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Beſoldungsverhältniſſe der Lehrer ſicher geſtellt. Nun handelt es ſich noch darum, für die Schüler, an welche doch vor Allem zu denken iſt, geziemend zu ſorgen. Da in unſrem Lande die höheren Schulen meiſtens gute Schulhäuſer haben, iſt es wohl gar nicht ſo beſonders ſchwer, die wenigen ſchlechten Schulhäuſer, die wir noch haben, durch beſſere zu erſetzen, wofern nur die beſtimmte Abſicht vorhanden iſt, entſprechende Localitäten zu beſchaffen, und es ſich billiger Weiſe nur darum handelt, zu beſtimmen, in welchem Grade eine Anſtalt mehr vorwiegend locale Bedeutung hat oder auch für einen Theil des Landes oder des Staates von Intereſſe iſt.
7. Durch Allerhöchſte Entſchließung vom 17. Nov. 1874 wurde der bisherige Turnlehrer Marx zu Darmſtadt zum Turninſpector ernannt; nach den demſelben ertheilten Inſtructionen vom 23. Jannar l. J. liegt ihm ob, bei den höheren Schulen, wie in den Volksſchulen Fürſorge zu treffen, daß die geſetzlichen Beſtimmungen und die Anordnungen der Schulbehörde, walche das Schulturnen betreffen, vollzogen und befolgt werden.
8. Unſere Schule hat zwei freudige Tage zu verzeichnen. Am 7. Juli reiſte das Gymnaſium und die Realſchule, mit neuen ſchwarz⸗weiß⸗rothen Fahnen ausgeſtattet, von ihrem Turnlehrer geordnet, vom Lehrercollegium geführt, vermittel ſt der Eiſenbahn, welche wie ſchon öfters in freundlichſter Weiſe Fahrpreisermäßigung gewährt hatte, über Mainz nach Bingen. Dort trennten ſich die Klaſſen beider Anſtalten mit den dieſelben führenden Lehrern in drei Partieen: die unteren Klaſſen beider Anſtalten beſuchten den Binger Wald; die Mittelklaſſen ſtiegen zum Niederwald empor, dann hinab nach Aß⸗ mannshauſen, auf Kähnen ging's über den Rhein nach Schloß Rheinſtein, von da nach Bingen; die oberen Klaſſen reiſten mit dem Dampfboot bei einer Preisermäßigung im Betrag von einem Drittel des Fahrgeldes nach Oberlahnſtein, von hier auf Kähnen nach Capellen, von da nach Schloß Stolzenfels, dann zurück nach Lahnſtein auf’'s Dampfboot, das uns nach Bingen trug, wo die drei Partieen nach fröhlich verlebtem Tage zu ge⸗ meinſamer Heimfahrt wieder zuſammenkamen. Die Begegnung mit Herrn Director Dr. Glaſer in Bingen gereichte Lehrern und Schülern zu großer Freude.
Den 2. September feierte unſre Anſtalt, zum erſtenmale ſich in die Oeffentlichkeit hinaus⸗ wagend, mit einem Actus im großen Caſinoſaale, unter ganz außerordentlicher Betheiligung des Publikums. Wir fügen unten das Programm desſelben an.
9. Am 11. Februar 1874 ſtarb an der Lungenſchwindſucht ein braver Schüler unſrer Anſtalt, Conrad Madler aus Worms; längere Zeit hatte er in Folge von allzu raſchem Wachſen gekränkelt, hatte dann ohne Geneſung zu finden eine mildere Luft aufgeſucht; aber den Eltern konnte der Verluſt des trefflichen Sohns nicht abgewendet werden.
Am 1. März 1875 ſtarb in Folge eines Scharlachfiebers Otto Löb, einer der beſten Schüler der Gymnaſialtertia. Lehrer und Mitſchüler geleiteten die früh Verſtorbenen zum Grabe.


