22 Lektüreſtunden für den erkrankten Prof. Primer übernahm; er blieb uns bis zum Ende des Schul⸗ jahres getreu, wofür ihm herzlicher Dank auch hier gezollt ſei.
Am 5. Auguſt war Kriegs⸗Bettag, am 6. und 7. die ſchriftliche, am 8. die mündliche Reife⸗ Not⸗Prüfung für 15 Ober⸗ und 3 Unter⸗Primaner, die ſämtlich beſtanden, am 21. und 22. September für die Extraneer Otto von Groß und Erich Mayer, die auch für reif befunden wurden; den Unter⸗ Primanern Wilhelm Helfrich und Walter Sittig wurde die Reife für Prima, den Unterſekundanern Cadura und Götz, die ebenfalls ins Heer eintraten, die Reife für Oberſecunda zuerkannt.
Am 8. September traf die erſchütternde Kunde ein, daß Oberl. Dr. Hugo Manger gefallen ſei. (Vergl. die Anſpr. des Direktors). Am 26. November fand die Überführung ſeiner Leiche nach dem hieſigen Friedhof unter großer Beteiligung ſeitens der ganzen Schule, der Vereine, denen er ange⸗ hörte, ſeiner Regimentskameraden und zahlreicher Freunde ſtatt, die alle das ſo frühe Hinſcheiden des trefflichen Mannes aufs herzlichſte betrauerten.
Am 22. Oktober veranſtaltete der Direktor einen— ſehr gut beſuchten—„Vaterländiſchen Abend“ in der Aula zum Beſten der Kriegsfürſorge, indem er über das Thema ſprach:„Die Poeſie des Krieges und der Krieg in der Poeſie“; hierbei brachte der Primaner Heinz Schütz mehrere neuere Kriegsgedichte in wirkſamſter Weiſe zum Vortrag. Auch ſonſt nahm der Direktor Gelegenheit, Kriegsgedichte und Feldpoſtbriefe mitzuteilen; in der Schlußfeier vor Weihnachten wurde eine ganze Reihe von neueſten Gedichten vorgetragen.—
Mit den mannigfachen Forderungen der Kriegszeit hielt die Dienſt⸗ und Opferwilligkeit unſerer Schüler und ihrer Eltern in erfreulicher und dankenswerteſter Weiſe Schritt. Ob für die verſchiedenen Zwecke der Kriegsfürſorge Geld oder Brödchen oder Liebesgaben aller Art für die durchfahrenden Truppen oder Bücher und Zeitſchriften für die Verwundeten geſammelt wurden oder ob die freie Zeit für vielfältige Dienſte in Anſpruch genommen wurde, nimmer verſagte unſere Jugend. Man ſpürte den Geiſt einer neu hereinbrechenden großen Zeit, man war erſchüttert durch die Gewalt der Ereigniſſe, und man wollte„mittun“ auch daheim, während die Väter und Brüder draußen in heißen, blutigen Kämpfen für des Vaterlandes Ehre und Größe ſtritten. So bildeten ſich Gruppen, die für Ernte⸗ Arbeiten bereit waren, Radfahrer, die für Meldungen aller Art ſich der Militärverwaltung zur Ver⸗ fügung ſtellten, andere betätigten ſich mit Stenographie und Maſchinenſchrift; andere(aus Prima und Sekunda) ließen ſich zum Sanitätsdienſt ausbilden; wieder andere machten ſich nützlich bei Einrichtung von Reſerve⸗Lazaretten, bei Führung durchreiſender deutſcher Flüchtlinge uſw.; der Verwundeten⸗ Fürſorge widmeten ſich Wochen lang vier Gruppen von je 6 Mann Freitags nachmittags 6 Uhr bis Sonntags nachmittags 6 Uhr auf dem Güterbahnhof Frankfurt⸗Süd. Ganze Körbe nützlicher Waren für Bedürftige aller Art wurden geſammelt, Stanniol⸗ und Zigarren⸗Abſchnitte; Geld wurde reichlich geſpendet; noch in allerletzter Zeit konnten faſt 70 Mk. an den deutſchen Verein für Sanitäts⸗ hunde abgeliefert werden. Gold wurde in großen Beträgen umgewechſelt.— Dem Ortsausſchuß für Jugend⸗ pflege, der die militäriſche Ausbildung von Jungmannſchaften betreibt, traten ungefähr 20 Schüler bei.
Nicht unerwähnt darf auch die Tätigkeit bleiben, mit der ſich Damen des Kollegiums und deren Freundinnen(10— 14) von Mitte Auguſt bis Ende März unter Leitung der Frau des Direktors für Näh⸗ arbeiten 2—3 mal die Woche zuſammenſchloſſen. Die Mittel floſſen reichlich durch Sammlungen jetziger und früherer Schüler und Lehrer und Freunde der Anſtalt(ca. 1000 Mk.).*)
Derſelbe„Nähverein“ beſchaffte auch durch eigene Arbeit eine Weihnachtsbeſcherung**) für 25 Kinder, die am Sonntag vor dem Feſte in der Turnhalle veranſtaltet wurde.
*) Es wurden an die Sammelſtellen abgeführt oder auch direkt an die Feldgrauen verſandt: 94 Taghemden, 102 Unterhoſen, 60 Lazaretthemden, 18 Kopfkiſſenbezüge, 49 Leibbinden, 38 Kopfhelme, 40 Bruſt⸗, Rücken⸗, Ohr⸗ und 15 Kniewärmer, 24 Paar Stauchen, 15 Paar Halbhandſchuhe, 36 Paar Fußſchlüpfer, 80 Paar Socken.
**) Sie umfaßte 15 Knaben⸗, 17 Mädchenhemden, 2 geſtrickte Jacken, 5 Knabenhemdhoſen, 20 Mädchenkleider, 1 Knabenanzug, 8 Röcke, 10 Paar Mädchenhoſen, 9 Kinderjäckchen, 7 Kinderhemdchen, 24 Paar Pantoffel.


