— 60—
f. Das Licht der Schulzimmer nach ſeiner Bedeutung für die Erhaltung der Sehkraft.
Virchow behandelt in dem Aufſatze:„Ueber gewiſſe, die Geſundheit benach⸗ theiligende Einflüſſe der Schulen“(ſ. Archiv für patholog. Anatomie und Phyſiologie ꝛc., Band 46, S. 447— 470), auch die Augenübel, insbeſondere die Kurzſichtigkeit. Die Unterſuchungen, welche Dr. Hermann Cohn namentlich in dem Schriftchen: „Unterſuchungen der Augen von 10,060 Schulkindern“(Leipzig, bei Fleiſcher 1867) niedergelegt hat, hält Virchow für überaus wichtig, ja in einer gewiſſen Weiſe für entſcheidend. Ich citire hier zunächſt ein Referat Virchow's über Cohn’'s Unter⸗ ſuchungen und werde dann auf letzteren ſelbſt zurückkommen.„Cohn hat ſeiner größeren Arbeit die Ergebniſſe von Unterſuchungen der Schüler in 5 Dorfſchulen zu Langenbielau, ſowie in 20 Elementarſchulen, 2 höheren Töchterſchulen, 2 Mittelſchulen, 2 Realſchulen und 2 Gymnaſien in Breslau zu Grunde gelegt. Von 10,060 Schülern hat er 6059 ſelbſt der Vorunterſuchung unterzogen, während bei den übrigen die Lehrer nach ſeinen Vorſchriften dieſelbe anſtellten. Neuerlich hat Cohn auch noch 410 Breslauer Studenten in Beziehung auf den Zuſtand ihrer Augen genau geprüft. Gleichzeitig iſt überall das Lebensalter, die Schulzeit, die Einrichtung der Schullocale feſtgeſtellt, das Verhältniß der Augenübel zu dieſen verſchiedenen Momenten berechnet und unter Darlegung des ge⸗ wonnenen Materials in allen ſeinen Einzelheiten eine ſo ſichere Grundlage für die wiſſen⸗ ſchaftliche Prüfung geliefert, wie ſie kaum in einer verwandten Richtung ihres Gleichen finden dürfte. Als Geſammtergebniß ſtellt ſich heraus, daß unter jenen 10,060 Schülern 17,1 Procent nicht normalſichtig waren, daß aber letztere Zahl ſich ſehr ungleich ver⸗ theilte, nämlich folgendermaßen:
Nicht Normalſichtige in den Dorfſchulen... 5,2 Procent 3„„„ ſtädt. Elementarſchulen 14,7„ „ 3„„ Mittelſchulen... 19,2„ „„„„ höheren Töchterſchulen 21,9„ „,„„ Realſchulen.... 24,1„ „„„„ Gymnaſien....31,7
Unter den 410 Studirenden fanden ſich ſogar 68 Procent nicht normalſichtig. Zeigt ſich ſchon im Großen ein regelmäßiges Anſteigen, ſo wiederholt ſich dies in überraſchender Weiſe bei der Einzelrechnung jeder Schulanſtalt nach ihren Klaſſen. Es mag hier ge⸗ nügen, die Klaſſen der ſtädtiſchen Elementarſchulen und der Gymnaſien anzuführen!
Da Virchow's tabellariſche Zuſammenſtellung der Procente der Kurzſichtigen den Thatbeſtand nicht klar hervortreten läßt, da er z. B. die erſte Elementarklaſſe in eine Rubrik mit der Gymnaſialprima bringt, ſo ſtelle ich hier die Cohn'ſchen Zahlen(vgl. S. 53 des genannten Werkchens) nach den Altersſtufen zuſammen.


