Aufsatz 
Über die Notwendigkeit und Möglichkeit der Errichtung eines neuen Gebäudes für das Gymnasium und die Realschule zu Worms
Entstehung
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gegenüberſtehenden Hauſe unerträglich iſt, und der eiſerne Ofen nur zwei Fuß weit von den dichtbeſetzten Schulbänken! Und doch war das Darmſtädter Gymnaſium mit dieſer Sexta unvergleichlich viel beſſer dran, als unſre Anſtalt mit der großen Maſſe ganz ähn⸗ licher Zimmer und Zimmerchen. Die Straße vor dem alten Darmſtädter Gymnaſium iſt breit, der Lärm derſelben wird darum nicht ſo ſehr empfunden, wie wenn in unſrer engen Wollgaſſe Fuhrwerke vorübergehen, Kinder lärmen u. ſ. w. Gerade in den heißeſten Sommertagen namentlich wenn zur Erntezeit die ſchwerbeladenen Wagen unſrer Land⸗ wirthe vorbeigehen müſſen oft in ſämmtlichen Zimmern der Nordſeite unſres Ge⸗ bäudes die Fenſter feſt geſchloſſen werden, ſobald der Lärm ſo ſtark wird, daß der Unter⸗ richt wohl gar ſiſtirt werden muß. So müſſen wir gar oft, ja ich darf ſagen: in der milden Jahreszeit faſt immer, auf der ganzen Nordſeite unſres jetzigen Hauſes, alſo auch eventuell auf der Nordſeite des Pfandhauſes, entweder auf friſche Luft oder auf einen ungeſtörten Unterricht verzichten. Von dieſen Mißſtänden vermögen Lehrer und Schüler Zeugniß abzu⸗ legen. So kommt's denn, daß unſre Schüler in den bezeichneten Sälen hinter ver⸗ ſchloſſenen Fenſtern in einer verbrauchten und deshalb widerlichen und ungeſunden Luft Stunden lang, Tage lang, in einer Schulzeit von acht Jahren ca. 10,000 Stunden ſitzen. Dieſe Luft der nördlichen Zimmer iſt außerdem nicht, wie in jener früheren, ſonnig ge⸗ legenen Sexta des Darmſtädter Gymnaſiums, wenigſtens warm und rein, ſondern meiſt feucht, kalt und moderig, zugleich überaus ſtaubig, weil die Fußböden alt ſind und unter wie zwiſchen den Dielen derſelben die Staubbehälter liegen, welche unermeßliche Staub⸗ theilchen zu den Lungen der Schüler ſenden, wenn die lebendige Schaar den Boden be⸗ tritt. Je nothwendiger es nun wäre, unter ſolchen Umſtänden fortwährend zu ventiliren, um ſo ungeſunder werden die Locale, wenn die Unruhe der Straße das Oeffnen der Fenſter unterſagt. Da ſtellt ſich dann auf unſerer ganzen Nordſeite eine eigenthümliche feuchte Keller⸗ oder Gefängnißluft ein, welche nach und nach ſogar trockenere Wände des Hauſes inficirt. Es iſt nicht denkbar, daß ſolche Räume den zarten Körpern der Jugend keinen Schaden bringen ſollten. Man denke nun noch beſonders an die regneriſchen Tage des Frühlings, Herbſtes und Winters. Wie viel Feuchtigkeit wird durch die Kleider, die Stiefel, namentlich der von Außen, häufig ſogar zu Fuß aus den benachbarten Ortſchaften kommenden Schüler, ins Haus getragen! Wie lange dauert es, bis dieſelbe aus den finſteren, kalten Localen der Mitternachtsſeite, in welche kein Sonnenſtrahl dringt, einiger⸗ maßen verſchwindet! Wir dürfen es getroſt wagen zu erklären: Die Luft der charakteri⸗ ſirten Locale iſt in jeder Beziehung ſchlecht, der Geſundheit ſchädlich! Aber nicht einmal alle Locale unſrer Süd⸗ und Südyeſtſeite erfreuen ſich der Möglichkeit genügender Ventilation. Wenn die Sonne die Fenſter der Zimmer a, n, f, h, k trifft, und wenn das Licht auf die Tiſche der Schüler fällt, ſo iſt man genöthigt, die Vorhänge der be⸗ zeichneten Zimmer dicht zu ſchließen, und eine ausreichende, durch Oeffnen der Fenſter herzuſtellende Ventilation iſt dann unmöglich. Dies iſt alſo ein Fehler der gegen Süden 8