Aufsatz 
Geschichte des Progymnasiums und der Realschule zu Michelstadt während der ersten 50 Jahre ihres Bestehens von 1834-1884
Entstehung
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legung der ſeitherigen Verhandlungen und beantragte die Übernahme der Vorſchule durch den Staat unter den bei anderen Vorſchulen des Landes beſtehenden Beſtimmungen. Hierauf erfolgte 1878 die proviſoriſche und ſodann 1879 die deſinitive Vereinigung der Vorſchule mit der Realſchule..

Während die innere Entwicklung der Anſtalt namentlich ſeit den gewaltigen hiſtoriſchen Ereig⸗ niſſen der Jahre 1866 und 187⁄1 und ſeit der beſonders für den Odenwald außerordentlich wichtigen Eröffnung der Eiſenbahn raſch voranſchritt und endlich durch die Einführung des Normallehrplans im Jahre 1879 vorerſt einen ſicheren Abſchluß fand, der ſie wenigſtens mit ihren Schweſteranſtalten, den Realſchulen II. Ordnung des Landes, gleich ſtellte, ihr die Berechtigung zur Ausſtellung der Zeugniſſe für den einjährig freiwilligen Militärdienſt ſicherte, errang ſie erſt nach vieljährigen Anſtrengungen des Unter⸗ zeichneten ein für ihre Zwecke geeignetes Lokal. Se. Erlaucht, der Graf von Erbach⸗Fürſtenau gewährte ihr zwar huldvollſt das für das Progymnaſium erbaute Haus, die jetzige gräfliche Rentkammer, bis zum Jahr 1839, und bewährte dadurch das hohe Intereſſe, welches er an der Gründung und Ent⸗ wicklung der Realſchule nahm. Auch zeigte er dasſelbe Intereſſe für die Fortdauer der Anſtalt, indem er in dieſem Jahre der Realſchule die gräfliche Kellerei, die ſeitherige Rentkammer, gnädigſt zur Ver⸗ fügung ſtellte und in den folgenden Jahren alle notwendigen baulichen Veränderungen auf Koſten der gräflichen Verwaltung machen ließ. Dennoch traten bei dieſem Übergang ſchon im Jahre 1839 entſchiedene Mängel hinſichtlich der Lokalitäten zu Tage, zumal ſich bald die Schule bedeutend ausdehnte. Sehr inſtructiv ſind in dieſer Beziehung die Verhandlungen, welche der damalige Director lr. Winterſtein hinſichtlich der Lokalitäten führte. Er ſagte ausdrücklich, daß das in Ausſicht genommene Lokal viel⸗ leicht für die Gegenwart hinlänglich Raum biete, daß dies jedoch wohl ſchwerlich in der nächſten Zu⸗ kunft der Fall ſein werde; er betonte, daß weſentliche, mit großen Koſten verbundene Baueinrichtungen vorgenommen werden müßten, damit den meiſten Zimmern die für den Unterricht in der Mathematik, Phyſik, dem Zeichnen und der Kalligraphie erforderliche gleichmäßige und intenſive Beleuchtung gegeben werden könne; er wies ſchon damals auf die geſundheitswidrige Anlage der Aborte mitten in den Schul⸗ räumen hin; er zeigte, daß das Vorhandenſein einer Strickſchule in denſelben Räumen pädagogiſch ſich nicht rechtfertigen laſſe, daß es überhaupt wünſchenswert ſei, daß der Stadtvorſtand für ein bleibendes, zweckmäßiges Realſchulgebäude Sorge trage, und der Großh. Oberſchulrat erklärte ſchon damals, daß nur durch einen Neubau dauernd abgeholfen werden könne. Trotzdem blieb bei dem Mangel eines anderen geeigneteren Lokales und bei der Unzulänglichkeit der Mittel nichts übrig, als, wie es actenmäßig heißt, einſtweilen das dargebotene Lokalproviſoriſch anzunehmen. Aus dieſem Proviſorium wurden 40 Jahre, und alle Entwicklungsphaſen, welche die Anſtalt bis zum Jahre 1878 durchmachte, und die wir oben ausführlich dargelegt haben, vollzogen ſich größtenteils hier, mehrere Nebenanſtalten, welche, teilweiſe durch die Realſchule ins Leben gerufen, von ihr Lokalitäten und Lehr⸗ kräfte und Lehrmittel entlehnten, wie der Unterzeichnete unten angeben wird, haben ſich da angeſchloſſen.

Nachdem aber im Jahr 1868 die Realſchule reorganiſiert worden war, indem ihr eine Ober⸗ klaſſe zugeſetzt wurde, nachdem die 3. Klaſſe im Schuljahr 187 ⁄3 in zwei getrennte Klaſſen geteilt und durch die Eröffnung der Odenwaldbahn 1871 die Frequenz der Anſtalt ſehr bedeutend geſtiegen war, und aus Mangel an Raum bereits eine Klaſſe außerhalb des Lokales gelegt werden mußte, zuerſt in das Wiener'ſche Haus, in welchem unter dem Schulſaal Schreinerei betrieben wurde, ſo⸗ dann in den Tanzſaal der Wirtſchaft zur Amſel, unmittelbar über dem Wirtſchaftslokal, traten die urſprünglich gerügten Mängel des Lokales ſo bedeutend hervor, daß ein längeres Verbleiben in dem⸗ ſelben unmöglich wurde. Schon im Programm 187 ⁄⁄3 ſtellte daher der Unterzeichnete einige Forde⸗ rungen an Schulgebäude vom pädagogiſchen Standpunkte mit Bezugnahme auf das Lokal der hieſigen Realſchule zuſammen. Zur Präciſierung ſeines Standpunktes bemerkt er, daß ihn nicht nur die Be⸗ dingungen einer den Zielen unſerer Schule entſprechenden geiſtigen und ſittlichen Ausbildung der Jugend, ſondern beſonders auch die Grundſätze der Hygiene bei der körperlichen Entwicklung des Kindes leiteten. Je höher nämlich, ſagt er, das Maß des Wiſſens und Könnens iſt, das heutzutage mit Recht von den Schülern höherer Lehranſtalten gefordert wird, je entſchiedener zugleich eine beſtimmte Richtung der Charakterentwicklung verlangt wird, deſto dringender iſt die ſorgfältigſte Beachtung einer richtig geleiteten körperlichen Ausbildung geboten, damit in der gleichmäßigen Entfaltung der geiſtigen, ſittlichen und körperlichen Anlagen ein wahrhaft humanes Bildungsziel erreicht werde. Er ſtellte daher aus dem reichen Material, das bereits Arzte, Pädagogen, Naturforſcher und Lehrer behufs einer rationellen