Aufsatz 
Geschichte des Progymnasiums und der Realschule zu Michelstadt während der ersten 50 Jahre ihres Bestehens von 1834-1884
Entstehung
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niſſe von Lehrern und Schülern ſchon jetzt abnorm waren, daß 28% der Schüler an Kopfweh, 15% an Naſenbluten, 24% an Schwindel, 30% an Kurz⸗ und Schmachſichtigkeit litten. Es fand hierauf am 30. Januar 1875 eine nochmalige Beſichtigung der Lokale durch Großherzogliches Miniſterium des Innern ſtatt, wozu die Herren Oberſchulrat Becker und Miniſterialrat Jaup hieher gekommen waren und der ganze Gemeinderat geladen und erſchienen war. In der im Beiſein dieſer Herren abgehaltenen Gemeinderatsſitzung wurde der Stadt behufs Erbauung eines Schulgebäudes eine Erleichterung hinſicht⸗ lich des jährlichen Beitrags zugeſagt, ſowie in Ausſicht geſtellt, daß die Regierung einen Antrag des Stadtvorſtandes, betreff. die Gewährung eines Staatszuſchuſſes, bei den Ständen befürworten werde. Eine Commiſſion, beſtehend aus dem Großherzoglichen Realſchuldirector Becker, Großherzoglichen Bürger⸗ meiſter Kredel, Gemeinderat Lang, Gemeinderat Kredel und dem Gräflichen Baumeiſter Lauſter ſah einſt⸗ weilen die in den Nachbarſtädten Offenbach, Sachſenhauſen und Darmſtadt neu erbauten höheren Schulen an Ort und Stelle ein, und nach ſorgfältiger Erwägung aller Einzelheiten dieſer Bauten und nach Ein⸗ ziehung aller Erfahrungen, die dort inzwiſchen gemacht worden waren, trat die Commiſſion unter Zu⸗ grundlegung der von Großherzoglicher Realſchuldirection gegebenen Bedürfniſſe der Frage näher und ließ zunächſt durch das techniſche Mitglied, Baumeiſter Lauſter, unterſuchen, ob das Landgerichtslokal zu dem Zwecke eines Realſchulgebäudes herzurichten ſei. Man fand, daß die ganze innere Einrichtung, die Stock⸗ werkhöhe, die Fenſteröffnungen u. ſ. w. ſich hierzu nicht eigne, daß die Koſten für den An⸗ und Umbau, ſowie für den Ankauf oder den Neubau eines Landgerichtsgebäudes ſich mindeſtens auf 45,000 50,000 Gulden belaufen würden. Unter dieſen Umſtänden entſchied ſich die Commiſſion für den Neubau eines Realſchulgebäudes und beauftragte das techniſche Mitglied, eine Skizze desſelben zu entwerfen und den Koſtenvoranſchlag aufzuſtellen. Unter Zugrundlegung desſelben richtete hierauf der Gemeinderat die Bitte an Großherzogliche Staatsregierung, die zur Gewährung eines Anlehens zu 3% Verzinſung und 1% Amortiſation erforderlichen Schritte zu thun und den Ständen noch auf dieſem Landtage Vorlage zu machen, damit der Bau noch vor Winter unter Dach gebracht werden könne. Die Vorlage erfolgte, jedoch mit der Modification, daß der hieſigen Stadt zur Erbauung des Realſchulgebäudes ½ der Bau⸗ koſten aus Staatsmitteln gewährt werden möchte. Inzwiſchen entſpannen ſich lebhafte Debatten über die Platzfrage. Der Unterzeichnete hatte zu dieſer Frage nur folgende pädagogiſche und hygieniſche Ge⸗ ſichtspunkte zur Erwägung gegeben:

1. Der Bauplatz muß der Luft und dem Licht zugänglich ſein. Man wähle einen freigelegenen Platz, deſſen Untergrund trocken iſt.

Man rücke den Hauptbau ſo weit von der Straße, daß der Unterricht nicht durch Staub und Geräuſch leidet.

Man verwandle dieſen Vorplatz durch Blumen und niederes Geſträuch in eine durch die Aus⸗ dünſtung der Pflanzen wohlthätig wirkende Anlage..

Man wähle die Lage des Gebäudes ſo, daß die für die Geſundheit der Schüler zweckmäßigſte Weltgegend nach Oſten oder Südoſten für die meiſten Schulzimmer beſtimmt werden kann.

Man ſorge für Herrichtung eines Brunnens im Schulhofe.

Man lege die Abtritte und Piſſoirs ſo weit vom Hauptgebäude und vom Brunnen, daß die Ge⸗ ſundheit der Schüler nicht durch üble Gerüche oder ſchlechtes Waſſer benachteiligt werde.

Am 6. Januar 1876 nahm hierauf eine Commiſſion, beſtehend aus den Herren Miniſterialrat Knorr, Oberſchulrat Greim, Oberbaurat Müller, Medicinalrat Hallwachs Einſicht von den ver⸗ ſchiedenen Plätzen, welche zur Erbauung des Realſchulgebäudes von Seiten des Gemeinderates vorge⸗ ſchlagen worden waren. Die Majorität des Gemeinderats hatte nämlich mit Rückſicht auf die geſunde Lage, ſowie auf die von Erbach und den umliegenden Orten zu Fuße kommenden Schüler beſchloſſen, daß der Bau an das Südende der Stadt geſtellt würde, während eine ſehr anſehnliche Minorität wegen der mit der Bahn täglich kommenden Schüler, deren Anzahl damals ſchon 3040 betrug, denſelben an dem Nordende unweit des Bahnhofes ausgeführt haben wollte. Der Unterzeichnete hat in Überein⸗ ſtimmung mit ſeinen amtlichen Ausführungen bei dieſer Gelegenheit erklärt, daß er mit Rückſicht auf die mit der Bahn täglich kommenden Schüler die Erbauung des Realſchulgebäudes in der Nähe des Bahnhofes für ſehr wünſchenswert halte. Er hielt dieſe Lage auch mit Rückſicht auf die Zukunft Michelſtadts, das ſich dereinſt nach dem Vorgang anderer kleiner Städte gewiß nach der Bahn hin er⸗ weitern werde, geboten. Dieſe ſpätere Erweiterung der Stadt würde das Schulgebäude in dieſelbe ver⸗

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