Aufsatz 
Über die Notwendigkeit und Möglichkeit der Errichtung eines neuen Gebäudes für das Gymnasium und die Realschule zu Worms
Entstehung
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obſchwebenden Frage herbeizuführen vermag. Die vorliegenden Erörterungen ſind dem⸗ nach gerichtet an die Familien unſrer Schüler, an die Bürgermeiſterei und den Gemeinde⸗ rath der Stadt Worms, an die Stände unſres Landes, an die Großh. Staatsregierung und beſonders auch an die Aerzte unſrer Stadt. Ich darf es nicht unterlaſſen, wenigſtens meinen pflichtſchuldigen Beitrag dazu zu liefern, um verhüten zu helfen, daß die Geſchichte der verkehrten Maßregeln oder der verſäumten Gelegenheiten unſrer Anſtalt wieder einmal um ein Ereigniß von verhängnißvoller Tragweite bereichert werde. Und um den Beiſtand aller Einſichtigen bitte ich.

Unter Allen, welche Gelegenheit gefunden, einen Blick in unſer Schulhaus und in die Verwendung ſeiner Räumlichkeiten zu thun, iſt es zur Ueberzeugung geworden, daß unſre beiden Anſtalten darin nicht mehr lange zu hauſen vermögen. Seitdem ſich die realiſtiſche Abtheilung unſrer Anſtalt neben dem Gymnaſium zu einer vollſtändigen Realſchule mit ſechs von einander getrenn⸗ ten Klaſſen entwickelt hat, iſt es den beiden Anſtalten im clten Hauſe zu enge geworden. Nun wurde überdies von gar vielen Eltern und von dem Gemeinderathe der Stadt Worms wiederholt der Wunſch geäußert, daß die zur Zeit in Worms beſtehende Vorbereitungsſchule für das Gymnaſium und die Realſchule welche ſeither im Gegenſatze zu ihrer Beſtimmung in keinem näheren Ver⸗ hältniſſe zu den genannten höheren Schulen ſtand mit unſrer Anſtalt in organiſche Verbindung geſetzt und unter die Direction des Gymnaſiums und der Realſchule geſtellt werden möchte. Ueber die Nützlichkeit dieſes Projectes ſprach ſich unſer letztes Programm in ſeinem Anhange aus; unſre Bereitwilligkeit, die hier beſtehende Vorbereitungsſchule zu übernehmen, äußerten wir hieſiger Bürgermeiſterei ſchon im September 1873. Es kann nun aber darüber kein Zweifel ſein, daß eine wirklich organiſche Verbindung der Vor⸗ bereitungsſchule mit dem Gymnaſium und der Realſchule nur dann mit vollem Ernſt und ohne Schein angebahnt werden kann, wenn die zu verbindenden Anſtalten auch räumlich in demſelben Hauſe verbunden ſind. Weder die hieſige Gymnaſial⸗ und Realſchuldirection, noch die obere Schulbehörde kann auf eine andere Art der Verbindung der Vorbereitungs⸗ ſchule mit unſrer Anſtalt eingehe. Wenn der hieſige Director ein Gymnaſium, eine Real⸗ ſchule und eine vierklaſſige Vorbereitungsſchule leiten, dabei möglichſt viel ſelbſt unter⸗ richten will und ſoll, ſo muß er ſeine Sachen jederzeit nahe beiſammen haben, wenn er nicht über der Ausführung des Einen das Andere verſäumen und ſchließlich dennoch unter ſeiner Laſt zuſammenbrechen ſoll. Dabei iſt nun die Frage zu ſtellen, welche Aus⸗ dehnung und Klaſſenzahl in dieſem Falle unſre Vorbereitungsſchule ohne Zweifel erhalten und wie viele Räumlichkeiten ſie deßhalb beanſpruchen wird. Endlich darf bei vor⸗ liegender Frage nicht außer Acht gelaſſen werden, wie viele neue Räume die vorausſichtliche Weiterentwickelung unſres Gymnaſiums und der Realſchule über kurz oder lang ſo gewiß fordern wird, als das naturgemäße Wachsthum eines lebendigen Organismus ſich nicht gewaltſam aufhalten oder unterdrücken läßt.