Aufsatz 
Geschichte des Progymnasiums und der Realschule zu Michelstadt während der ersten 50 Jahre ihres Bestehens von 1834-1884
Entstehung
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Sr. Erlaucht dem Grafen Albert von Erbach⸗Fürſtenau, dem würdigen Stadtvorſtande den gebührenden Dank aus und bittet ſchließlich um fernere Förderung der Zwecke der Realſchule. Hiermit ſchloß die officielle Feier, nachdem der Geſangverein unter Muſikbegleitung einen Geſang vorgetragen hatte. Am Mittag ver⸗ ſammelten ſich die Glieder der erlauchten Standesherrſchaft, die Notabeln der hieſigen Stadt, der Ge⸗ meindevorſtand, die Lehrer und Schüler der neuen Anſtalt zu einem Feſteſſen im Gaſthaus zum Oden⸗ wald, wobei die letzteren frei gehalten wurden. Die Stadt hatte zu dieſem Zwecke, ſowie für Decoration des Feſtſaales, die Summe von 146 fl. 20 kr. aufgewendet.

In dem Programm zur Eröffnung der Realſchule wird der Anſtalt folgendes Ziel geſteckt: Sie ſoll die religiöſe, ſittliche und intellectuelle Erziehung fortſetzen und hauptſächlich dem, durch das ſtete Zunehmen der Civiliſation bei faſt allen Ständen ſich erzeugenden Bedürfnis höherer Bildung ab⸗ helfen, ohne jedoch diejenigen Kenntniſſe zu lehren, welche lediglich die Vorbildung des Gelehrten machen. Sie wird eine Vorſchule zu den höheren polytechniſchen Anſtalten ſein und deshalb die für viele tech⸗ niſche Fächer unentbehrlichen gründlicheren mathematiſchen und naturwiſſenſchaftlichen Vorkenntniſſe mit ſteter Rückſicht auf die techniſche Anwendung unter ihre Lehrgegenſtände aufnehmen. Ferner wird die Technologie mit beſonderer Sorgfalt gelehrt, indem eine höhere, allgemeine Bildungszwecke verfolgende Lehranſtalt die überſichtliche Kenntnis der verſchiedenen Gewerbe notwendig darſtellen muß. Außerdem wird aber die hieſige Realſchule nichts lehren, was nur als beſonderes Bedürfnis zur Betreibung irgend eines beſtimmten Gewerbes oder Berufes erſcheint.

Der ſpecielle Lehrplan teilt die Anſtalt in zwei Klaſſen, wovon jede in zwei halbjährige Curſe zerfällt. Die Lehrziele in den einzelnen Lehrgegenſtänden waren folgende:

1. Religion. 1 Stunde wöchentlich in jedem Curſus. Religion und Moral.

2. Deutſche Sprache. 5 Stunden wöchentlich in dem unteren, 4 Stunden wöchentlich in den 3 oberen Curſen. Anwendung der Regeln der Grammatik auf Bildung größerer Sätze und Perioden; Stylübungen, Geſchäftsaufſätze und Correſpondenz; Überſicht der deutſchen Claſſiker, Leſen und Memo⸗ rieren von Muſterſtellen; Geſchmacksleſen, Litteraturgeſchichte.

3. Franzöſiſche Sprache. 4 Stunden wöchentlich in jedem Curſus. Die Formenlehre, die Zeitwörter insbeſondere; Syntax I. und II. Teil, Überſetzen, Synonymen, Übung im Sprechen.

4. Lateiniſche Sprache. 5 Stunden wöchentlich in jedem Curſus. Redeteile, die De⸗ clination, die Adjective, gradus comparationis, Numeralia, die Pronomina, die 4 Conjugationen, Bildung der Perfecta nnd Supina, Verba anomala, Verba defectiva und composita, Adverbien, Überſetzen eines Claſſikers.

5. Mathematik. a, Arithmetik. 5 Stunden wöchentlich in der unteren Klaſſe in jedem Curſus. Die Grundoperationen in ganzen und gebrochenen Zahlen, die Grundoperationen mit wider⸗ ſtreitenden Zahlengrößen, die ſogenannte Buchſtabenrechnung, die einfachen Gleichungen, die Rangoperationen und die Zahlenſyſteme, die Decimalbrüche, die Kettenbrüche, die Lehre von den Proportionen, Anwendung des bisherigen auf das geſamte kaufmänniſche Rechnen.

b, Algebra. 3 Stunden wöchentlich in der oberen Claſſe in jedem Curſus. Bildung und Auflöſung der zweiten und dritten Potenz, Gleichungen des zweiten Grades, unbeſtimmte Gleichungen, allgemeine Potenzenrechnung, die Lehre von den Logarithmen, Progreſſionen mit Anwendung auf Zins von Zins⸗ und Rentenrechnung.

c, Geometrie. 4 Stunden wöchentlich in den drei unteren Curſen, 2 in dem oberen Curſus. Grundbegriffe, die Lehrſätze über die Congruenz der Dreiecke, Theorie der Parallellinien; die Lehr⸗ ſätze über Vierecke und Polygone; der Kreis; geometriſche Übungen; die Ähnlichkeit der Figuren. Die Lehrſätze über Inhaltsbeſtimmung der Figuren. Verwandlung und Teilung der Figuren. Geo⸗ metriſche Aufgaben. Begriff der Stereometrie. Die Linien, Ebenen und Winkel. Die ebenflächigen Körper. Die krummflächigen Körper. Die Körperräume. Die Elemente der deſcriptiven Geometrie. Die Projectionen der geraden Linien. Die Projectionen der geraden Linien in Verbindung mit geraden Linien. Die Projection der Flächen, und die der Flächen in Verbindung mit Flächen, endlich die Projectionen der Körper.

d, Angewandte Mathematik. 3 Stunden woöchentlich in der oberen Claſſe in jedem Curſus. Geſetze der Bewegung und des Gleichgewichtes. Von den Maſchinen. Von der Feſtigkeit der Materialien. Von den bewegenden Kräften.