— 36— IV. Wiſſenſchaftliche Sammlungen.
1. Die Bibliothek enthält vier Abtheilungen: a) die Gymnaſial⸗Hauptbibliothek, b) die Bibliothek naturwiſſenſchaft⸗ licher Werke aus dem Zitz ſchen Vermächtniſſe, c) die Bibliothek von Schulbüchern zur Unterſtützung von dürftigen Studirenden, d) ſeit 1866 eine Schülerbibliothek, oder Auswahl von Werken zur Privatlectüre der Schüler. Ueber die beiden erſten Abtheilungen beſteht ein gedruckter Katalog vom Jahre 1851 und ein gedruckter Nachtrag dazu vom Jahre 1867. Die Stelle des Bibliothekars bekleidet Prof. Dr. Klein.
2. Die naturwiſſenſchaftlichen Sammlungen ſtehen unter der Leitung des naturwiſſenſchaftlichen Lehrers Dr. Reis. Es gehören dazu: a) das phyſikaliſche Cabinet, b) das chemiſche Laboratorium, c) Sammlungen für Mineralogie, Botanik und Zoologie.
3. Anderweitige Sammlungen bilden die Zeichenmodelle, Muſterſchriften und Muſikalien, welche von den betreffenden Fachlehrern verwaltet werden.
V. Chronik.
1. Nachdem am 30. September und den folgenden Tagen die Anmeldung, Prüfung und Nachprüfung der Schüler ſtatt⸗ gefunden hatte, wurde am 4. October das neue Schuljahr durch einen feierlichen Gottesdienſt in der Gymnaſialkapelle eröffnet.
2. Die conſtante Ueberfüllung einzelner Klaſſen, wodurch, außer anderen Uebelſtänden, der regelmäßige Fortſchritt beſon⸗ ders bei minder begabten Schülern ſehr gehemmt wird, hatte ſchon während der Herbſtferien von Seiten Großherzog⸗ licher Oberſtudiendirection die Frage über Errichtung von Parallelklaſſen anregen laſſen. Es konnte dieſelbe jedoch vorläufig noch nicht zur Ausführung kommen, weil es innerhalb des Gymnaſialgebäudes an geeigneten Localitäten fehlt.
3. Am 2. November wurde für die verſtorbenen Lehrer, Schüler und Wohlthäter der Anſtalt in der Gymnaſialkapelle ein Requiem gehalten.
4. Die Klaſſenprüfungen konnten in Folge der unter II, b. dargelegten Umſtände nicht vollſtändig in der bisherigen Weiſe gehalten werden, und beſchränkten ſich auf entſprechende Reviſionen.
5. Am 23. April ſtarb zu Darmſtadt der Großherzogliche Geheime Oberſtudienrath Domcapitular Dr. Lüft, deſſen hohe Eigenſchaften und Verdienſte zu würdigen hier zwar nicht der Ort iſt, deſſen Andenken aber und treues Wohlwollen während ſeiner zwanzigjährigen engeren Beziehung zu unſerm Gymnaſium hier den Ausdruck der beſonderen Verehrung finden möge. Bei dem feierlichen, von der allgemeinſten Theilnahme begleiteten Begräbniſſe am 26. April war auch unſer Gymnaſium repräſentirt.
6. Zur Feier des Geburtstages Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs am 9. Juni wohnte das Lehrercollegium der hohen Feſtlichkeit im Dom bei.
7. Gemäß Mittheilung Großherzoglicher Oberſtudiendirection vom 21. Juni iſt durch Entſchließung Großherzoglichen Miniſteriums des Innern vom 14. Juni das Schulgeld für das hieſige Gymnaſium vom Beginne des nächſten Seme⸗ ſters an auf 36 Gulden jährlich erhöhet worden, während es bisher für die beiden unterſten Klaſſen jährlich 16, und für die übrigen Klaſſen 20 Gulden betrug. Motive liegen uns nicht vor.
VI. Schluß des Schuljahres.
Gleich nach Ausbruch der Kriegsunruhen lichtete ſich die Zahl der Schüler von Tage zu Tage, indem wir den aus⸗ wärtigen Schülern, deren wir verhältnißmäßig ſehr viele haben, bei den beſonderen Verhältniſſen der Feſtung und dem ge⸗ hemmten Verkehre den einſtweiligen Abgang in die Heimat nicht verſagen konnten. Da nun von Seiten des Stadtvorſtandes auch die Verwendung von öffentlichen Schulgebäuden zu militäriſchen Zwecken dringend gewünſcht worden und die desfallſigen Anträge bereits den betreffenden Behörden zu ſchleuniger Ausführung vorliegen, ſo werden wir am 3. Auguſt, nach vorher⸗ gegangenem Gottesdienſte, mit Ertheilung der Preiſe und Zeugniſſe an die noch anweſenden Schüler das Schuliahr ſchließen. Der Unterſchied dieſer Schlußzeit von der gewöhnlichen iſt übrigens in Bezug auf den Unterricht ein unbedeutender, indem bei regelmäßigem Ablaufe des Jahres die noch übrigen Tage vielfach durch die Vorbereitungen für die öffentliche Schlußfeierlichkeit im Akademieſaale des Schloſſes, ſowie durch die öffentlichen Prüfungen ſelbſt in Anſpruch genommen werden, daher auch das Jahrespenſum des Unterrichts für die einzelnen Klaſſen als völlig abgeſchloſſen hetrachtet, und die Beſtimmung des Aſcenſus regelmäßig vorgenommen werden konnte.


