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von Ogygia besitzt. Auch dürfen wir den Unterschied nicht ausser Acht lassen, dass bei der in einem schönen Hause wohnenden Kirke Alles viel cultivirter erscheint als bei Kalypso, der eine Höhle als Wohnort genug ist.
Die im fünften Gesange so plastisch entgegentretenden Scenen von dem Besuch des Hermes bei Kalypso, ihrem Gespräch mit Odysseus und der Art, wie sie ihn freundlich entlässt, werden gleich im Anfang der Odyssce(, 14; 40) andeutungsweise vorbereitet. Dort also, erfahren wir, auf baumreicher(deεν⁴εσνααα α 51) Insel(Lyvyf,) α 85) hält ihn des Atlas Tochter zurück, so dass er für die übrige Welt verschwunden ist(daher Kasννμ); aber er kennt nicht Liebe zu ihr¹), er kennt nur Eine Sehnsucht, die nach der Heimat. Auch Proteus weiss von seinem Aufenthalt( 556). Endlich hat seine Befreiungsstunde geschlagen. In Abwesenheit des Poseidon, der noch bei seinen Freunden, den Aethiopen, weilt, beschliessen die Götter seine Heimkehr. Hlermes wird abgesandt, der Nymphe die nicht ganz angenehme Botschaft zu überbringen; ge- fesselt von dem Wohlgeruch verbrennenden Cedern- und Thyonholzes verweilt er beim Anblick des mit Erlen, Pappeln und Cypressen bestandenen und von Eulen, Habichten und Krähen belebten Waldes; edele Reben ziehen sich um die Wohnung der Göttin und ringsum grünen Wiesen mit Veilchen und Eppich. Er tritt ein, wird standesgemäss empfangen und, wenn auch ungern, verspricht Kalypso, ihren Gast zu entlassen. Mit Rath und That unterstützt sie den scheidenden Geliebten beim Bau des Flosses, versieht ihn mit Allem, was er bedarf, und so nimmt der Dulder hoffnungsvoll von der Insel Abschied, die ihn 7 Jahre lang ²) als ihren Bewohner getragen hatte.
Abgesehen von dem über Menschengewalt und“verstehen hinausgehenden Eingreifen der Götter in die Handlung erscheint nur das Terrain, auf dem sich die handelnden Personen bewegen, und die magische Kraft der Kalypso selbst als märchenhaft. Denn Kalypso ist keine völlige Göttin, sie hat keinen Theil an dem Rathe der Götter und muss sich willenlos deren Beschlüssen fügen; auch ist sie durchaus nicht allwissend, aber sie besitzt Kräfte und Eigenschaften, die über das menschliche Mass weit hinausreichen und sie darum als eine wunderbare Frau erscheinen lassen. Dabei zeigt sich zwischen ihr und Kirke noch ein sehr zu ihren Gunsten sprechender Unterschied: sie hält den Odysseus nur zurück, weil sie ihn sich zum Gemahl wünscht; während Kirke sich die ebenso teuflische wie zwecklose Freude macht, unschuldige Fremde sofort und ohne jede Veranlassung in Thiere zu verwandeln ²).
Treten wir nun einmal in den magischen Kreis dieser Zauberin ein! Odysseus hat sie früher kennen gelernt als Kalypso. Noch hat er die letzten Gefährten, noch sein letztes Schiff nicht ver- loren, und froh, den Lästrygonen entgangen zu sein, legt er in einer Bucht der Insel Aiaie an. Das Loos entscheidet, dass Eurylochos mit der Hälfte der Mannschaft auf Kundschaft ausgehen soll; aber weh! sie kehren nicht wieder, nur Eurylochos, der sich vorsichtig fern gehalten, kann thränenden Blicks berichten, dass eine schöne Frau die Gefährten in ihr Haus geladen und dass sie nun alle verschwunden seien. Odysseus zeigt sich immer in der Noth am grössten. Furchtlos schreitet er der Schlucht zu, in der das Haus der Zauberin sich befindet; aber unrettbar wäre er doch der Ver- wandlung verfallen, in der die unglücklichen Gefährten schon im Stalle stehen, hätte nicht Hermes ihm das weissblüthige vor allem Zauber schützende Kraut Moly in die Hand gegeben. Nun vermag der Trank, den ihm Kirke mischt, und selbst ihr Zauberstab Nichts mehr über ihn, das Schwert in der Hand zwingt er sie, von ihren Zaubereien zu lassen und schliesslich auch die Gefährten durch
*) Ein leiser Anklang hieran im dän. Märchen»Ritter Grünhut«.(Grundtvig-Leo, Dän. Volksm. S. 217 ff.) ²)„ 259 1„ H.α mμ εοderer eεroe dunεdοννιτ. ³) Das deutsche Märchen würde daher Kalypso eine»Fee«, Kirke eine»Hexe« nennen.


