahe an den der Fertigstellung des Gewandes gerückt, und die Darstellung in 172 ff. ist entschieden unrichtig, da der Bettler sich den Bogen nicht selbst nahm, sondern Eumaäus ihn auf Befehl Penelopes ihm brachte 5).

Wir sehen, der Nachdichter hat so fremdartige Bestandtheile im grossen und im einzelnen ein- geführt; er hat die letzten Widersprüche so schlecht ausgeglichen, dass weit mehr dadurch verdorben als gewonnen wird; er hat seine Gedanken ausserdem in eine so unhomerische Sprache gekleidet*), dass die Alexandriner, wollten sie ihr mühevoll aufgerichtetes Gebäude nicht gänzlich wieder zerstört sehen, den Schluss der Odyssee bei XXIII, 296 annehmen mussten: rouναο τεναμοα νςσᷣ O0 voαεεας Prœν AdPo ταςρννσ νι Aρισσσοꝓꝓeν und'Apiorocßdν ead Agioraοαος πιςα–ς iᷣςα Odoœασeεας τονστο πονυννται 8).

An uns tritt nach dieser Darlegung eine zweifache Aufgabe heran. Da sowohl durch Athenes Auftreten im 13. Buche als auch durch die Erkennungsscene Stücke des auf dem zweiten Motive aufge- bauten Gedichtes eingeführt sind, so gilt es, 1. die Stücke, welche der Erkennungsscene angehören, von denen, welche durch das 13. Buch veranlasst sind, zu trennen, also die Ausgabe des Aristoteles herzustellen; 2. aus der von der Telemachie losgelösten Odyssee unter rückwirkender Kraft auf die Scene im 13. Buche zwischen Athene und Odysseus überhaupt die Attribute des zweiten Motivs zu entfernen und so den ältesten Schluss der Odyssee gewinnen. In jenem Buche war, wie auch sein ganzes Benehmen Athene gegenüber zeigt, dem Helden ein listiges, verschlagenes Wesen eigen; der Plan ergibt sich aus XIII, 372 396, worin sie ihn auf die- Vielheit und die Geschenke der Freier aufmerksam macht. Da nun Odysseus, sollte er seine listige und verschlagene Rolle spielen, nicht in der Gestalt, welche er bei den Phäaken gehabt hatte, auftreten konnte, so verwandelte die Göttin ihn in einen Bettler. Die wiederholte Schilderung der Ver- wandlung des Helden ist dem Einfüger der Erkennungsscene zuzuschreiben, der 398 401 konservativ, wie man überhaupt bei Einschüben verfuhr, als die Telemachie und 404 428 schon eingefügt waren und 439 f. ihre jetzige Gestalt erhalten hatten, zwischen 391 und 402 einschob und an ihre Stelle 430 438 setzte, um in Uebereinstimmung mit den Bildern jener Scene dem Helden ein recht schäbiges Aussehen zu geben; denn von der Hirschhaut ist nirgends sonst und von der wijgn nur an den Stellen die Rede, welche dem Eigenthümer der Erkennungsscene angehören ⁹2). In dieser aber wird 1. die grosse Anzahl der Freier von den verschiedenen Inseln betont, 2. werden in Folge davon viele neue Namen derselben angeführt; es wird der Massenkampf motivirt, 3. das muthige Auftreten Telemachs, das ähnlich dem in der Telemachie ist, begründet, 4. die Untreue der Diener und Dienerinnen als neues Moment eingeführt. Dem Einfüger dieses Stückes sind also ausser jener ebenerwähnten Aenderung im 13. Buche zuzuschreiben folgende Einsätze vorbereitender und ausgleichender Art: XIV, 174184, XV, 36 42, 222 291, 508 557. XVI, 13 40; dann 90 408, 452 481 und XVII, 115 und in Folge dessen: 22 25, 27 30, 184 199, 204 290, 357 364, 369 413, 464 481, 489 606. XVIII, 1157, 233 242, 307 426. XIX,

¹) XXIV, 1 ff. ²) 11 ff., vergl. XI, 13 ff. ³) 60.) 127.) 147 f.) XXI, 330 ff., 359.*) Vergl. Düntzer Anmerkungen.) Schol. u. Eustath. 1946, 49 ff.) XVII, 197, 357, 411, 466, XVIII, 107.