Aufsatz 
Über die Notwendigkeit und Möglichkeit der Errichtung eines neuen Gebäudes für das Gymnasium und die Realschule zu Worms
Entstehung
Einzelbild herunterladen

62

des Blutdruckes. Damit das Ueberneigen des Kopfes möglichſt verhütet wird, verlangt Cohn eine entſprechende Conſtruction der Tiſche und Bänke und zweckmäßige Beleuchtung. Die ſchon oben erwähnte Olmützer Schulbank (vergl. Johann Schober Director der Olmützer Töchterſchule: Die Olmützer Schulbank, für Gemeinden, Lehrer und Schulbehörden, Wien 1873, bei Pichler) entſpricht, abgeſehen von den übrigen Beziehungen, in welchen ſie den mediciniſchen Anforderungen genügt, auch der ſoeben gedachten Forderung Cohn's. Wenn wir für unſere Schule, auch im Intereſſe der Augen der Schüler, dieſe Bank ſollen anfertigen laſſen, ſo bitten wir auch an dieſer Stelle um große Locale, in welchen wir die gedachte Bank aufſtellen können, und um helle, nicht nach Norden liegende Säle.

Wir müſſen aber, damit nach den wichtigſten Seiten hin die richtigen Geſichtspunkte feſtgehalten werden, hinzufügen: Auch die Schule ſelbſt darf die Schüler nicht durch ihre Forderungen allgemein krank oder kurzſichtig machen; und wenn einmal eine Anſtalt auf die normale Bahn gebracht iſt, wenn nicht mehr die Sünden der Vergangenheit durch Nachholen des Verſäumten gut zu machen ſind, wenn das Veſentliche gelehrt, die unſinnigen Forderungen egoiſtiſcher Fachleute oder der Utilitarier, welche die Schule zur Befriedigung aller Anforderungen des praktiſchen Lebens zwingen möchten, zurückgewieſen werden, ſo wird eine gute Schule die Geſundheit der Schüler nicht gefährden. Dazu kommen die Pflichten des Hauſes: vor Allem müſſen die Kinder reichlich und gut genährt und angehalten werden, die Stunden der Erholung auch wirklich dazu durch Bewegung in friſcher Luft zu verwenden. Die unnatürlichen Reizmittel und verfrühten Genüſſe des geſelligen Lebens, die unſre Kinder zerſtreuen und ſchwächen und den Keim des Siech⸗ thums in dieſelben verpflanzen, ſind fern zu halten. Noch Vieles wäre zu ſagen, denn wahrlich, die Schule allein macht unſer Geſchlecht nicht ſchwach und zart.

Dr. Cohn dringt darauf, den Schulzimmern möglichſt vieles und gutes Licht zu geben.Was die Himmelsgegend anlangt, ſagt er S. 112,nach welcher die Fenſter liegen, ſo iſt einleuchtend, daß die auf der Südſeite ceteris paribus mehr Licht der Stube zuführen werden, als auf der Nordſeite. Der Punkt iſt wichtig genug, um bei der Anlage neuer Schulen in's Auge gefaßt zu werden. Die beſte Beleuchtung wird immer eine öſtliche oder ſüdliche ſein. Nun habe ich aber oben(S. 45.) gezeigt, daß in unſrem jetzigen Hauſe und in dem Gebäude, welches man an der Stelle des Pfandhauſes aufführen könnte, die NMehrzahl der Schulzimmer nach Norden liegen würde, und zwar gegen die enge Wollgaſſe hin, in welcher mehrere höhere Gebäude, die gegenüber ſtehen, namentlich den Zimmern des Erdgeſchoſſes das an ſich ſchon ſchlechte Nordlicht auch noch zum großen Theil fernhalten.

Faſt noch ſchlimmer würde ſich die Lage unſrer Anſtalt nach Weſten hin geſtalten Hier wird das Pfandhaus durch die 3 ½ Meter breite Pankratiusgaſſe begrenzt, die in die Wollſtraße mündet. Dieſelbe trennt das Pfandhaus vom Freed'ſchen Garten, deſſen Umfaſſungsmauer heute ſchon dem Erdgeſchoß des Pfandhauſes das Licht bedeutend