Aufsatz 
Die märchenhaften Bestandtheile der homerischen Gedichte / Bender
Entstehung
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Thee¹) einladet. Die Schöne bereitet zwei Kuchen, in deren einen sie Gift mischt, welchen sie Gesser vorsetzt, während sie den unschädlichen für sich bestimmt. Während sie hinausgeht, erscheinen Gesser's Schwestern in Kukuksgestalt und machen ihn auf die Gefahr aufmerksam. Gesser vertauscht die Kuchen; wie das Weib zurückkommt und Gesser nicht essen sieht, ergreift sie einen schwarzen hölzernen Stab von drei Klafter Länge*) und gebietet ihm unter mystischem Ausrufe zu essen. Gesser verzehrt den Kuchen, verlangt nun aber auch dasselbe von dem Weibe, das dann ohne Ahnung den vergifteten Kuchen verzehrt, aber mit dem Stabe unter Wiederholung der mystischen Formel Gesser dreimal auf den Kopf schlägt. Gesser zieht das Weib unter Aussprechen einer ähnlichen Formel dreimal am Kopf, worauf dasselbe in einen Esel verwandelt wird. An Stelle des homerischen Hermes, der das schützende Kraut àαν◻αν reicht, sind hier die drei göttlichen Schwestern getreten, und während Kirke keine Strafe erleidet und der Oekonomie des Gedichtes nach gar nicht verwandelt werden darf, muss hier die Zauberin ihre Missethat gewaltig büssen. Das mongolische Gedicht braucht eben ihre Person nicht mehr und wirft sie drum möglichst rasch und drastisch ab. Im Uebrigen wird Niemand in beiden Ueberlieferungen denselben Grundzug verkennen. Was die Verwandlungen selbst betrifft, so erscheinen dieselben im Märchen als Verwandlungen in Thiergestalten*), Pflanzen und Steine. Von letzterer Art bieten die schon erwähnten MärchenDie Zwillingsbrüder(Grundtvig, Dän. Volksm. S. 317) undDie drei Königssöhne(Stier, Ung. M. u. S. Nr. 1) schöne Beispiele*). Dieselben belehren uns zugleich über die auch bei Homer vermittelst eines besonderen qdοσσαάν bewerkstelligte Rückwandlung in Menschengestalt( 391), bei der beide Male Lebenswasser ange- wandt wird. Auch Gesser Chan(6. Buch; Jülg, a. a. O. S. 69, 70) wird von einem tückischen Riesen durch magische Kraft in einen Esel verwandelt und nur durch die List seiner Gemahlin Adschu Mergen nach einiger Zeit wieder entzaubert. Damit haben aber die Uebereinstimmungen noch kein Ende. Nachdem Odysseus die auf Anrathen der Kirke unternommene Fahrt in's Todtenreich glücklich beendigt, gelangt er nochmals nach Aiaie und empfängt nun von der ihm wohlgesinnten Zauberin Verhaltungsmassregeln für die bevorstehende gefährliche Fahrt(à)37 142). Du wirst zuerst an den schönsingenden Sirenen vorbeimüssen, sagt sie ihm, dann an den Plankten, ferner an Skylla und Charybdis, den lauernden und schlürfenden Ungethümen, und endlich nach Thrinakia gelangen. Und wie heisst es im 4. Buche von Gesser Chan(Jülg, a. a. O. S. 64)?Unterwegs kommst du an einen bezauberten Fluss, in welchem scheinbar Pferde, Menschen und Felsstücke durch einander strömen und heulende und winselnde Töne hören lassen; unter dem Ausruf mystischer Worte schlag dreimal mit deiner magischen Peitsche in den Fluss und passire dann denselben. Von da weiterhin kommst du zu einer andern Verwandlung, nämlich zu zwei an einander schlagenden Felswänden; um zwischen denselben durchzukommen, musst du selbst ein Mittel ausfindig machen. Und Gesser kommt glücklich hindurch, wie wir an einer anderen Stelle erfahren werden(s. u. Plankten), während Odysseus seine Leiden zwischen Skylla und Charybdis bestehen muss. Sind das nicht auffallende Ueberein- stimmungen? Iier wiek dort die tückische, aber mit Götterhülfe besiegte Zauberin; hier wie dort Verwandlung in Thiergestalt; und schliesslich hier wie dort von der Zauberin gegebene Rathschläge für die fernere Bahn des Helden. Und wenn wir im 4. Buch der mongolischen Sage(Jülg, a. a. O. S. 65) endlich noch lesen, dass Aralgo, Gesser's Gemahlin, die ihren Helden mit vielen Opfern wieder

¹) Dieser charakteristische Zug belehrt uns, dass die Sage in dieser Gestalt nicht vor unserer Zeitrech- nung entstanden sein kann, da in der. vorchristlichen Zeit das Theebrauen in China noch nicht allgemein bekannt war und erst durch buddhistische Mönche nach und nach verbreitet worden ist. S. v. Hellwald, Kulturgeschichte 2. Aufl. I. 147.

²) Auch der Stab der Kirke heist aεαραιυνκε(α 293).

³) Vgl. noch das ungar. M.»Das kleine Zauberpferde(Stier, Ung. M. u. S. Nr. 4; bes. S. 31).

¹) Weiteres bei Rohde, Der griech. Roman. Leipzig. 1876. S. 173 Anm. 2.