Aufsatz 
Geschichte des Progymnasiums und der Realschule zu Michelstadt während der ersten 50 Jahre ihres Bestehens von 1834-1884
Entstehung
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ſtändigkeit gewonnen und bei allem Wechſel, der ſie betroffen, das Ziel ſtets feſt und unverrückt im Auge behalten. Dieſes iſt aber kein andres, als das:Die Realſchule will eine Bildungsanſtalt ſein für den höheren Bürgerſtand und zugleich eine Vorbereitungsanſtalt für ſolche Knaben, die ſich einſt den techniſchen Fächern des Staatsdienſtes widmen wollen. Da inzwiſchen die Schülerzahl gewachſen war, das Programm für das Schuljahr 184 ⁄3 weiſt eine Schülerzahl von 79 nach ſo wurde ſchon im Jahr 1843 eine 4. Klaſſe zugefügt. In der Beziehung ſagt das Programm:Hierdurch wurde es möglich, das geſamte Unterrichtsmaterial auf eine Weiſe in die Jahrescurſe zu verteilen, welche dem Alter und der Vorbildung der Schüler mehr entſpricht. Wir finden in der That den erweiterten Lehrplan ſowohl was die Ausdehnung des Unterrichtsmaterials, als auch die Vorteile desſelben auf die einzelnen Klaſſen betrifft, der geſtellten Aufgabe im Ganzen entſprechend. Namentlich ſind nunmehr die Sprachen in den Vordergrund geſtellt; die fremden Sprachen, Franzöſiſch und Lateiniſch, werden gram⸗ matiſch betrieben. Noch fehlt der Unterricht in der engliſchen Sprache, in Chemie und Mineralogie, in der darſtellenden Geometrie. Dagegen iſt nunmehr der gymnaſtiſche Unterricht durch Erlaß Großher⸗ zoglichen Miniſteriums des Innern und der Juſtiz vom 24. Juli 1843 zu einem verbindlichen Lehr⸗ gegenſtand an allen höheren Unterrichtsanſtalten des Großherzogtums erhoben, konnte jedoch hierorts aus Mangel an einem geeigneten Lokale nur im Sommer erteilt werden. Inzwiſchen vollzogen ſich ganz in der Stille weitere Ergänzungen des Lehrplans: Im Schuljahr 184 ¾6 wurde mit Genehmigung Groß⸗ herzoglichen Oberſchulrats eine Vorbereitungsſchule ins Leben gerufen, welche nach Plan und Einrich⸗ tung in enger Verbindung mit der Realſchule ſtand und die Beſtimmung hatte, Knaben vom beginnenden 7. Jahr bis zum vollendeten 10. Lebensjahr Unterricht in allen Elementarfächern zu erteilen, ſie auch außer den Lehrſtunden unter zweckmäßiger Aufſicht zu halten und zum ſpäteren Eintritt in die Realſchule zu befähigen. Dieſe Vorbereitungsſchule bildete ſonach eine Unterklaſſe der Realſchule, wiewohl ſie noch nicht mit der Realſchule organiſch verbunden war. Das Programm des Schuljahres 185, enthält den erſten vollſtändigen Lehrplan der Vorbereitungsſchule. Hiernach zerfiel dieſelbe in vier Abteilungen, welche in Religion, bibliſcher Geſchichte, Leſen, Schreiben, Rechnen, Orthographie, Grammatik, Stil, Declamation, Anſchauungsunterricht, Geſang und Turnen von Einem Lehrer unterrichtet wurden. Im Schuljahr 185, wurde der Unterricht in der engliſchen Sprache mit 3, ſpäter 5 Stunden wöchent⸗ lich eingeführt. Nach der Einübung der wichtigſten grammatiſchen Formen ſchritt man ſofort zur Lektüre leichterer Leſeſtücke und las dann Washington Irving's life of Christhope Columbus. Außerdem wurden die Schüler in die engliſche Handelscorreſpondenz eingeführt.

Im Jahre 1859 wurde das 25jährige Jubiläum der Schule gefeiert und mit der Schlußfeier in Verbindung gebracht. Steinberger betrachtete die Geſchichte der Anſtalt während der erſten 25 Jahre ihres Beſtehens von 18341859 in Form einer Schulrede, die im Programm 1860 abgedruckt wurde. Nach einem kurzen Rückblick auf das Progymnaſium ging er auf die wichtigſten Entwicklungsphaſen der Realſchule bis zum Jahr 1859 über, dankte dann den höchſten, hohen und verehrungswürdigen Perſonen, Behörden und Corporationen, unter deren Schutz, Leitung und Mitwirkung die Schule ins Daſein getreten iſt und allmählich in dem hieſigen Boden Wurzel geſchlagen hat, ſtellte die verſchiedenen Directoren, ordentliche und Hilfslehrer, die inzwiſchen an der Anſtalt gewirkt hatten, zuſammen und gab endlich einen Überblick über die Frequenz der Schule, ſowie über die Berufsarten, denen ſich die Schüler

zugewendet haben. Schließlich warf er noch einen Blick auf das Inventar der Schule.

Als im Jahr 1861 Director Steinberger die Schule verließ, war ſie bereits durch eine Reihe ſegensreicher Entwicklungen gegangen, die Zahl ihrer Klaſſen war auf 4 mit Unterabteilungen in manchen Lehrfächern, die Zahl ihrer Schüler auf 113, die der Lehrer auf 10, freilich zum größten Teil nur unſtändig functionierenden Lehrern gewachſen. Mit Recht durfte Steinberger ſagen, daß ihm aus all dieſen Beziehungen tief wurzelnde Eindrücke, teure Vermächtniſſe ſchöner Jahre des Strebens und Ringens für die idealen Güter des Lebens, geblieben ſeien. Die Aufgabe, welche der neue Director Dr. Krämer der Anſtalt vorhielt, geht am beſten aus ſeiner Antrittsrede und zwar aus den Worten hervor, welche er an die Schüler richtete. Denn nachdem er ſeinen Entſchluß, das Steuer der hieſigen Realſchule mit dem Compaß des Glaubens und dem Fernrohr der Erfahrung und der Geſchichte zu ergreifen, das Wiſſen als Ballaſt aufzunehmen und dem treuen Gott zu vertrauen, nachdem er um den ferneren Schutz des Allerdurchlauchtigſten Landesfürſten, das Erlauchte Grafenhaus, welches ſich um die Gründung und das Emporblühen der Schule unvergeßliche Verdienſte erworben, um fernere Beweiſe