Aufsatz 
Über die Notwendigkeit und Möglichkeit der Errichtung eines neuen Gebäudes für das Gymnasium und die Realschule zu Worms
Entstehung
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Elementarſchulen ein neues, frei gelegenes, hohes, der Luft und dem Lichte zugängliches Gebäude aufgeführt worden iſt: ſo iſt ein ſolches noch viel dringenderes Bedürfniß für eure höheren Lehranſtalten. Denn Dr. Cohn's Unterſuchungen, welche Virchow für eine ſo ſichere Grundlage für die wiſſenſchaftliche Prüfung hält, wie ſie kaum in einer verwandten Richtung ihres Gleichen finden dürfte, weiſen nach, daß auf 14,7 Procent Kurzſichtige der Stadtſchulen 24,1 Procent kurzſichtiger Realſchüler und 31,7 Procent myopiſcher Gymnaſiaſten kommen. Daraus läßt ſich ermeſſen, um wie viel nöthiger die Lichtbeſchaffung für ein Gymnaſium und eine Realſchule, als für die ſtädtiſchen Elementar⸗ ſchulen iſt. Das werden alle zugeben, welche auf die beſprochene Sache mit Verſtand, Herz und gutem Willen eingehen und auch ein Opfer gern tragen für die glückliche Ent⸗ wickelung der Jugend. Hier handelt es ſich offenbar vor Allem darum, anzuerkennen, was förderlich, heilſam und nothwendig iſt. Iſt man aber davon überzeugt, ſo kann und wird man auch ſchon die Mittel für die Herrichtung des Guten finden. Und Opfer für die Kinder zu bringen, ehrt die Fanilie, die Gemeinde, den Staat.

II. Darf man bei den demnächſt in Angriff zu nehmenden Bauplänen von der Weiter⸗ eutwickelung des Ghmnaſiums und der Realſchule, von der Zunahme des Bildungs⸗ bedürfniſſes einer ſtrebſamen Bevölkerung und von der Vereinigung der Vorbereitungsſchulen mit unſren Anſtalten abſehen?

Unſre Anſtalt iſt bezüglich ihrer Räumlichkeiten deshalb in die in Vorſtehendem ge⸗ ſchilderte mißliche Lage hineingerathen, hat deswegen ſo ungeeignete Localitäten erhalten, weil ſie in früheren Jahren nur mit unendlicher Mühſal die ihr ſo lange entgegen⸗ tretenden Hinderniſſe zu überwinden vermochte, und weil man namentlich in den Jahren 1841, 1863, 1869 in einer Weiſe für dieſelbe baute, welche weder die vollſtändigen Be⸗ dürfniſſe des Augenblicks, noch die ſchon damals mit Sicherheit vorauszuſehenden Eventualitäten der Zukunft in's Auge faßte.

Nachdem unſere Anſtalt, welche aus einer 1804 durch Verbindung des hieſigen kath. Seminariums und der prot. Lateinſchule errichteten Secondärſchule hervorgegangen, in den Jahren 1829 und 1830 zu einem vierklaſſigen Gymnaſium von achtjähriger Curſusdauer erhoben, in vier Sälen des Erdgeſchoſſes unſres Hauſes unter⸗ gebracht und im Jahre 1832 mit dem Rechte der Abhaltung der Maturitätsprüfung aus⸗ geſtattet worden war, ſtellte ſich ſchon in den dreißiger Jahren das Bedürfniß heraus, den nach dem Gymnaſiallehrplan zu wenig beachteten Realunterricht zeitgemäß zu fördern. Man beantragte demnach im Jahre 1841, daß man für künftige Kaufleute und Gewerbe⸗ treibende einige Parallel⸗Unterrichtsſtunden zum Zweck gründlicherer Aus⸗ bildung in den Naturwiſſenſchaften, den neueren Sprachen und im kaufmänniſchen Rechnen einrichte. So kam denn die Organiſation des Jahres 1842 zu Stande, nach welcher die Anſtalt aus ſechs Gymnaſialklaſſen mit Parallel⸗ ſtunden für Gewerbtreibende in den mittleren Klaſſen beſtand. Dieſe