Aufsatz 
Über die Notwendigkeit und Möglichkeit der Errichtung eines neuen Gebäudes für das Gymnasium und die Realschule zu Worms
Entstehung
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IV. Prüfung der Frage, in welchem Verhältniß die Möglichkeit der Trennung der Realſchule von dem Gymnaſium zu der in jedem Falle unumgänglich nothwendigen Beſchaffung neuer Schullocalitäten ſteht.

Man könnte mir vielleicht entgegnen, meine Auseinanderſetzungen ſeien an ſich nicht ganz unrichtig, man habe allerdings in den Jahren 1824, 1841, 1863, 1869 zum Theil ſchlechtes Flickwerk geliefert, man habe ſich aus einem Proviſorium zum andern geflüchtet, niemals das Richtige gethan, deshalb ſei in der That das verbrauchte Geld recht unzweck⸗ mäßig veranlagt worden, und man müſſe ſelbſt zugeſtehen, daß eine ſchlechte Capitalan⸗ lage einer Verſchleuderung des Capitals faſt gleich zu achten ſei: allein trotzdem müſſe im Jahre 1875 abermals zu einem Nothbehelf, zu einem Proviſorium geſchritten werden, weil man nicht wiſſen könne, was aus unſrer Anſtalt werde, da die Möglichkeit der Trennung unſrer Realſchule von dem Gymnaſium in's Auge gefaßt, und erſt nach der Beantwortung dieſer zur Zeit noch ſchwebenden Frage zu definitiven Entſchlüſſen vorge⸗ gangen werden könne. Ich ſelbſt räume dieſem Geſichtspunkte ſeine volle Berechtigung ein und bin deßhalb verpflichtet, auch die angedeutete Seite der in Rede ſtehenden An⸗ gelegenheit zu beleuchten.

Bei der Erörterung dieſes Themas betone ich von vornherein, daß ich natürlich dem fraglichen Projecte einer Trennung der Realſchule von dem Gymnaſium nicht entgegen trete, daß ich im Gegentheile wenn man die dazu erforderlichen Mittel ſollte erlangen können ſelbſt recht gerne thätig ſein will für die glückliche Durchführung der dabei ſich einſtellenden Transactionen, wenn es mir auch leid thun ſollte, von einem Theile der mir lieb gewordenen Schüler und einer der beiden Anſtalten, ſowie von einem Theile des Lehrercollegiums, wenn auch nicht hinſichtlich des perſönlichen Verkehrs, ſo doch bezüglich des beruflichen Zuſammenwirkens ſcheiden zu müſſen.

Offen geſtanden, glaube ich freilich nicht daran, daß die Realſchule von dem Gym⸗ naſium innerhalb der nächſten 1015 Jahre getrennt wird. Dabei iſt es aber, weil und obgleich die Realſchulfrage hier ſchon ſo vielfach erörtert wurde, ohne daß man zum Ziele kam, unſre Pflicht, bei wichtigen Einrichtungen, welche unſre Anſtalt trifft, ſo vorzugehen, daß wenigſtens die Möglichkeit der Trennung der beiden Anſtalten offen gehalten wird; ſo auch bei der gegenwärtig uns beſchäftigenden Bauangelegenheit. Und nun weiſe ich nach, daß ein abermaliges Flickwerk, ein weiterer Anbau an den ſüdlichen Flügel des zu reſtaurirenden Pfandhauſes oder auch der Neubau eines dreiſtöckigen Hauſes an der Stelle des Pfandhauſes die Trennung ſehr erſchwert und koſtſpielig macht, daß dagegen nur ein entſprechender Neubau auf einem andren größeren Terrain wirklich freie Hand läßt..

Ich nehme nun zunächſt an, es geſchähe, was ich befürchte. Würde der Vorſchlag, ein neues Gebäude für unſre Doppellehranſtalt zu erbauen, verworfen, ſo würde ſich die Zukunft der Anſtalt vorausſichtlich in folgender Weiſe geſtalten. Das Pfandhaus würde