Aufsatz 
Geschichte des Progymnasiums und der Realschule zu Michelstadt während der ersten 50 Jahre ihres Bestehens von 1834-1884
Entstehung
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45 ſtändnis und ſegensreiche Beihilfe, von Seiten des Publikums warmes und förderndes Intereſſe. Mit Hingabe hat eine große Reihe von Lehrern, von denen ſchon mehrere in die ewigen Wohnungen des Friedens hinübergezogen ſind, ihre beſte Manneskraft für ihr Gedeihen und ihre Entwicklung eingeſetzt. In die Gefühle der Dankbarkeit, welche wir allen denen weihen, die für die Gründung und Fortentwick⸗ lung dieſer Anſtalt gearbeitet, gewirkt und gerungen haben, ſtimmen die vielen Schüler ein, welche ſich hier vorgebildet haben und jetzt in den verſchiedenſten Lebensſtellungen und Berufsarten wirken; mit ihnen ver⸗ einigen ſich die Eltern und Angehörigen, welche uns in zuverſichtlicher Hoffnung ihre Lieben anvertrauten und nun ihr Vertrauen gerechtfertigt ſehen; ihnen ſchließen ſich an die Schüler, welche auch jetzt und in der Zukunft die Grundlagen ihrer Bildung hier legen wollen. Den höchſten Lohn mögen aber alle, welche für das Gedeihen dieſer Anſtalt gewirkt haben, in dem Bewußtſein finden:Wer für die Schule wirkt, baut an der Zukunft der Menſchheit, bereitet vor für die hohen Ziele, der ſie zugeführt werden ſoll, führt jenes Reich des Friedens und der Freude ſchon hinieden herbei, das Erde und Himmel verbindet. Da aber alle menſchliche Thätigkeit nichts iſt ohne den Segen Gottes und dieſer Segen offenbar auf dieſer Anſtalt geruht hat, ſo geziemt es ſich endlich, die Herzen und Hände in frommer Dankbarkeit zu dem zu erheben, der mit dieſer Anſtalt geweſen iſt, der ſie durch allen Wechſel der Zeiten ſicher geführt hat, der die Regierenden mit Weisheit und Kraft, die Lehrer und Leiter mit Treue und Ausdauer, die Eltern und Angehörigen der Schüler mit Sorgfalt und Verſtändnis, die Kinder mit Fleiß und Be⸗ harrlichkeit ausgerüſtet hat. Die Worte, welche vor 50 Jahren bei der feierlichen Einweihung der Schule geſprochen wurden, ſind wahrhaftig in Erfüllung gegangen:Kinderfleiß und Sittlichkeit, Lehrer⸗ treue und Elternſorgfalt, die treue Mitwirkung Aller möge ſich vereinigen mit Gottes Segen zum Ge⸗ deihen der Schule und nicht beſſer können wir die Zukunft der Schule der Gnade des Höchſten em⸗

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pfehlen, als mit den Worten der Weiherede, die am Altare bei der feierlichen Einweihung der Schule geſprochen wurden:.

Erhalte allgütiger, Gott, dieſer Schule die huldreichſte Fürſorge Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs, unſeres allergnädigſten Landesherrn und Vaters. Nur unter ſeinem Schutz und deinem göttlichen Beiſtand wird gedeihen, was die Unterthanen gründen und ſeine Diener fördern helfen. Die vor ſeinem Throne verſammelten Stände des Landes erfülle mit Weisheit und laſſe nieder auf ſie den Geiſt des Friedens und der Eintracht zwiſchen Thron und Volk, damit ſie, des Landes wahres Wohl im Auge habend, es nicht in vielen Worten, nein, in edlen Werken zu begründen ſuchen. Erhalte, allgütiger Gott, auch ferner dieſer Schule geneigt unſere Erlauchte Standesherrſchaft, durch deren edles Streben, Menſchenwohl zu fördern, ſchon manches gute Werk ins Leben trat. Gieb dem Vorſtande dieſer Stadt einen heiligen, frommen Sinn; gieb ihm Mut und Beharrlichkeit, in Friede und Eintracht alle Schwierigkeiten zu beſiegen, und jedes Opfer willig darzubringen, damit dieſe Schule immer mehr gemeinnützig für Bürgerwohl werde. Erfülle mit deiner Gotteskraft und Weis⸗ heit die Lehrer dieſer Schule, daß ſie kräftig und weiſe ihren ſchweren Beruf mit Freuden und Nutzen vollbringen; belebe auch in ihren Herzen einen frommen Sinn, auf daß ſie nicht blos verſtändige Bürger für die Erde und ihre Geſchäfte bilden, ſondern auch gute Menſchen für Erde und Himmel zugleich. Auch in den Kindern, Allvater, erwecke Empfänglichkeit für Weisheit und Tugend, damit die Saat auf guten Boden falle und reiche Frucht erwachſe, der Mit⸗ und Nachwelt zum Nutzen. Auf die ganze

Bürgerſchaft laſſe ſich dein Geiſt der Weisheit nieder, damit jeder den Zweck der Schule erkenne und nicht tadle, was er nicht verſteht. So nimm denn, allgütiger Gott, dieſe Schule in deinen allmächtigen Schutz; wem können wir ihre Zukunft beſſer anvertrauen? Segneſt du ſie, dann iſt, dann bleibt ſie ge⸗ ſegnet, und unſere Stadt ruft mit mir: Amen!

Michelſtadt, im März 1884. Becker. Großherzoglicher Realſchuldirector.

Brochiert von Fr. Kehrer in Michelſtadt.