Aufsatz 
Über die Notwendigkeit und Möglichkeit der Errichtung eines neuen Gebäudes für das Gymnasium und die Realschule zu Worms
Entstehung
Einzelbild herunterladen

42

immer die Morgenſonne, als die für alle noch Wachſenden geeignetſte, zu gewinnen ſuchen müſſe, indem er bemerkt, daß nie zu viel Morgenſonne gewährt werden könne und daß man, wo ältere und jüngere Kinder in Frage ſeien, ſtets den letzteren das ſonnigere Local einzuräumen habe.Cohn führt aus, daß die durch die Lage der Schullocale bedingte Dunkelheit zur Erzeugung und Vermehrung der Kurzſichtigkeit unter den Kindern entſchieden beiträgt, und daß je freier das Schulhaus liegt, je breiter die Straße, in welcher es ſteht, je niedriger die gegenüber liegenden Gebäude, in je höheren Stockwerken die Klaſſenzimmer ſelbſt gelegen, deſto weniger kurzſichtige Schüler exiſtiren. Der An⸗ ſicht, der Schulſtube möglichſt viel Licht und Sonne zu gewähren, muß man ſich durchaus anſchließen. Iſt es doch ein Gedanke, welcher ſich ſchon den Kindern aufdrängt und ſich mit der Zeit mehr und mehr in den Menſchen, ohne daß dieſe Sachverſtändige in der Naturwiſſenſchaft ſind, befeſtigt, daß die Sonnenwärme und das Sonnenlicht zu den nothwendigen Bedingungen des Lebens gehören, und daß die Pflanze, daß Menſch und Thier nicht ohne ſie exiſtiren können. Alle Jahre wird man hieran bei Eintritt des Winters erinnert und Allen, welche den hohen Norden, oder ſehr hohe Gebirge beſuchten, drängt ſich überallher dieſe Ueberzeugung auf. Man ſoll die Schulſtuben nach Morgen oder Mittag zu legen. Die Richtung nach Morgen hat den beſonderen Vorzug, daß die Erwärmung der Schulzimmer durch die Morgenſonne im Sommer am wenigſten unbe quem wird. Die Beſorgniß, welche Schraube in Folge der in den erſten Schulſtunden wenigſtens ſehr ſchräg einfallenden Strahlen der Morgenſonne für die Augen der Kinder hegt, vermag man nicht zu theilen, indem die Sonne, ſobald ſie beſchwerlich fällt, durch den Gebrauch der Fenſtervorhänge abgehalten werden kann. Daneben iſt der beſondere Vortheil zu be⸗ achten, daß, je ſchräger das Sonnenlicht einfällt, deſto beſſer das ganze Zimmer, namentlich auch in den von den Fenſtern entfernteſten Theilen erhellt wird. Die Mittagsſeite bietet dagegen den Vortheil des höchſten Lichtes und läßt daher den ſchräg einfallenden Strahl weniger vermiſſen. Erſt dann, wenn man die Morgenſonne wie die Mittagsſonne und die zwiſchen beiden liegende Richtung nicht erlangen kann, ſoll man die Abendſeite für die Fenſterwand wählen, weil die Nachmittagsſonne im Sommer erfahrungsmäßig am meiſten beſchwerlich wird und die Abendſeite die herrſchende Wind⸗ und Regenſeite iſt, wodurch mancherlei Störungen veranlaßt werden. Die Verlegung der Schulſtuben nach der Nordweſt⸗, Nord⸗ und Nordoſtſeite hin ſoll man aber aus Geſundheitsrückſichten vermeiden.(Nur der Zeichenſaal ſoll nach Norden liegen.)Jeder ſucht, um die größere Einwirkung der Sonne für ſich und die Seinigen zu gewinnen, eine Wohnung nach ſonniger Seite hin. Und die Schule ſollte dies für die ihr Anvertrauten verabſäumen? Die erſchlaffende Schwüle der heißeſten Monate dringt auch in die nördlich gelegenen Schulſtuben; und iſt die Hitze einmal allzugroß, um den Unterricht mit Erfolg ertheilen zu können, ſo läßt es ſich leichter verantworten, einzelne Schulſtunden in ſolcher Zeit auszuſetzen,