Aufsatz 
Luft und Bewegung zur Gesundheitspflege in den Schulen
Entstehung
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Athmen verdorben iſt; weil die ſchlechte Luft durch den Eintritt der guten Luft nicht ein⸗ fach verdrängt wird, ſondern weil beide ſich miſchen.Die QOnantität der zuzuführenden Luft muß vielmehr die Quantität der Luft, welche in der gleichen Zeit ausgeathmet wird, wenigſtens in dem Verhältniß übertreffen, in welchem der Kohlenſäuregehalt der ausge⸗ athmeten Luft größer iſt, als die Differenz zwiſchen dem Kohlenſäuregehalt der freien Luft und einer Luft, in welcher der Menſch erfahrungsmäßig ſich behaglich und wohl be⸗ findet.Mit andern Worten ausgedrückt: Wenn ein Menſch oder eine Anzahl Men ſchen in einem geſchloſſenen Raume athmen, ſo müſſen wir in dieſem Raume das 200⸗ fache Volumen der ausgeathmeten Luft an friſcher Luft in jedem Zeitmomente zuführen, wenn die Luft im Raume ſtets gut bleiben ſoll. ¹) Pettenkofer nimmt nach vielfachen Un⸗ terſuchungen an, daß der Kohlenſäuregehalt einer guten Zimmerluft nicht über 0,7 unter 1000 Theilen ſteigen dürfe und berechnet hiernach, daß zur Erhaltung einer geſunden Zimmerluft die ſtündliche Zuführung von 60 Kubikmeter friſcher Luft für jede in dem Zimmer befindliche Perſon erforderlich ſei. Dieſes durch die Theorie und Rechnung ge⸗ wonnene Reſultat iſt durch die Erfahrung der Pariſer Krankenhäuſer beſtätigt worden, wo man erſt dadurch eine nicht mehr übelriechende Luft herſtellte, daß man durch künſt⸗ liche Ventilationsvorrichtungen per Stunde und Kranken 60 Kubikmeter friſche Luft zu⸗ führte. Für beſondere Krankheiten reichte ſelbſt dieſe Menge nicht aus, und man war gezwungen die Ventilation bis weit über 100 Kubikmeter zu ſteigern. ²)

Die Wiſſenſchaft hat erkannt, daß die übelriechende Luft geſchloſſener Räume der gefährlichſte Feind des menſchlichen Lebens iſt. Ihre Wirkung iſt natürlich um ſo verderblicher, je längere Zeit der Menſch ihrem Einfluß preiß gege⸗ ben wird.

Die Statiſtik weiſt überall, wo viele Menſchen in denſelben Raum zuſammenge drängt werden, eine erſchreckende Zunahme der Sterblichkeit nach, ſo in Arbeitshänſern, Ge⸗ fängniſſen, ſtark belegten Kaſernen, Fahriken, Irrenanſtalten und Spitälern.

In den Arbeitshänſern zu Paris, Brüſſel und Londons) ſtirbt im Durchſchnitt jährlich Einer von 7 Inſaſſen.Nach umfaſſenden offiziellen Mittheilungen betrug wäh⸗ rend der Jahre 182735 die jährliche Mortalität in ſämmtlichen 19 Centralgefäng⸗ niſſen Frankreichs 1: 13,5.4) Da nun in Frankreich die mittlere Sterblichkeit in dem Al⸗ ter von 40 Jahren d. h. dem Durchſchnittsalter der Gefangenen nur 1: 50 bis 1: 60 beträgt;ſo kann man mit Villermé ſagen, daß die Juſtiz mit der Verurtheilung dem Gefangenen während der ganzen Dauer ſeiner Einkerkerung ſelbſt in den beſten Gefäng

¹) Pettenkofer, S. 85. ²) Pappenheim, Bd. II. S. 184. ³) Paris in den Jahren 18151818 1: 3,45; Brüſſel von 1815 19 1: 8; von 1837 41 1: 11,9;

London von 185154 1: 5. Wappäus Allgemeine Bevölkerungsſtatiſtik, Leipzig 1859, Bd I. S.

206. Dieſe furchtbare Sterblichkeit wird allerdings auch bedingt durch den Zuſtand leiblicher und ſitt⸗

licher Verkommenheit der in die Arbeitshäuſer aufgenommenen Menſchen.

) Vergl. Wappäus Bd. I. S. 206 fg. Die daſelbſt gegebenen ausführlichen Mittheilungen zeigen ein ſtarkes Schwanken, aber durchgehend eine ſehr bedeutende Höhe der Mortalität. Wahrhaft ent⸗ ſetzenerregend ſind die Mittheilungen aus Engliſch Indien, wo jährlich 60 bis 70,5% der Gefange⸗

nen ſterben. Frankfurter Poſtzeitung 1860, Nr. 583, S. 3.