— 49—
müſſen, den ganzen Ernſt der Angelegenheit, die uns beſchäftigt, anzudeuten. Es iſt dahin zu wirken, daß wir Zimmer erhalten, in welchen die Klaſſen Platz haben und mit einem Blicke von den Lehrern überſehen werden können.
Sehen wir uns noch das Zimmer e an. Dasſelbe iſt wieder eine Beſonderheit. Es iſt 38 ½ heſſ. Fuß tief, denn es reicht von der Nordſeite des Hauſes bis zur ſüd⸗ lichen Wand und es hat demnach Fenſter ſowohl nach Norden als nach Süden; dagegen beträgt die Fenſterwandlänge nur 17 heſſ. Fuß. Man kann lange ſuchen, bis man einem ſolchen Schulzimmer wieder begegnet; ich wenigſtens habe eine derartige Sonder⸗ barkeit noch nirgends geſehen. Und dieſes monſtröſe Zimmer wurde erſt im Jahre 1863 geſchaffen. In demſelben müſſen der langen Wand entlang zwei größere Bänke an einander geſtoßen werden, und da es ſchmal iſt, ſo können nur drei ſolcher Doppelbänke vor einander geſtellt werden. Der Lehrer aber, welcher dicht vor den Bänken ſteht, weil nahe hinter ſeinem Rücken die Wand ſich befindet, vermag die breite Linie der Schüler, welche in den Doppelbänken ſitzen, nicht mit einem Blicke zu überſehen. Dies erſchwert die Disciplin und das Unterrichten. Dabei haben die Schüler unruhiges Licht von rechts und links; vor den Augen derjenigen Schüler, welche am meiſten gegen Süden ſitzen, entſteht bei dem Schreiben auf dem weißen Papier ein ſtetes Flimmern tanzender Schatten bei jeder Bewegung der Hand. Dies iſt den Augen ſchäd⸗ lich. Man vergleiche unten im Artikel f: das Licht ꝛc., was Cohn und Virchow über die Gefahren ſagen, welche ſchädliches Licht in den Schulen zur Folge hat; und man unterſchätze deren Mahnungen ja nicht!
Das Zimmer b hat zwei Fenſter, vor welchen eine bedeutende Mauer und gegen Nordoſten der Giebel eines Hauſes ſich erhebt: es iſt daher ſehr dunkel. Es iſt von jeher phyſikaliſches Cabinet. Allein der Mangel an Licht erſchwert es dem Lehrer, darin zu arbeiten, optiſche Verſuche ſind in demſelben nicht anzuſtellen. Eine andere Verwendung deſſelben, als zu einem Vorrathszimmer für Apparate, iſt überhaupt gegenwärtig nicht möglich: ein Lehrzimmer kann es nicht ſein. So kann man denn ſagen, es ſei faſt un⸗ brauchbar, nachdem es ſein Südlicht durch den Anbau des Jahres 1869 verloren. Das war ja das eigenthümliche Mißgeſchick nnſrer ſeitherigen baulichen Anlagen, daß die neuen Flickwerke ſtets an ſich unzulänglich waren und außerdem noch das vorhandene Alte eher verſchlechterten als verbeſſerten. Auch die Reparaturen des Jahres 1841 entfernten geradezu die guten Einrichtungen des Hauſes aus dem Jahre 1824. In der Zeit von 1824—1841 waren in beiden Stockwerken des alten(weſtl.) Hauſes auf der Nordſeite, der Wollgaſſe entlang, Corridore, welche— wenn wir länger in unſrem Hauſe bleiben— demnächſt wieder hergeſtellt werden müſſen.
Das einfenſtrige Zimmerchen d, in welchem ein großer Heerd ſteht— an den Wänden rings Repoſitorien—, iſt unſer chemiſches Laboratorium: ein Lehrer kann ſich in demſelben kaum frei bewegen, wenn er für ſeinen Unterricht ſeine Präparate beſorgt
und für die kommende Stunde zurechtſtellt. Wie aber zwei Lehrer, die ſich bei uns in 7


