Aufsatz 
Über die Notwendigkeit und Möglichkeit der Errichtung eines neuen Gebäudes für das Gymnasium und die Realschule zu Worms
Entstehung
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gelegenen Zimmer; und weder die nördliche, noch die ſüdliche Lage der Schulzimmer ge⸗ währt demnach die Möglichkeit ausreichender Ventilation. Nun ſage oder beweiſe uns Einer, unſre Anſtalt ſei in der Lage, allezeit ihren Schülern eine ausreichende Fülle friſcher Luft während des Unterrichts zuzuführen! Wer nun aber von der Unentbehr⸗ lichkeit der friſchen Luft überzeugt iſt, wird es billigen, wenn ich unſre Jugend aus den ungünſtig gelegenen Räumlichkeiten des Hauſes oder lieber ganz und gar aus unſrem ungeſunden Schulhauſe entfernt wiſſen möchte.

Luft im Uebermaß haben wir freilich dort, wo wir dieſelbe nicht vertragen können: nämlich unerträgliche Zugluft in allen Hausgängen und Treppenhäuſern. Ein Blick auf unſren Grundriß zeigt, daß der Längenbau unſres Hauſes von zwei Hausgängen durch⸗ zogen wird, welche die Richtung von Norden nach Süden und Hausthüren ſowohl an der nördlichen wie an der ſüdlichen Seite haben. Dieſe Thüren müſſen geöffnet ſein, weil die Schüler durch dieſelben auf den Hof und in den ſüdlichen Bau des J. 1869 gelangen. Und nun findet ein ſteter Luftzug zwiſchen der nördlich gelegenen, kälteren Wollgaſſe und dem ſüdlich gelegenen, wärmeren Schulhofe und dem Garten ſtatt; auch jeder Wind macht ſich geltend; in Gängen und Treppenhäuſern ſauſt oft der Wind; ebenſo in dem engen, lichtloſen Gang,Düſterweg genannt, welcher im oberen Stock das nördliche und ſüdliche Treppenhaus verbindet: in demſelben, welcher ſo enge iſt, daß zwei ausgewachſene Menſchen kaum an einander vorübergehen können, iſt ſtets ein Zug, wie in einem Schlote. Die vom Unterricht erhitzten Lehrer und Schüler müſſen ſich nun fort⸗ während in dieſe Zugluft hineinbegeben: wir haben dadurch alle ſchon oft Erkältungen davon getragen. Wie's zu erweiſen iſt, erkrankte in Folge dieſes Zuges unſer Schul⸗ diener ſo, daß der im letzten Winter fortwährend das Zimmer hüten mußte. Noch mehr: wir gehen erhitzt aus einem Haus über den Hof ins andere.

Nun iſt aber noch ein andrer Umſtand ſehr zu beachten. Angenommen unſre Venti⸗ lation der Schulzimmer wäre ſehr vortrefflich, und die drei alten Häuſer würden um⸗ gebaut, ſo iſt überhaupt die Luft, welche unſer Schulhaus umgibt, meiſtens nicht ange⸗ nehm, auch nicht beſonders geſund. Im Süden unſrer Anſtalt liegt die Gasfabrik, ſüd⸗ lich und ſüdweſtlich eine Lacklederfabrik: wird in letzterer der Lack gekocht, ſo iſt Tage lang in der Umgegend der Fabrik die Luft verdorben. Man empfindet in dieſer fettigen Luft Ekel. Von der oberen und der unteren Wollgaſſe, von Weſten und Oſten, kommen ebenfalls unangenehme Gerüche zu unſrem Hauſe, von dort die Lüfte der oberen Woll⸗ gaſſe, bekannt durch die peſtilenzialiſchen Exhalationen des Schlachthauſes und der Gerber⸗ gaſſe, von Oſten die Ausdünſtungen des ſcheußlichen Eisbachs, der alle Abgänge unſrer Lederfabriken mit ſich führt. Sind die angedeuteten Quellen übelriechender, ſchädlicher Luft auch nicht in unmittelbarſter Nähe unſrer Anſtalt, ſo muß doch bei ſolcher Umgebung unſre Luft verſchlechtert werden, und Niemand kann dies beſſer beurtheilen, als ich ſelbſt da ich in dem Schulhauſe wohne. Da muß ich noch der Luft gedenken, welche von Norden und Nord⸗Oſten, aus dem geringſten Theile unſrer Stadt, unſrem Hauſe