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zugeführt wird. Wie oft muß man die Fenſter ſchließen, weil über die enge Wollgaſſe der Rauch der gegenüberſtehenden Schornſteine und widerliche Miasmen aus dem dahinter liegenden Stadttheile, aus engen Höfchen und andren unbeſchreiblichen Oertlichkeiten herübergeweht werden. Dies iſt die Luft, in der wir leben und athmen, in welcher die Körper der Schüler heranwachſen. Wie viel beſſer wäre es doch, wenn wir vor der Stadt, auf frei und hochgelegenem Terrain ein Schulhaus hätten, dem ſtets friſche Luft über unſre Ebene von der Haardther zuge⸗ führt würde, in Schulſäle hinein, in welche der blaue Himmel und die liebe Sonne ſegnend hineinſchauten, wenn wir in hochgelegenen Räumen lebten und lehrten, von welchen aus unſre Jugend über unſre Stadt hinweg auf den Strom und weiter hinaus nach den waldbedeckten Bergen des Odenwalds und dann rückwärts zum Donnersberg, zum Haardtgebirge ſchauen könnte. Sie würde ergriffen von einem geſunden Naturgefühl, und in ihren Sinnen würde ſich bilden die Empfänglichkeit für die Schönheit, welche ſogar unſre einförmige Gegend noch bietet, wenn man die richtigen Puncte aufſucht. Dorthin verſetze man unſre Jugend. Dies thut dringend Noth. Man unterſchätze neben der Rückſicht auf die körperliche Geſundheit ja nicht die Bedeutung der mächtigen Eindrücke, welche eine anregende Natur auf den zartſinnigen jugendlichen Geiſt ausübt.
Unſren Jungen wird's nicht leicht, lebendige Naturbeſchreibungen zu liefern. Wie ſollten ſie auch dazu kommen, wenn ſie in unſrer einförmigen Natur, überdies in der häßlichen Umgebung unſres Hauſes, in der öden Wollgaſſe einen ſo großen Theil ihres Lebens verbringen. Wir können unſren Schülern in Worms zwar nicht die Fülle der Anregungen erſetzen, welche Schüler andrer Anſtalten in ihren Wäldern, ihren Bergen finden: aber dies vermögen wir mit einigem guten Willen, daß wir ſie in Räumlichkeiten und an einen Punkt der Stadt verſetzen, wo ſie geſunde Luft nach Herzensluſt athmen können und durch die Natur, welche ſie umgibt, zur Geſundheit, Friſche, Lebendigkeit des leiblichen und geiſtigen Lebens nach Möglichkeit angeregt werden.
Ueber die ungünſtigen Verhältniſſe unſrer Heizung habe ich ſchon oben(S. 48) Mit⸗ theilung gemacht: unſre Jungen werden von der Hitze der in ihrer unmittelbarſten Nähe befindlichen gußeiſernen Oefen in hohem Grade geplagt: abgeſehen von andren üblen Folgen müſſen Nerven, Gehirn, Denkkraft unter der ausſtrahlenden Hitze dieſer Oefen leiden. Wie viel beſſer werden es doch unſre Stadtſchulknaben haben. Sie weilen in hochgelegenen, großen, luftigen, ſonnigen Räumen; Luftheizung erwärmt dieſelben gleich⸗ mäßig und wohlthuend. Wir wünſchen ihnen dazu aufrichtig Glück. Aber auch der andere Wunſch möge Verſtändniß und Beachtung finden, daß nämlich auch die Kinder derjenigen Familien, welche die höchſten Beiträge zu dem ſtädtiſchen Aerarium ſteuern, endlich in angemeſſenen Schullocalen unter⸗ gebracht werden.


