Aufsatz 
Geschichte des Progymnasiums und der Realschule zu Michelstadt während der ersten 50 Jahre ihres Bestehens von 1834-1884
Entstehung
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edler Munificenz, die hohe Staatsregierung um väterliche Fürſorge, den wohllöblichen Stadtvorſtand um ein warmes Intereſſe, die Collegen um wechſelſeitige Unterſtützung gebeten hatte, wendete er ſich an die Schüler und bezeichnet die Aufgabe der Realſchule in folgenden Worten: 4

Die hieſige Realſchule will Jünglinge heranbilden, welche einen geläuterten Verſtand und ein reiches, für das Edle, Schöne und Erhabene empfängliches Gemüt in ihren künftigen Berufskreis hinüber tragen; Jünglinge, welche der Tugend Tempel, dem Laſter Gefängniſſe errichten; Jünglinge, in deren Herzen das heilige Feuer der Gottes⸗ und Vaterlandsliebe brennt; Jünglinge, welche ſich durch Pünktlichkeit, Ordnungsliebe, Fleiß und Brauchbarkeit auszeichnen; Jünglinge, welche mäßig und beſcheiden, in ihrem Denken und Handeln ſtets rein und edel, in ihrem Glauben treu, voll Ehr⸗ furcht gegen den Lenker des Staatsweſens, voll Achtung vor den vaterländiſchen Geſetzen und Sitten, geſund und ſtark an Leib, Geiſt und Herz gefunden werden.

Sie will die heil'gen Schätze hüten, Die fromm die Väter aufgehäuft,

Des Herzens keuſche Wunderblüten, Den Glauben, der von Frieden träuft.

Sie will eine Pflanzſtätte des Guten, Wahren, Schönen und Heiligen ſein, ein Ort, wo Weisheit und Wahrheit, Friede und Einigkeit, Seelenadel und Charakterſtärke herrſchen, will glühende Begeiſterung für die höchſten Güter der Menſchheit anfachen, Gefühl für Recht, Ehre und Pflicht erwecken, nähren und kräftigen, Tapferkeit und Treue, Frohſinn und Dankbarkeit, Keuſchheit und Familienliebe, die älteſten und echteſten Züge des deutſchen Charakters, ungeſchmälert und ungebrochen bewahren. Schöner und vollſtändiger kann der ideale Charakter einer höheren Schule nicht dargeſtellt werden. Unter ſeiner Leitung ſchritt die Anſtalt in der ſeitherigen Weiſe rüſtig voran; ſeine Einſicht und Erfahrung im Unterricht, ſein hingebender Pflichteifer und ſeine ſtrenge Berufstreue wirkten ſegensreich auf ihre fernere Entwicklung. Der Lehrplan erfuhr eine Erweiterung durch Einführung eines beſonderen israelitiſchen Religionsunterrichts, der mit Genehmigung Großherzoglicher Oberſtudiendirection mit Beginn des Sommerhalbjahres 186¾ an der Realſchule eingerichtet wurde. Im Herbſt 1865 wurde der Unterzeichnete durch die Gnade Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs, durch das Vertrauen der höchſten und hohen Behörden zum Lehrer und Director der Realſchule ernannt. In ſeiner Antrittsrede betonte er ausdrücklich, daß man entſchieden an den ſchon bei der Gründung der Schule ausgeſprochenen Principien, die ſich durch die ſtetig fortſchreitende Entwicklung und Ausdehnung der Schule als geſund und fruchtbar erwieſen haben, feſthalten, daß man vor Allem der Schule ihren idealen Charakter durch gründliche Behandlung der ethiſchen Fächer erhalten müſſe. Man werde zwar auch in der Schule den ſtets wachſenden Be⸗ dürfniſſen des praktiſchen Lebens durch geeignete Berückſichtigung der Realien ſtets Rechnung tragen, man werde den lokalen Verhältniſſen zu entſprechen ſuchen, ſo lange den geiſtigen und ſittlichen In⸗ tereſſen der Schule hierdurch nicht Eintrag geſchähe. Mit der ſtets wachſenden Bedeutung des Mümling⸗ thales in mercantiler und induſtrieller Beziehung werde ſich das Bedürfnis nach einer ſtets umfaſſenderen Begründung und Ausbildung in den neueren Sprachen und in den Realien geltend machen, man werde aber der Schule dennoch ſtets den Charakter einer allgemeinen Bildungsanſtalt für die Bedürfniſſe der modernen Zeit feſthalten, alle fachlichen Richtungen aufgeben und die Befriedigung jedes gerechten lokalen Bedürfniſſes ſo mit der Hauptaufgabe verknüpfen, daß der fortſchreitenden Entwicklung der Schule kein Hemmnis erwachſe. Die Realſchule muß, ſo fuhr er fort, die Fundamente der allen praktiſchen Berufs⸗ arten, dem Kaufmann, Fabrikanten, Techniker, Baumeiſter, Forſtmann, Bergmann und Handwerker nötigen Kenntniſſe in den neueren Sprachen, namentlich in der deutſchen Mutterſprache, in der Mathe⸗ matik und Naturkunde, in der Geſchichte und Geographie und in den graphiſchen Fächern legen, ohne ſpeciell für eine dieſer Berufsarten zu wirken und dadurch zur Fachſchule zu werden; ſie hat zugleich die unendlich höher ſtehende Aufgabe, alle Kräfte des Menſchen nach ſeiner geiſtigen, ſittlichen und körperlichen Seite hin harmoniſch zu entwickeln, die Grundlagen der ſittlich religiöſen Bildung, ohne welche alle Kenntniſſe und Fähigkeiten nichts nützen, zu legen, damit der Menſch nicht allein tüchtig werde in ſeinem irdiſchen Berufe, ſondern vor Allem ſeine hohe, himmliſche Beſtimmung nicht verfehle. Am Schluſſe ſagt er endlich:Auf dieſe Weiſe wird unſere Schule fort und fort den Grund legen zu all den Kenntniſſen und Fertigkeiten, die ihr einſt im Leben braucht; ſie wird aber auch die Stätte ſein, wo alles Gute, Wahre und Schöne, alles Heilige, Erhabene und Ewige gepflegt wird, wo