Aufsatz 
Die märchenhaften Bestandtheile der homerischen Gedichte / Bender
Entstehung
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ein anderes σααν aus ihrer Schweinegestalt zu befreien ¹). Damit ist das Abenteuer bei der Kirke eigentlich abgeschlossen und das in Od. von 468 an Folgende nur eine Zuthat, die den Zusammenhang mit der Neuut zu vermitteln hat.

Die Kirkeepisode* 133 468 ist ein echtes und vollständiges Märchen. Ein Seefahrer landet an einer Insel. Die Aktion beginnt mit dem Verlust eines Theiles seiner Mannschaft durch die Ver- wünschungen einer Zauberin; wir sehen zitternd den Helden selbst dem Verderben entgegengehen, da tritt eine Göttergestalt helfend ein, und nun besteht der Held den Kampf siegreich und befreit die Genossen. Das ist eine gute, schön und lebhaft gesteigerte und befriedigend abschliessende Handlung. Zugleich fehlt ihr nicht das Wunderbare und damit eben wird sie eine märchenhafte. In Thiere verzauberte Menschen, schützende Kräuter, Zauberstab und Zaubertrank: erinnert uns das Alles nicht an die wunderbaren Erzählungen, die wir als Kinder so begierig in uns einsogen? Gleich die um der Zauberin Behausung herumschleichenden zahmen wedelnden Wölfe und Löwen, arme Menschen- kinder, die dem Stab der Mächtigen verfallen, berühren uns märchenhaft anheimelnd. Wie oft in dem Märchen muss ein Prinz, eine Prinzessin oder sonst Wer, dem Machtspruch eines Zauberers zu Folge, im Thiergewand über die Erde laufen oder fliegen. Nur kommt dann endlich auch die Er- lösung, während hier die Griechen, die schliesslich ein Jahr lang bei Kirke sorglos verweilen, selbst- süchtig genug gar nicht daran denken, für jene Armen auch nur Ein gutes Wort einzulegen. In wiefern und ob überhaupt die Thierart, in die solche Märchendulder verwandelt werden, charakteristisch ist, habe ich aus den mir vorliegenden Beispielen nicht entnehmen können; wenigstens scheint die Vorstellung des Unreinen, die der Semite mit dem Schweince verbindet, hier wie auch in dem ungarischen MärchenDie redende Weintraube u. s. w.(Stier, Ungar. M. u. S. Nr. 8) nicht vor- handen gewesen zu sein. Dem Mongolen ist die Verwandlung in den Esel besonders geläufig.

Kirke mischt ²) den Fremdlingen einen Zaubertrank aus Käse, Gerstenmehl, Honig und Wein; erst nachdem sie davon genossen, verwandelt sie dieselben mit einem Schlag ihres Zauber- stabes*) in Schweine. Dieselbe Procedur wiederholt sich nachher bei Odysseus, aber ohne Erfolg, weil er die schützende weisse Blume trägt. Wie wunderbar stimmt mit diesem Abenteuer unseres Helden ein gleiches des Mongolen Gesser Chan, wie es uns Jülg(a. a. O. S. 66) nach dem 5. Buch der nach dem Helden benannten Sage erzählt!Einmal(auf der Rückkehr nach der Heimat) kommt er zur Behausung eines schönen) Weibes, die ihn zur Bewirthung mit Speise und

¹) An dieses Märchen erinnert eine Geschichte aus dem Somadeva(Gerland, Altgriech. M. in der Odyssee. Magdeburg. 1869. S. 35); ferner das deutsche M. von Jorinde und Joringel.

²) Woher vielleicht ihr Name; vgl. W. io in zld-vmut.

³) Der Stock hat von jeher seine Rolle in der Welt gespielt. Immer ist er das Symbol einer gewissen. körperlichen oder geistigen Gewalt. Wie der Hirt die Heerde, so hält der König(xiyτoꝰros Sabeue) mit seinem Stab die Gemeinde zusammen. Der Herold, als Vertreter des Königs, erscheint stets mit einem Stab. Schon die ägyptischen Zauberer, Aarons Widersacher, tragen Stäbe(2 Mos. 7, 11 u. a. m.), und die Sitte ist bei den modernen indischen Gauklern und selbst europäischen Taschenspielern nicht ausgestorben. Auch in der Hand des Kapell- und Schulmeisters vermag er noch jetzt Wunder zu thun. Hermes hat bei Homer einen Stab( 47), mit dem er die Augen der Menschen einschläfert und wieder wach macht, und nichts Anderes bewirkt der Stab des Eremiten in Puschkin's Russlan und Ludmilla(s. Englich, Progr. von Bartenstein 1877. S. 9). Athene verändert durch Berührung mit einem goldenen Stabe Odysseus' Gestalt 172. In Pancadandachattraprabandha wird von dem Weib des Soma- çarman, Umade, berichtet(Ed. Weber S. 64):»Als sie meinte, dass Alle schliefen, nahm sie einen Stab zur Hand, zog damit um alle herum drei Linien, murmelte ziemlich lange:»Schlafet! schlafet!« und ging hinaus.« Im russ. M. »Vom goldenen Berge«(Dietrich, R. V. M. Nr. 57) erscheint der Geist mit einem Zauberstab, im dän. M.»Die Zwillingsbrüder«(Grundtvig ed. Leo S. 317) verwandelt eine Hexe den jungen König, den sie mit einem Stock schlägt, in Stein. Ebenso im ungar. M.»Die drei Königsöhne«(Stier, Ung. M. u. S. Nr. 1). Noch jetzt spielt im deutschen Volksaberglauben beim sogenannten»Brauchen« der Stab eine wichtige Rolle(s. Kirchenchronik von Ober-Mossau).

¹) Es scheint mir ein ursprünglich und echt griechischer Zug zu sein, dass Kirke und hier das Weib als schön, Kirke ausserdem noch als gute Sängerin geschildert wird, während verwandte Gestalten bei anderen Völkern grossentheils als alte hässliche Weiber(Hexen) erscheinen.