Aufsatz 
Über die Notwendigkeit und Möglichkeit der Errichtung eines neuen Gebäudes für das Gymnasium und die Realschule zu Worms
Entstehung
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Realſchulen zu Offenbach und Gießen gedenke, nicht frei bin von einem Anflug von Wehmuth und von ſchwerer Sorge. Dem Gymnaſium in Mainz ſteht ein nicht zu erſchöpfender Fonds zur Verfügung, für die Gymnaſien zu Darmſtadt und Gießen ſorgen Regierung und Stände in ſplendideſter Weiſe. Unſer Gymnaſium und unſre Realſchule dagegen wiſſen noch nicht, ob ihrer drückenden Wohnungsnoth abgeholfen, ob ihnen Luft und Raum zum Leben und zu glücklicherer Entwickelung dargeboten werden wird. Zwar iſt nnſer Gymnaſium das einzige unſres Landes, welches ein bedeutendes eignes Vermögen beſitzt, und wenn unſre Anſtalt in die eigene Taſche greifen dürfte, ſo könnte ſie ſich für anſtändige und zweckmäßige Räumlichkeiten ſorgen. Aber ihres Vermögens ward unſre Anſtalt bis jetzt niemals froh. Die Revenuen deſſelben haben heute offenbar nur zur Folge, daß der Staat und die Stadt Worms ihre Zuſchüſſe zu unſrer Kaſſe je um die Hälfte unſrer Gymnaſialfondseinkünfte vermindern konnten. Unſre Anſtalt gleicht alſo bezüglich ihres Vermögens dem wohlhabenden Kinde erſter Ehe, für welches Vater und Mutter zwar ſo eifrig ſorgen wie für die Halbgeſchwiſter deſſelben, dabei aber doch die Laſt ſich ſelbſt erleichtern, indem ſie des Kindes beſondres Vermögen vor allem Andren aufwenden zwar für dieſes Kind, doch immerhin ſo, daß ſie in Folge ſolcher Nutznießung weniger vom eignen Vermögen aufzuwenden brauchen, und ſo kommt es, daß der Pflege⸗ befohlene ſeiner Wohlhabenheit nicht recht inne wird. Unſer Gymnaſium iſt in Wahrheit das reichſte unſres Landes; dafür durfte es ſeinen Patronen die Laſt der Unterhaltung etwas leichter machen und ſelbſt im ſchlechteſten Hauſe leben. Ja, lange Zeit hat weder der Staat noch die Stadt ausreichend für unſre Anſtalt geſorgt, weil der Fonds da war: bis heute ein Fonds vieles Unheils! Wenn ich nun in vorliegender Arbeit den Neubau eines Gymnaſial⸗ und Realſchulgebäudes zu befürworten wage, ſo muß ich von vornherein klar und beſtimmt hervorheben, daß ich dadurch der Stadt Worms keine unge⸗ rechtfertigte Laſt aufladen will. Von unſrer Stadt erbitte ich nur denjenigen Betrag, welchen die für den Fall der Verwerfung eines vollſtändigen Neubaues doch jedenfalls nothwendigen Umgeſtaltungen unſres Hauſes und des danebenſtehenden Pfand⸗ hauſes von derſelben erfordern würden. Einen ungefähr ebenſo hohen Betrag vermag unſer Gymnaſialfonds darzubieten. Und ich werde nachweiſen, daß es recht wohl gerechtfertigt iſt, wenn ſich der Staat mit einem gleichen Betrag wie die Stadt und unſer Fonds an dem projectirten Neubau betheiligt. Zu dieſen Zuſchüſſen der Stadt Worms, des Staates und des Fonds rechne ich noch den Erlös, welcher für unſer jetziges Haus gewonnen werden kann, und natürlich auch den Preis des Pfandhauſes. Würden meine Vorſchläge in Erfüllung gehen, ſo würde das erſehnte neue Gebäude für die Stadt Worms das wohlfeilſte Haus ſein, welches in der neueren Zeit für ſie gebaut worden iſt. Unter dieſem Vorbehalte trete ich nun dem Gegenſtand meiner Erörterungen näher.