Aufsatz 
Geschichte des Progymnasiums und der Realschule zu Michelstadt während der ersten 50 Jahre ihres Bestehens von 1834-1884
Entstehung
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ders günſtige Zeugniſſe kann früherer Eintritt bewilligt werden. Hierzu ſind 5, nach Art der lateiniſchen in einander geſchlungene Stunden hinreichend.

a, Der Unterricht in dieſer Sprache muß beſonders leicht und angenehm gemacht werden, weil er in ſpäteren Jahren am ſelteſten fortgeſetzt zu werden pflegt. Die Gründlichkeit iſt Nebenzweck, das Wohlgefallen daran Hauptzweck.

b, Die Hauptſache ſind Sprechübungen, welche deshalb in beſonders beſtimmten Zeiten, aber auch außerdem bei jeder dargebotenen Gelegenheit angeſtellt werden müſſen. Es iſt dabei vor Allem auf gute Ausſprache zu ſehen, und ſind keine Fehler dagegen paſſieren zu laſſen.

c, Von der Grammatik wird blos das Notwendigſte vorausgeſchickt, das Übrige gelegentlich gelehrt. Allgemeine Grammatik z. B. Kenntnis der Redeteile, iſt ganz von dieſem Unterricht ausgeſchloſſen.

d, Die Formenlehre darf nicht zu mechaniſch eingeübt werden. Beſſer im Munde als auf dem Papier. Die ſchriftlichen Übungen dienen vorzüglich nur für die Orthographie.

e, Die erſte Abteilung lieſt etwas von Florians oder Voltaire's Schriften, die zweite be⸗

nutzt das Leſebuch von Beauclin. In beiden Claſſen wird keine ſchriftliche ÜUbertragung von den Schülern verlangt. Eine mündliche Unterredung zur Einübung der vorkommenden Wörter und Phraſen vertritt ihre Stelle. . f, Häusliche Aufgaben ſind: Memorieren von Wörtern und Phraſen. Vorbereitung auf die Überſetzung eines Schriftſtellers, bei den Anfängern die grammatiſchen Elemente, als Declination und Conjugation, bei den Geübteren bisweilen ein Stück zum Übertragen in's Franzöſiſche. Niemals dürfen dieſe Aufgaben im Durchſchnitt die Arbeit von ½¼ Stunden überſteigen.

g, Die Claſſen⸗Lehrer werden, wie oben bemerkt, bisweilen die franzöſiſche Stunde beſuchen, um ſich über die Ausführung dieſes Plans zu belehren und ihr Intereſſe auch an dieſem Lehrzweige kund zu

eben. 3§ 38. Kalligraphie. Ein ſehr wichtiger Gegenſtand des Unterrichts, darum drei Abteilungen, die erſte in 1, die zweite und dritte in 2 Stunden.

a, Es muß vor Allem auf deutſche Currentſchrift geſehen; erſt nach einiger Befeſtigung in dieſer kann zur engliſchen Rundſchrift und zuletzt zur Canzlei⸗ und Steinſchrift übergegangen werden.

b, Mehr als Zierlichkeit der Schrift iſt Deutlichkeit, Feſtigkeit und Reinheit zu ſchätzen.

c, Nicht das viel, ſondern das gut Schreiben bringt weiter; darum müſſen beſonders hier die Schüler in Schranken gehalten werden.

d, Es muß die größte Ordnung im Gebrauch der Vorſchriften und der Schreibmaterialien herrſchen. Nebſt dem Schreiblehrer hat der Cuſtos dafür zu ſorgen.

§ 39. Zeichenunterricht. Vier Stunden für 2 Abteilungen, ohne ſtrenge Rückſicht auf die Klaſſenabteilung. Allgemeine Belebung des Geſchmacks, ÜUbung des Augenmaßes und der Hand ſind mehr Zweck, als ausgedehnte Fortſchritte Einzelner. Von der Ordnung im Außeren gilt das nämliche wie beim Schreibunterricht.

§ 40. Geſang. Zwei Stunden für die Geübteren, eine für die Anfänger. Soll mit Luſt von Seiten des Lehrers getrieben werden, damit die Schüler nicht bei dem Gebotenen ſtehen bleiben, ſondern ſich ſelbſt weiter zu bilden ſuchen. Der Kirchengeſang darf nicht vernachläſſigt werden, viel⸗ mehr ſollen die Schüler ernſten Anteil daran nehmen. Der Klaſſenaufſeher unterſtützt den Lehrer in der Aufſicht, und die Klaſſenlehrer beſuchen bisweilen, beſonders unvermutet, dieſe Stunde.

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Die bei den Acten befindlichen Schülerverzeichniſſe weiſen in den erſten Jahren des Beſtehens der Anſtalt eine jährliche Frequenz von 4050 Schülern nach; im Anfang der 30r Jahre ſank die Zahl der Schüler auf 17 herab. Unter die Schüler zählten: Magnus, Graf zu Solms⸗Wildenfels, Alfred, Graf zu Erbach⸗Fürſtenau, ſowie die Söhne verſchiedener Großherzoglichen und Gräflichen Beamten und vieler hieſigen Bürger. Mehrere dieſer Schüler haben ſich ſpäter dem Studium zugewendet und hervor⸗ ragende Stellungen im Staatsdienſte bekleidet; die meiſten aber haben ſich eine ſo gründliche Vorbildung angeeignet, daß ſie mit vorzüglichem Erfolge ihrem Berufe vorſtehen konnten.