Aufsatz 
Geschichte des Progymnasiums und der Realschule zu Michelstadt während der ersten 50 Jahre ihres Bestehens von 1834-1884
Entstehung
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13 Bildungsfach, konnten dem zum Vorteil gereichen, der nach jener Richtung ſich zu entwickeln hatte, und behüteten vor verflachender Zerſplitterung. Der Rückblick auf das Progymnaſium iſt daher auch für uns geboten, nicht nur weil es die Grundlage unſerer Realſchule war, ſondern auch deshalb, weil wir gar manches zu unſerem Vorteil daraus ſchöpfen und uns vor mancherlei Schaden dadurch behüten können.

Nachdem die ſeit 1830 geführten Verhandlungen mit Großherzoglicher Staatsregierung wegen Errichtung einer Realſchule zu einem günſtigen Reſultate geführt hatten und die Lehrer berufen waren, wurde in Folge hohen Auftrags die feierliche Eröffnung derſelben durch den Direktor auf Donnerſtag, den 9. Oktober 1834 feſtgeſetzt. An dem beſtimmten Tage, Morgens 10 Uhr, begann der feierliche Er⸗ öffnungsact mit einem Gottesdienſte, dem Se. Erl. der Graf Albert von Erbach⸗Fürſtenau, mehrere Glieder des Gräflichen Hauſes, die Herren Oberſtudienrat Dr. Schmitthenner, Landrat Doſch, der geſamte Stadtvorſtand, das Lehrerperſonal und die Zöglinge der Realſchule, ſowie viele hieſige und auswärtige Beamten und Bürger beiwohnten. Ein vom hieſigen Geſangverein vorgetragener Choral leitete die Feier ein, worauf Herr Stadtpfarrer Heſſig die Weiherede hielt. Die Worte dieſes hochverdienten Mannes ſind um ſo wichtiger, als er vom Beginn des Progymnaſiums Lehrer dieſer Anſtalt war. Sehr treffend erinnerte er die Anweſenden zunächſt daran, daß das Gefühl der frommen Freude zu⸗ erſt gelte der Thatſache, daß man hier endlich zur Erkenntnis gekommen ſei, was die Zeit erfordere, was dem Bürgerwohl und dem Gewerbsleben not thue. Denn die Gründung der Schule ſei aus der reif gewordenen Einſicht hervorgegangen:Länger dürfen wir nicht mehr auf dem alten Wege wan⸗ deln, einen neuen des gründlicheren Wiſſens und der größeren Geſchicklichkeit müſſen wir betreten, und damit muß unſere Jugend beginnen. Er erinnerte an die großen Schwierigkeiten, welche ſich der Errichtung der neuen Anſtalt in den Weg geſtellt hatten. Man habe aber alle Schwierigkeiten endlich ſiegreich überwunden, indem man nicht ängſtlich an den Augenblick der Gegenwart gedacht, nicht den gegenwärtigen Geſchäftsmann im Auge habend, ſondern den Knaben, den künftigen Bürger. Dabei ſei man durch rege, liebevolle Teilnahme in der Nähe und Ferne, in der Hütte und am Throne unter⸗ ſtützt worden. Hierauf rief er den Segen Gottes an, indem er das Bibelwort zu Grunde legte: Weder der iſt Etwas, der da pflanzet, noch der begießt, ſondern Gott, der das Gedeihen giebt und ſprach Gott ſeinen Dank aus für das Gelingen des Werkes. Mit dem Danke aber ſolle man zugleich ein Gelöbnis verbinden:Kinderfleiß und Sittlichkeit, Lehrertreue und Elternſorgfalt und Aller Mit⸗ wirken und richtete in dieſem Sinne an alle bei der Schule Beteiligten die ernſteſten Worte der Er⸗ mahnung. Nachdem hierauf ein feierlicher Geſang den Weiheact beſchloſſen hatte, begab ſich die ganze Verſammlung unter Glockengeläute in den zu dieſem Zweck feſtlich decorierten Saal des neuen Realſchulgebäudes(das jetzige Gebäude der Gräflichen Rentkammer, das ſeit 1828 ſchon das Schullocal des Progymnaſiums geweſen war), woſelbſt nach einem feierlichen Geſang der von höchſter Staatsregierung mit der Eröffnung der neuen Anſtalt beauftragte Großherzogliche Oberſtudienrat Dr. Schmitthenner eine höchſt geiſtreiche Eröffnungsrede hielt, aus der wir einige der wichtigſten Stellen hier anführen wollen.

In den finſteren Weltſtürmen, die alle Grundlagen des ſittlichen Lebens erſchütternd, alle Ver⸗ hältniſſe ſtörend, die Sinne der Schwachen verwirrend, durch unſer Jahrhundert brauſen, eine leuchtende Erſcheinung, die den Blick mit ſüßer Bewunderung feſſelt und das Herz des Menſchenfreundes zu den kühnſten Hoffnungen hebt, das ſind die rieſenhaften Fortſchritte unſeres Geſchlechtes in Wiſſenſchaft und Kunſt, ſo beginnt dieſe Rede und geht nunmehr über zu der Betrachtung der Kräfte, die bald in freundlichem Verein, bald in friedlichem Gegenſatze in der Werkſtatt der Natur walten und wirken, wodurch der menſchliche Geiſt den Flug der Sonnenſtrahlen gemeſſen, die Bahn der Geſtirne berechnet, das Geheimnis des Blitzes entdeckt, das Wunder des Lebens gedeutet hat. Die ungebändigten Kräfte der Natur habe aber der Menſch in ſeine Dienſte herangezogen, Waſſer, Feuer und Wind hatten bereits früher ſchon Dienſte thun müſſen, jetzt ſei er des Dampfes Herr geworden, der nun mit rieſenhafter Kraft in ſeinen Gruben und Werkſtätten arbeiten, ſeine Schiffe treiben, ſeine Wagen ziehen müſſe. Hierdurch ſei der Reichtum an Mitteln des geſelligen Verkehres, der Induſtrie, der Cultur und aller Civiliſation unermeßlich gewachſen. Die Telegraphen, die Eiſenbahnen, die Dampfmaſchinen, die tauſend⸗