Aufsatz 
Über die Notwendigkeit und Möglichkeit der Errichtung eines neuen Gebäudes für das Gymnasium und die Realschule zu Worms
Entstehung
Einzelbild herunterladen

36

vergehen würden, in der Lage wären, ihre Entwürfe und Werke zu bereuen und zu ent⸗ ſchuldigen, wenigſtens nicht ſagen:Hätte man doch beſſer die Bedürfniſſe gekannt, hätte doch der Director zur rechten Zeit die Lage und die Bedürfniſſe ſeiner Anſtalt genügend dargeſtellt!

Ich bin mir vollſtändig klar darüber, daß vielleicht recht Viele mit der vorliegenden Veröffentlichung unzufrieden ſein werden, nicht etwa deßhalb, weil in derſelben Unange⸗ meſſenes erörtert oder verlangt werde, ſondern weil die für unſre Anſtalt geäußerten Wünſche ebenſo läſtig erſcheinen, wie eine öffentliche Behandlung derſelben den verhüllenden Schleier von der nackten Wirklichkeit wegzieht und die Blößen unſrer Anſtalt auch fremden Blicken zeigt. Ich ſelbſt möchte wahrhaftig, wenn ich nur auf mich Rückſicht nähme, noch jetzt in letzter Stunde dieſe Arbeit vom Drucke zurückziehen, weil ſie mir ebenſo unerquicklich iſt wie Andern. Aber wäre dies in Berückſichtigung der Intereſſen der Anſtalt und unſrer Stadt ein verſtändiges, muthiges, nützliches Handeln? Muß ich nicht den Freunden unſrer Anſtalt, unſrer Stadtverwaltung und der Gr. Regierung das erforderliche Material zuſammenſtellen, damit ſie wenigſtens den Verſuch wagen können, unſre Anſtalt aus dem letzten Reſte langjährig und gründlichſt verfahrener Zuſtände heraus zu retten? Wohl würde, wenn dieſe Arbeit nicht im Stande wäre, eine günſtige Wirkung auszuüben, kaum jemals eine ungeeignetere Beilage einem Jahresberichte zugefügt worden ſein, als die vorliegende; würde es ihr dagegen gelingen, die richtigen Anſichten zu verbreiten und zweckmäßige Entwürfe vorbereiten zu helfen, ſo würde ſie auf lange, lange Zeit zum Glück unſrer Anſtalt unberechenbar viel beigetragen haben.

D'rum ſei's gewagt! Erreiche ich Nichts oder zu wenig, ſo erliege ich in allen Ehren!

Es wird nun nicht nur die Frage aufzuwerfen ſein, wie viele und wie große Räumlichkeiten unſre Anſtalten im Augenblick und demnächſt beanſpruchen. Es muß auch gefragt werden, ob die bereits vorhandenen Räunlichkeiten den Anforderungen ent⸗ ſprechen, welche aus pädagogiſchen, didactiſchen, ſanitäts⸗polizeilichen Rückſichten zu ſtellen ſind. In zweiter Linie iſt dann zu prüfen, ob die in unſrem alten Hauſe befindlichen oder die etwa mit demſelben noch in Beziehung zu ſetzenden Localitäten des Pfandhauſes ſo umgeſtaltet werden können, daß ſie den gedachten ſanitätspolizeilichen und erzieh⸗ lichen Anforderungen zu entſprechen vermögen. Von dem Reſultat dieſer Erwägungen ſind unſre Wünſche bedingt. Aber alle Wünſche, welche wir zu äußern wagen, ſind natürlicher Weiſe durchaus nicht perſönlicher Natur, nicht entſpringend egoiſtiſchen Be⸗ ſtrebungen des Directors oder des Lehrercollegiums, ſondern geboten von wahrem und deshalb mit voller Ueberzeugung ausgeſprochenem Intereſſe an der glücklichen Entwickelung der unſrer Pflege anvertrauten Jugend, d. h. der Zu⸗ kunft der Stadt Worms. Wenn ich mich nun auch für eine gute Sache verwende, ſo geſtehe ich gleichwohl, daß ich beim Niederſchreiben dieſer Zeilen, wenn ich der unvergleichlich glücklicheren Verhältniſe der Gymnaſien zu Darmſtadt, Gießen und Mainz, oder der