Aufsatz 
Die märchenhaften Bestandtheile der homerischen Gedichte / Bender
Entstehung
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S. 64), Dänischen(Grundtvig, Dän. Volksm. ed. Leo S. 136 ff.), in vielen deutschen Märchen und gewiss auch sonst noch zahlreich nachweisen lässt. Ganz auffallend¹) aber stimmt mit der ganzen Geschichte eine Episode aus dem mongolischen Heldengedicht von Gesser-Chan, dessen Hauptinhalt Jülg(Verh. der Philologenvers. zu Würzburg, Leipz. 1869. S. 58 71) in dankenswerther Weise bekannt gegeben hat. Im 4. Buch jenes Gedichts wird von der Reise des Helden zu einem Riesen, halb eine Polyphems-, halb eine Proteusnatur, berichtet. Wie Proteus sich in alles mögliche ver- wandeln kann und vor Menelaos als Löwe, Drache, Panther, Eber, Wasser, Baum erscheint, so stehen dem Riesen eine fast zahllose Menge von Verwandlungen zu Gebot, unter diesen gerade auch eine Hauptverwandlung in einen Baum; Gesser kann ihrer nur Meister werden, indem er sich zuvor be lehren lässt(Jülg, a. a. O. S. 63) ²). Also derselbe Zug, nur mit einer für den innerasiatischen Ursprung letzterer Anschauung charakteristischen Variante: bei Homer, dem Jonier, ist es der Gott des flüssigen, wandelbaren Flementes, der sich in alle möglichen Gestalten wirft, auf den Hochländern Centralasiens ist es der Sohn der Erde, der Riese, der diese wunderbare Gabe besitzt. Ob ein Zusammenhang zwischen beiden Berichten besteht? Ich glaube es und halte die ionische Version für die Quelle der mongolischen. Strikte Beweise freilich sind noch nicht zur Hand; die merkwürdige, demnächst näher zu beleuchtende Uebereinstimmung aber einzelner Theile der Gesser- Khansage besonders mit den Kirke- und Polyphempartieen der Odyssee ist so auffallend und dabei so eigenartig, dass an ein ganz selbständiges Entstehen der peiden Sagen kaum gedacht werden kann, vielmehr die eine als ein durch weite Länderstrecken hindurchgeführter aber verhältnissmässig doch nur wenig getrübter Abstich der andern betrachtet werden muss.

VI. Kalypso und Kirke.

(Od.« 12 270;* 135 574 und 1143.)

Die Gestalten der Kalypso und der Kirke bieten dem Beobachter so viele Parallelzüge, so viele geschwisterliche Aehnlichkeit, dass der Versuch, sie zusammen zu betrachten, wohl gerecht- fertigt sein mag*). Beide wohnen fern von den Menschen auf meerumflossener Insel( 55;* 135), allein, wie es die Art von Zauberinnen und Hexen allüberall gewesen, höchstens von wunderbaren Dienerinnen umgeben(x 350); Beide sind schön(s 58 vi³⁴μφσννυππαϊαααν 136 sulαναeμε, deνν eös und öfter), gute Sängerinnen und gewandt, das Webeschiffchen zu werfen( 61, 62;* 222, 223) und Beide rühmen sich übermenschlicher Kräfte. Kalypso verspricht dem Odysseus, wenn er bei ihr bleibe, 136, ihn unsterblich zu machen; sie hält den Dulder mit unsichtbarer Gewalt bei sich fest denn dass er nicht selbst schon auf den Gedanken habe kommen können, sich ein Floss zu zimmern, dürfen wir bei dem ⁴ννμμμιι dysseus kaum vermuthen und erst auf der Götter Befehl hin entlässt sie den Harrenden und gibt ihm ausser Brod, Wein und Kleidung noch günstigen Fahr- wind mit( 167, 268): kann Alles das eine gewöhnliche Sterbliche? Im Besitze höherer Kräfte noch erscheint Kirke, die vollendete Zauberin, die Gestalten zu wandeln versteht, andererseits aber, wenn auch in der Geographie bewanderter als Jene, doch nicht den vorahnenden Blick der Nymphe

¹) Die Stellen Ovid. Met. VIII 732 37 und Virg. Georg. IV, bes. 407 und 412 sind zur Vergleichung nicht heranzuziehen, da sie direkte Nachahmungen der betr. Stellen in Od. d sind.

²) Nach solcher vorhergehenden Belehrung und bei Anwendung der nöthigen Energie werden schliesslich auch alle diese dümonischen Gestalten gezwungen, zu sagen oder zu thun, was der Ueberwüältiger verlangt. In ähnlicher Weise wie Proteus werden auch Waldgötter gefesselt und müssen weissagen; s. die angef. St. bei Rohde, Der griech. Roman S. 204, Anm. 3.

³) Inwieweit sie mythologisch zu trennen seien, soll hier vorläufig nicht berücksichtigt werden.