Aufsatz 
Glaziale Erscheinungen im Odenwald
Entstehung
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Klimas bedeutend tiefer in den Tälern herabgestiegen sind, ja sogar gewaltige Gebiete mit einer vollständigen Eisdecke iberzogen haben, sind natürlich auch diese Transportwirkungen der Gletscher in viel grösserem Umfange erfolgt. Auch haben sich infolge der erniedrigten Temperatur und der grösseren Feuchtigkeit des Klimas auf den Höhen verschiedener, heute nicht mehr vergletscherter Gebiete bedeutende Vereisungen gebildet. Diese lassen sich durch die zurückgelassenen Glazialgebilde nachweisen, die den an heutigen Gletschern beobachteten analog sein müssen. So darf man heute nach den gefundenen Glazialerscheinungen annehmen, dass z. B. der südliche Schwarzwald, die hohe Tatra und das Riesengebirge zur Eiszeit ver- gletschert gewesen sind. Die Grundmoränen, die man in solchen Gebieten aufgefunden hat, sind eine von Gesteinstrümmern der verschiedensten Form und Grösse erfüllte Schlamm- masse, welche je nach dem Gebiet, in dem sich der Gletscher bewegt, aus einem mehr oder weniger sandigen Lehm, dem Zermalmungsprodukt des Gesteinsschuttes im Untergrunde bestehen. Wo feldspatarme, quarzreiche Gesteine vorherrschen, werden sie sehr sandig, leicht durch- lässig sein, wo dagegen solche Gesteine auftreten, die bei der Verwitterung einen schweren Boden liefern, werden sie selbst auch schwer und undurchlässig sein. Dies war besonders bei den Grundmoränen des grossen Skandinavisch-Baltischen Gletschers der Fall, wo die Grund- moränen aus dem Tertiär der norddeutschen Tiefebene reichliche Massen von Ton aufge- nommen haben und deshalb sich jetzt als schwerer Geschiebelehm oder Geschiebemergel darstellen. Charakteristisch ist für die Grundmoränen in ihrem ursprünglichen Zustand ein völliger Mangel an Schichtung, eine ganz wirre, ordnungslose Struktur und eine sehr feste Packung des Materials. Die Gesteinstrümmer sind eckige, kantenbestossene und ganz gerundete Splitterchen, Gerölle, Geschiebe und Blöcke, welche bunt durcheinander liegen, wobei die sandig-lehmige Grundmasse alle Zwischenräume ausfüllt, sodass nirgends Lücken oder Hohl- räume zu bemerken sind. Diese Struktur verleiht dem Ganzen grosse Festigkeit.

Vor allen andern Merkmalen ist aber für die Erkennung einer echten Grundmoräne wichtig das Vorhandensein von sogenanntenGletscherschliffen. Unter solchen ver- steht man die Spuren des Abgeschliffenseins mit talwärts gerichteten Schraffen und Kritzen.

Gerade auf deren Vorkommen muss bei dem Schlusse auf Vergletscherung eines Ge- bietes besonderer Wert gelegt werden. Penck sagt an einer Stelle:Grundmoränen mit Gletscherschliffen können ganz ausschliesslich und allein nur von Gletschern gebildet werden und müssen einem jeden Gletscher angehören, während die Oberflächenmoränen aller Art nebst den erratischen Blöcken häufig den Gletschern fehlen.

Weitere Glazialerscheinungen sind Stauchungen loser Schichten unter den Grund- moränen. Auch sind die sogenannten Gletschermühlen, Strudellöcher, Riesentöpfe oder Gletschertöpfe in früherer Zeit als sicherer Beweis für Vergletscherung angesehen worden; heute ist man jedoch der Ansicht, dass diese Gebilde auch ohne Wirkung eines Gletschers rein fluviativ entstanden sein können.

Schiesslich müssen als Glazialerscheinungen noch die umformenden Wirkungen betrachtet werden, die ein Gletscher auf die Gestalt von Tälern ausüben kann. Insbesondere sind eine den Gletschern eigentümliche Erosionsform die sogenannten Kare oder Zirkus- täler, kesselförmige Nischen, welche das oberste Ende vieler Hochgebirgstäler bilden. In den oben als sicher vergletschert angeführten Gebirgen sind auch diese Erscheinungen ge- funden worden.