Aufsatz 
Über die Notwendigkeit und Möglichkeit der Errichtung eines neuen Gebäudes für das Gymnasium und die Realschule zu Worms
Entstehung
Einzelbild herunterladen

38

I. Beurtheilung der jetzigen Räumlichkeiten unſrer Anſtalt.

1. Allgemeines.

Damit ich mir bei der Beurtheilung unſrer gegenwärtigen Räumlichkeiten und bei dem daraus ſich ergebenden Nachweis unſrer Bedürfniſſe nicht den Vorwurf zuziehe, daß ich ſubjective und unbegründete Anſichten vorbringe, vielleicht wohl gar ganz willkürlich erſonnene Bemängelungen und Deſiderien ausſpreche, ſo iſt es meine Abſicht, die An⸗ ſichten und Forderungen anerkannter Autoritäten wörtlich zu citiren und nach denſelben ſowohl unſre Räunlichkeiten zu beur⸗ theilen, als auch unſre Bedürfniſſe zuſammenzuſtellen.

Bei der Eile, mit welcher ich dieſe Notizen zuſammenſtelle, erhebe ich nun freilich nicht den Anſpruch, eine in allen Theilen vollſtändige und abſchließende Arbeit zu liefern: nur nach einigen Seiten hin will ich Denjenigen, welche ſich mit uns für unſre Sache intereſſiren, das unentbehrlichſte Material zuſammenſtellen, vielleicht auch die richtigen Perſpectiven eröffnen. Ikattſtt

In den folgenden Erörterungen beziehe ich mich ganz beſonders auf das vortreffliche Buch des Gr. Sächſ. Geh. Juſtizraths W. Zwez:Das Schulhaus und deſſen innere Einrichtung, für alle bei Schulbauten Betheiligte, Lehrer, Schulvorſtände, Bauverſtändice Aerzte und Aufſichtsbehörden.(2. Aufl. Weimar 1870.)

Auch von dem Geh. Ober Baurath Flaminius, Referenten im Kgl. Miniſterium für Handel ꝛc. zu Berlin, ſind gewiſſe Grundſätze, nach welchen im Allgemeinen bei Neubauten höherer Schulen in Preußen verfahren wird und welche bei der Beurtheilung vorhandener Schulhäuſer maßgebend ſein dürfen, in einem in Wieſe's 2. Bande der hiſt.⸗ſtat. Darſtellung des höheren Schulweſens in Preußen(S. 710 715) veröffent⸗ lichten Promemoria zuſammengeſtellt. Daran ſchließt ſich ein denſelben Gegenſtand behandelnder Aufſatz des Herausgebers. Letzterer beginnt mit den Worten:In Ver⸗ gleichung mit früheren Zeiten wird gegenwärtig bei dem Bau und der Einrichtung der Schulhäuſer auf Zweckmäßigkeit und in vielen Fällen auch auf Schönheit eine ſehr vermehrte Sorgfalt verwendet. Die für den höheren Unterricht be⸗ ſtimmten Schullocale neuerer Zeit ſind nichtmehr kaſernenartig eingerichtete Häuſer, bei denen nur dem nothwendigſten Bedürfniß entſprochen wird: königliche und Communalbehörden wetteifern miteinander, die innere Be⸗ deutung der höheren Schulen auch äußerlich in den ihnen gewid⸗ meten Gebäuden hervortreten zu laſſen, und die räumliche Um⸗ gebung, in der ſich die Schuljugend täglich befindet, zu p ädagogiſcher Ein⸗ wirkung auf dieſelbe zu benutzen. Auch in größeren und kleineren Städten Heſſens bietet man jetzt bereitwillig den höheren Schulen wie den Polesſchulen geeignete däuſer

l!