Aufsatz 
Geschichte des Progymnasiums und der Realschule zu Michelstadt während der ersten 50 Jahre ihres Bestehens von 1834-1884
Entstehung
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von Becker, Herling und Schmitthenner ſollen den Gegenſtand des Unterrichts bilden. Die franzöſiſche Sprache ſoll mehr praktiſch betrieben werden und erſt dann eine grammatiſche Behandlung erfahren, wenn der Schüler durch Anwendung der Jacotot'ſchen und Hamilton'ſchen Methode einen hinreichenden Wörter⸗ und Phraſenſchatz beſitzt. Das Lateiniſche war nicht verbindlicher Lehrgegenſtand. Es wurde in allen Klaſſen mit 3 Stunden wöchentlich betrieben und erſtreckte ſich auf Grammatik, Lektüre von Cornelius Nepos und Caesar de bello gallico, ſowie auf Übungen im Überſetzen aus dem Deutſchen ins Lateiniſche. Die Geographie wurde nach Schachts Lehrbuch gelehrt und nach demſelben Geſchichte und Geographie verbunden, die mathematiſche Geographie in der erſten Klaſſe behandelt. Der Unter⸗ richt in der Geſchichte begann in Klaſſe 2 und erſtreckte ſich auf die allgemeine Geſchichte bis zur franzöſiſchen Revolution. In der erſten Klaſſe wurde eine Geſchichte der Künſte und Wiſſenſchaften der letzten Jahr⸗ hunderte durchgenommen. Das Zeichnen erſtreckte ſich auf Freihand⸗, Plan⸗ und Kartenzeichnen. Auch dem Schreib⸗ und Geſangunterricht war eine entſprechende Stundenzahl zugedacht. Endlich war in Klaſſe 1 noch ein beſonderer Unterricht in der Buchhaltung vorgeſehen. Schon dieſe kurzen Angaben zeigen den bedeutenden Fortſchritt in der Entwicklung der Anſtalt. Die Gliederung derſelben in drei getrennte Klaſſen, die richtige Auswahl der Lehrſtoffe unter Beſeitigung der mehr techniſchen Fächer, die Verteilung dieſer Lehrſtoffe von den Elementen bis zu der Grenze, welche die Natur der Anſtalt und das Alter der Schüler ſteckte, die Betonung derjenigen Seiten derſelben, ſowie derjenigen Methoden, durch welche die geiſtigen und ſittlichen Kräfte der Jugend entwickelt und gebildet werden können: das ſind ſo entſchieden hervortretende Vorteile des neuen Organiſations⸗ und Lehrplans, daß die hier und dort noch immer verheißene Anwendung in der Technik um ſo weniger auffällt, weil ſie bei der praktiſchen Ausführung des Lehrplans in Wegfall kam, da hierzu wohl kaum noch Zeit bleiben konnte. Dagegen finden wir noch immer den Unterricht in den Sprachen nicht in der erforderlichen Ausdehnung und Vertiefung behandelt. Abgeſehen davon, daß die engliſche Sprache noch nicht betrieben wurde, konnte die franzöſiſche Sprache, die einzige obligatoriſch eingeführte fremde Sprache, durchaus nicht durchgreifend für die formale Entwicklung der Jugend wirken, da ſie von vorn herein nicht gram⸗ matiſch betrieben wurde, und dies mußte auch auf das Verſtändnis der Mutterſprache nachteilig wirken, da nur durch die Vergleichung der Sprachformen und Sprachgeſetze ein einigermaßen vertieftes Eindringen möglich iſt. Der Hinblick auf die praktiſche Verwendung der fremden Sprache ſcheint auch hier be⸗ ſtimmend geweſen zu ſein. Ganz beſonders aber fällt auf, daß der Unterricht in der Litteraturgeſchichte, einſchließlich der Metrik und Poetik, nebſt Lektüre der wichtigſten Klaſſiker im neuen Lehrplan nicht mehr vorgeſehen iſt, während doch in den beigefügten Bemerkungen ausdrücklich verlangt wird, daß der deutſche Sprachunterricht dem Gefühl auch eine ſittlich äſthetiſche Richtung geben ſolle. Endlich fehlt auch im neuen Lehrplan der Unterricht im Turnen, obwohl in dem Nachtrag dazu der Rüge gedacht wird, die von mancher Seite gemacht wurde, daß die Schüler zu viele Stunden des Tages in der Schule be⸗ ſchäftigt ſeien und daß ihnen dies körperlich nachteilig werden müßte. Der Director ſtellt zur Wider⸗ legung die wöchentliche Stundenzahl anderer Reallehranſtalten zuſammen, woraus ſich ergebe, daß die Schüler der hieſigen Realſchule nicht überlaſtet ſeien. Ubrigens müſſe die häusliche Arbeit den Schul⸗ ſtunden entſprechen. Es iſt gegenüber den heutigen Maßnahmen wegen Verhütung einer Überbürdung der Schüler mit häuslichen Arbeiten bezeichnend, daß damals der Director für die häuslichen Arbeiten der Schüler der Unterklaſſe(1012 Jahre) täglich 23 Stunden, der oberſten Klaſſe(1214) aber 34 Stunden forderte, während jetzt für die angegebenen Altersſtufen 12 Stunden, beziehungsweiſe 23 Stunden höchſtens zuläſſig ſind.

Seit 1838 erfuhr dieſer Lehrplan noch eine Erweiterung, indem die katholiſchen Realſchüler von da an einen beſonderen Religionsunterricht durch den katholiſchen Pfarrer von Erbach empfingen. Dennoch iſt dieſes Unterrichtes erſt im Programm 184 ½⁄ 6 Erwähnung gethan.

In der Einladung zu den Prüfungen der Realſchule im Jahre 1841 ſpricht der auf Winterſtein folgende Director Dr. Zamminer aufs neue den vorzugweiſe idealen Charakter der Realſchule aus, indem er ſagt:Die Realſchule zu Michelſtadt gehört ohne Zweifel in die Reihe derjenigen Anſtalten, welche nicht Vorbildung für einen beſtimmten Berufszweig, ſondern eine harmoniſche Entwicklung aller Kräfte des Verſtandes und Gemütes, verbunden mit einer ſachgemäßen Ausbildung des Körpers, bezwecken. Er ſtellt in richtiger Weiſe die beiden Anſtalten Gymnaſien und Realſchulen als Bildungswege dar, die wie zwei aus einem Samen entſproſſene Stämme, erſt allmählich auseinandergehen; er ſagt ausdrücklich,