wieder gewonnenen Männlichkeit das notwendige Gegengewicht geben und im jugendlichen Zuſammen⸗ leben den ganzen Menſchen umfaſſen und ergreifen.“ Jahn.
„Beim Turnen kommt es darauf an, daß jeder Einzelne zum freien Gebrauch ſeiner leiblichen Kräfte gelange, die ohne Pflege, wie die geiſtigen, nur ein karges Gut bleiben; es kommt darauf an, daß jedes einzelne Glied des Leibes, je nach ſeiner natürlichen Beſtimmung, kunſtgemäß geübt werde und ſomit der ganze Leib, ebenmäßig ausgebildet, unter der Herrſchaft des Geiſtes ſtehe.“ Spieß.
„Aber das iſt die erſte Lehre des Turnplatzes, die Jedem, ſobald er ihn betritt, gegeben und während aller Jahre, die er ihn beſucht, vorgehalten wird, daß dieſe Turnübungen keine UÜbungen der Eitelkeit und Gaukelei ſind, ſondern Übungen und Vorbereitungen für die Arbeiten des Mannes und die edelſten Forderungen des Lebens, damit ein geſunder, ſtarker, tapferer und freudiger Mann werde, der den Beſchwerden der Märſche und den Arbeiten des Lagers und des Schlachtfeldes gewachſen ſei; denn das iſt der Jammer aller Jammer, wenn der Mann zu ſchwach iſt, dem Vaterlande die uner⸗ läßliche Schuld zu bezahlen. Auch das bändigt die Citelkeit und die leere Prahlerei, daß die Keuſchheit als die erſte und heiligſte Pflicht des deutſchen Menſchen und Chriſten gelehrt, daß auf jeden Weichling und Wüſtling mit Abſcheu hingewieſen wird, daß in der ſtrengen und ehrenfeſten Verſammlung Keiner geduldet wird, der etwas Schändliches und Lüderliches gethan oder gelitten hätte.“ Arndt.
Der Unterzeichnete hatte die Genugthuung, daß alle dieſe Forderungen an Schulgebäude durch die Beſtimmungen Großherzoglichen Miniſteriums des Innern vom 29. Juli 1876, betr. den Bau und die innere Einrichtung der Schulräume und Lehrerwohnungen vollkommen beſtätigt wurden.
In den Programmen 1874, 1875, 1876 und 1877 berichtete dann der Unterzeichnete über den Fortgang der Verhandlungen in Betreff der Herſtellung eines neuen Realſchulgebäudes. Da die Mängel bei zunehmender Frequenz der Schule immer fühlbarer wurden, ſo hat der Unterzeichnete die in päda⸗ gogiſcher und hygieniſcher Beziehung ſich ergebenden Folgen nicht länger allein tragen zu können geglaubt und den Antrag geſtellt, daß eine Commiſſion, beſtehend aus einem Arzte, einem Pädagogen und einem Mitglied der hohen Schulbehörde von dem Lokal der hieſigen Realſchule Einſicht nehmen und die erforderliche Anregung zur Beſchaffung geeigneter Lokalitäten geben möge. Dieſe Commiſſion hat unter dem Vorſitz des Herrn Geheimen Rats und Oberſtudien⸗Directors von Willich am 15. December 1873 Einſicht von dem Lokal genommen. Dieſer Commiſſion waren folgende Hauptgeſichtspunkte zur Er⸗ wägung und teilweiſen Einſichtsnahme von Großherzoglicher Realſchuldirection vorgetragen und im Pro⸗ gramme 1874 nachträglich zuſammengeſtellt worden:
Die Räume ſind für die drei Unterklaſſen unzureichend; das Zimmer für Klaſſe III iſt zugleich Lehrzimmer für die Handwerkerzeichen⸗ und Abendſchule; das Zimmer für Klaſſe II muß zu⸗ gleich für Ackerbauſchule und Bibliothek dienen; das Zimmer für Klaſſe 1 hat nur eine Fenſteröffnung und keinen Abzugskanal für die bei chemiſchen Verſuchen entſtehenden Gaſe. Das Licht iſt in allen Zimmern mangelhaft.— Nach genauen Abmeſſungen iſt der Sitzraum in 4, der Luftraum in 6 Fällen zu klein. — Ein beſonderer Übelſtand in Klaſſe V iſt der, daß die Schüler zu nahe am Ofen ſitzen, andere zu nahe an die Fenſter kommen. Die Trennung des Schullokals verurſacht bei dem öfteren Wechſel große Störung. Die Lage der Aborte mitten im Schulraume verpeſtet die Luft in den Schulräumen und auf dem Gang. Die Anzahl der Aborte iſt zu gering.— Es fehlt eine bedeckte Turnhalle, weshalb im Winter nicht geturnt werden kann. Es fehlt ein Lehrerzimmer. Das jetzige iſt Vorratskammer und Durchgang für die Schüler der Klaſſen II und I.— Die vorſtehenden Anſtände hemmen nicht allein die Erziehung und den Unterricht der Jugend, ſie ſind zugleich teilweiſe der Geſundheit derſelben nach⸗ teilig und können beim Ausbruch von Epidemien verhängnisvoll werden. Endlich darf die Eventualität nicht außer Acht gelaſſen werden, daß die Notwendigkeit einer alsbaldigen Räumung der Lokalitäten eintreten könnte. Eine ſolche würde aber bei der Ausdehnung der Schule und dem Mangel an geeig⸗ neten Lokalen in hieſiger Stadt die Exiſtenz der Schule gefährden.
Im Programm 1875 haben wir nachgewieſen, daß trotz der notdürftigen Herrichtung eines weiteren Klaſſenzimmers die Geſundheitsverhältniſſe bei der außerordentlichen Frequenz ſich noch ver⸗ ſchlimmert hatten. Wir haben hervorgehoben, daß die Luftverhältniſſe in den Klaſſen und auf den Gängen durch die große Anzahl der Schüler und die Lage der Aborte weſentlich ſchlechter geworden waren, daß das Licht beinahe in allen Räumen außerordentlich mangelhaft war, daß die Schüler zu ge⸗ drängt ſaßen, einige ganz nahe am Ofen, andere in der Nähe der Fenſter, daß die Geſundheitsverhält⸗


