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fältigen neuen chem. Bereitungen, die unzählbaren neuen Werkzeuge und Apparate der Induſtrie, die in unendlicher Verzweigung die beiden Pole der Erde freundlich verbindet, haben aber einen tiefen Einfluß auf die menſchliche Wohlfahrt gehabt, eine große Maſſe von Gütern aufgehäuft, die nunmehr auch dem weniger Begüterten zu Gute kommen und den denkenden Menſchenfreund, der Ehre den Schlöſſern, Freud' und Friede den Hütten, Genuß des Daſeins allen Menſchen wünſche, mit ſüßer Freude erfüllen müßte. Dieſe Freude werde aber für den Deutſchen noch erhöht, wenn er ſähe, daß ſein Vaterland bei der neuen Geſtaltung ſeiner politiſchen und finanziellen Verhältniſſe einen neuen, unbe⸗ rechenbaren Aufſchwung nehmen werde. Nunmehr deutet der Redner hin auf den Glanz unſeres Vater⸗ landes im Mittelalter, auf den Rückgang des Handels und der Induſtrie nach Entdeckung des neuen Seewegs nach Oſtindien, auf den Verluſt ſeines Kapitalreichtums durch die Glaubenskriege, auf die Verſchlimmerung ſeiner Grundſätze und Sitten, ſeit fremder Einfluß mächtig geworden war. Nun aber ſtehe der Stern des Heils für Deutſchland wieder hell leuchtend am Himmel. Die Nation habe ſich wieder geeinigt, der Zollverein habe eine Schutzmauer um die deutſche Induſtrie gezogen, indeß die Schlagbäume der Binnenmauthen gefallen ſeien, die Induſtrie gewinne von Tag zu Tag an Kräften und der Rhein ſei wieder eine der befahrenſten Straßen der Welt geworden. Die Weiſen und Einflußreichen hätten endlich die Ueberzeugung gewonnen, daß die Größe und das Glück Deutſchlands nur dann dauernd ge⸗ gründet werden könne, wenn ihm ſeine Nationalität zum Bewußtſein gebracht werde.
„Soll nun aber, ſo fährt die Rede wörtlich fort, auch in unſerem Vaterlande von den eben genannten Entdeckungen und Erfindungen und den glücklichen politiſchen Verhältniſſen der mögliche Nutzen gezogen werden, ſo muß dem Volke, im Beſondern der ehrenwerten Bürgerklaſſe, die dazu berufen iſt, den Produkten der Natur den Stempel des menſchlichen Verſtandes aufzudrücken und dieſelben für die tauſendfältigen Bedürfniſſe zu formieren, die geeignete Bildung gegeben werden. Dazu reichen aller⸗ dings die meiſten vorhandenen Inſtitute, die auf die Anfänge der Bildung oder auf techniſch⸗gelehrte Berufsarten berechnet ſind, nicht aus, weshalb denn das Bedürfnis ſogenannter Realſchulen für unſere Zeit immer dringender gefühlt und deutlicher erkannt wird. Der Zweck dieſer Anſtalten iſt ſo be⸗ deutend, daß er ebenſo den, der nur auf das Nützliche ſieht, wie denjenigen, der für das Schöne und Hohe fühlt, für ſich gewinnt; ſie ſollen dem Volke induſtrielle und nationale Bildung geben; das Volk ſoll durch ſie in den Stand geſetzt werden, die Aufſchlüſſe, welche die Wiſſenſchaft über das Weſen und Wirken der Naturkräfte gewonnen, die Erfahrungen, welche eine kluge Berechnung und Beobachtung über leichtere und beſſere Bereitung der Kunſtprodukte gemacht, und die Hilfsmittel der Induſtrie, welche Scharfſinn und Fleiß erſonnen und geſammelt haben, für die Erzielung von Wert und Gut zu benutzen, alſo ganz eigentlich Gold zu machen, wozu der Menſch Verſtand und Arbeit braucht und weiter nichts. Das Volk ſoll durch ſie, was noch höher iſt, zum Selbſtgefühl, zur Sittlichkeit und politiſchen Tüchtigkeit erhoben werden. Im gründlichen Studium der ſinntiefen Sprache tiefſinniger Väter ſoll hier die deutſche Jugend Kraft der Gedanken und Klarheit des Verſtandes gewinnen. Indem ihr die Hallen der Geſchichte aufgehen, ſoll ſie ſchauen, wie hoch und herrlich die geweſen ſind, die einſt auf unſeren Bergen gewandelt, aus unſeren Quellen getrunken haben, wie ſchlicht ihr Sinn, wie fromm ihr Herz, wie wahr ihr Wort, wie entſcheidend ihre That; ſoll ſie erglühen zur Nacheiferung; ſoll ſie lernen das Vaterland lieben, am Recht halten, Gott ehren.“ Er gedenkt dann in freudiger Dankbar⸗ keit aller derer, welche durch ihr freundliches Zuſammenwirken die Gründung der neuen Anſtalt zu Stande gebracht, Sr. Kgl. Hoh. des Großherzogs Ludwig II., der hohen Staatsregierung, Sr. Erl. des Grafen von Erbach⸗Fürſtenau, von welchem er insbeſondere ſagt, daß er ganz im Geiſte ſeines hohen Hauſes, das, glänzenden Urſprungs, durch erhabene Liebe und Pflege der Wiſſenſchaft und Kunſt durch die ganze Geſchichte der Deutſchen ſtrahle, freigebig zur Gründung geſpendet und mit weiſem Rat und wirkſamer That das ſchöne Werk gefördert habe; er gedenkt ebenſo der Mitglieder des Gemeindevor⸗ ſtandes, die ſich als weiſe Väter der Stadt dadurch bewährt hätten, daß ſie mit richtigem Blick die Bedeutung eines ſolchen Inſtituts erkannt, mit freudigem Herzen Opfer gebracht hätten. Hierauf wendet er ſich an den Director der Anſtalt, Dr. Winterſtein, indem er ihm die große Verantwortlichkeit, welche ihm durch die vertrauensvolle Uebertragung des wichtigen Amtes auferlegt worden ſei, eindringlich darſtellt, zugleich aber das zuverſichtliche Vertrauen ausſpricht, daß es ihm bei ſeiner Begeiſterung für ſeinen Beruf mit Hilfe würdiger Lehrer gelingen werde, allen Anforderungen zu entſprechen. Man erwarte in dieſer Schule gründliche Ausbildung des Geiſtes und eine tiefe Veredlung des Charakters, die Anſtalt ſolle


