Aufsatz 
Über die nächsten Aufgaben des Gymnasiums und der Realschule zu Worms, nebst einem Anhange: Die Bedeutung und Stellung der Vorschule
Entstehung
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wollen, vergrößert ſich ganz gewiß, ſo daß es möglich wird, Ausleſe zu halten und reinere Klaſſen herzuſtellen. Dies iſt ein Beweis für die Richtigkeit des Satzes, daß eine höhere Lehranſtalt ſtets wohl daran thut, wenn ſie ihre Einrichtungen in ſtetiger Weiter⸗ entwicklung vervollkommnet. Wie nun der richtig ſpeculirende Geſchäftsmann eine ver⸗ ſtändige Erweiterung ſeines Geſchäftes nicht als ein Opfer für ſeine Kaſſe, ſondern als ein Mittel anſieht, ſeiner Unternehmung die beſſeren Gewinne zu ſichern: ſo wird auch eine richtig angefaßte, im alltäglichen Bedürfniſſe und Bildungsintereſſe der Jugend und der Familien wohlbegründete Er⸗ weiterung und Verbeſſerung einer höheren Lehranſtalt, d. h. die organiſche Verknüpfung unſrer Vorbereitungsſchule mit unſrer höheren Lehranſtalt nur den Aufſchwung derſelben zur Folge haben. Dieſe Verbindung iſt endlich nothwendig, damit Anfang und Ende des Schuljahrs der Vorſchule und der höheren Anſtalt zuſammenfallen und die Vorbereitungsſchüler weder zu alt, noch zu jung in die höhere Lehranſtalt eintreten!

Schlußwort.

Wie in der Natur das Einzelne im Organismus des Ganzen die Grundbedingungen ſeiner Exiſtenz und naturgemäßen, ungehinderten Entwickelung findet: ſo iſt das Gedeihen einer einzelnen Lehranſtalt zum großen Theil von den allgemeinen Verhältniſſen des geſammten Unterrichtsweſens, ſowie des Lebens und Strebens in Familie, Staat und Gemeinde abhängig. Andrerſeits tritt in den Mißerfolgen einer einzelnen Lehranſtalt ſehr häufig recht anſchaulich an den Tag, was zugleich dem Ganzen frommen könnte und welche Förderung die einzelne Anſtalt von der entſprechenden Ge⸗ ſtaltung des Ganzen hoffen darf. Ueber unſre Doppellehranſtalt iſt durch die Ungunſt der Verhält⸗ niſſe im Laufe der Zeit ganz außerordentliches Mißgeſchick hereingebrochen. Wer die Folgen deſſelben nach und nach beſeitigen will, muß ſich nach angemeſſenen Mitteln der Abhülfe umſehen. Dieſelben ſehe ich zur Zeit vor Allem in den anzuſtrebenden Beziehungen unſrer Schule zu den Triebkräften, welche der Organismus des geſammten höheren Schulweſens und der Staat darbieten ſoll. Deshalb habe ich in dieſem Sinne einige Angelegenheiten unſrer Anſtalt beſprochen, indem ich in dem Individuum zugleich das Allgemeine mit ſeinen Mängeln und Bedürfniſſen zu Gunſten der individuellen Ent⸗ wickelung darſtellte. Ich habe es oben ausgeſprochen, daß ich nicht im Stande ſein werde, die hieſigen Anſtalten auf die rechte Bahn der Entwickelung zu bringen, wenn nicht von allen Seiten hülfreiche Hände Beiſtand leiſten werden: die Schule ſelbſt, die Stadt Worms und der Staat dürfen bedeutendere Leiſtungen nicht von ſich weiſen, wenn das Werk einer erfolgreichen Umgeſtaltung unſrer Anſtalten gelingen ſoll. Um ſoweit ich es vermag Alle für ſolche Hülfleiſtung zu gewinnen, habe ich in dieſen Blättern ein offenes Manneswort niedergelegt, welches jedem wahren Freunde unſrer Anſtalten, dem es nur um dieſe, nicht um Andres zu thun iſt, eine vollgültige Bürgſchaft ſein ſoll, daß ich auf dem angekündigten Wege, wenn er Beifall findet, ſtandhaft vorwärts zu ſchreiten entſchloſſen bin. Möge nun Jeder, der dazu Beruf, Gabe und Neigung hat, bereitwillig mit uns pflanzen und ſäen auf dem Felde der Erziehung, auf dem nur dann reiche Blüthen und Früchte uns belohnen können, wenn Schule und Haus, Gemeinde und Staat einander kräftig in die Hände arbeiten.

Möge Jeder ſtill beglückt

Seiner Freuden warten!

Wenn die Roſe ſelbſt ſich ſchmückt,

Schmückt ſie auch den Garten. Rückert.