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handelt. Man bemüht ſich, die Glaubwürdigkeit der Bibel zu erweiſen, während es ſich um die Fähigkeit, überhaupt zu glau⸗ ben handelt; die Aeſte des Baumes werden hübſch zurechtge⸗ ſchnitten, während der Wurm die Wurzel zerſtört. Und wenn man es unternimmt, dieſen zu tödten, ſo gebraucht man Waffen, die ihn nicht treffen; man ſucht den Kranken mit Arzneien zu heilen, die er von ſich ſtößt. Der Unglaube ſagt: „Es gibt keinen Gott.“ Man will ihn bekehren, indem man ihm entgegenhält:„Der Gott, den Du läugneſt, hat geſagt: ich bin“.— Der Unglaube:„Die gottbegeiſterten Männer wa⸗ ren von fixen Ideen beſeſſen.“ Der Bekehrer:„Dieſe Männer haben Gott und Unſterblichkeit gelehrt.“— Der Unglaube:„Es gibt kein Gewiſſen.“ Der Bekehrer:„Aus dieſem Gewiſſen er⸗ kennſt du Gott und die Freiheit.“ Der Ungläubige ſtützt ſich angeblich auf Erfahrung und Wiſſenſchaft. Der Bekehrer will zum Glauben durch den Glauben bekehren, den jener ausſchließt. Für Gläubige reichen ſolche Beweiſe aus, ſie bedürfen ihrer ſogar nicht; will man den Unglauben bekämpfen, Schwankende gegen ihn ſichern, muß man ſich auf denſelben Boden mit ihm ſtellen, mit den gleichen Waffen kämpfen, auf dem Boden der Er⸗ fahrung mit den Waffen der Erfahrungswiſſenſchaft.
Iſt nun die Schule der erſte und ſicherſte Kampfplatz, ſo haben hiernach naturwiſſenſchaftlicher und Religions⸗Unterricht, ob⸗ wohl vollſtändig unabhängig von einander, Hand in Hand zu gehen. Die Naturkunde hat die Grenzen des Wiſſens ſcharf zu markiren, der Religionsunterricht muß auf ihre Reſultate gründlich eingehen.!) Da auf die Art und Weiſe einer ſolchen
¹) Auf der Verſammlung katholiſcher Gelehrten zu München 1863 wurde folgender Antrag geſtellt:„Die Verſammlung wolle es als ein von ihr anerkanntes Bedürfniß der Zeit ausſprechen, daß eine irgendwie gründ⸗ lichere Kenntniß des Fortſchrittes in der Naturwiſſenſchaft als ein weſent⸗ licher Theil der theologiſchen Vorbildung betrachtet werde.“ Die Schriften von Oerſted, Wagner, Ulrici u. ſ. w. bieten vollſtändige Anhaltspunkte zu ſolcher Verknüpfung beider Unterrichtszweige.


