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naſiums und der Realſchule nach und nach abgeſchwächt und in einer höheren Harmonie humaniſtiſcher und dabei doch möglichſt praktiſcher Erziehung, aufgelöſt werden, als daß eine vorſchnelle Trennung beider Anſtalten jene Antipathieen, welche nur der Unfertigkeit unſrer Schuleinrichtungen und der daraus reſultirenden Unbefriedigtheit entſtammen, vielleicht gar noch verſchärfte und beiden Anſtalten zu der Armuth an Mitteln ein noch viel mehr zu beklagendes Deficit an geiſtiger Kraft hinzufügen würde. Nein! So ſoll es nicht kom⸗ men! Die enge Allianz zwiſchen Gymnaſium und Realſchule ſoll erſterem zum Antriebe werden, nächſt der Pflege der ſpecifiſchen gymnaſialen Unter⸗ richtsfächer auch die neueren Sprachen, die Mathematik und die Natur⸗ wiſſenſchaften tüchtig zu betreiben; die Realſchule dagegen ſoll es von der Schweſteranſtalt lernen, wenn auch mit andren Nitteln als dieſe, den Geiſt der Humanität in vollen Zügen in ſich aufzunehmen. Nur von ſolchen intimen Beziehungen beider Anſtalten und der Lehrer beider Bildungsrichtungen haben die hieſigen Eltern das wahre Wohl ihrer Kinder zu erwarten. Und den Eltern, wie der mir anvertrauten Jugend zu Liebe, glaubte ich vorſtehende Auffaſſung der wechſelſeitigen Beziehungen unſrer combinirten Anſtalt nicht zurückhalten zu dürfen. Es iſt mir ein ſittliches Bedürfniß, meinerſeits mit offenem Viſir auf meinem Poſten zu ſtehen.
Nun noch eine Bemerkung, die ebenfalls im allgemeinen Intereſſe des großen Publikums liegt. Ich kann die Anſicht nicht unterdrücken, daß die Gründung einer ſtädtiſchen höheren Töchterſchule zu Worms viel mehr zum Vortheil Aller, der Stadt, der Eltern, der bildungsbedürftigen Jugend gereicht, als der ſehr koſtſpielige und noch lange Zeit zu entbehrende Luxus der Trennung unſrer Anſtalten. Aber ich ſage gleichwohl:„Wenn unſre Stadt für alle ihre nothwendigen Bildungs⸗ bedürfniſſe ausreichend geſorgt und dabei unſren Anſtalten die für deren Trennung erforderlichen und durch ein Etatsgeſetz zu garantirenden Mittel dargeboten haben wird, habe ich perſönlich die allergeringſte Veran⸗ laſſung, die eventuelle Trennung unſrer Anſtalten zu perhorresciren, vorausgeſetzt, daß man gegen beide Bildungsrichtungen wahrhaft gerecht ſein wird und nicht auf Umwegen, durch Kreuz⸗ und Querzüge das hieſige Gymnaſium vernichten will.“
1I. Die nächſten Aufgaben des Gymnaſtums zu Worms⸗
Gerade dadurch, daß die Angelegenheiten der hieſigen Realſchule ſo gerecht und wohlwollend ge⸗ fördert werden, wie es in dem vorangehenden Theile dieſer Arbeit empfohlen iſt, wird auch unſer Gymnaſium entſcheidend gefördert. Denn dieſem wird— davon bin ich feſt überzeugt— nur ſo lange mit einigem Erfolg die Schlinge an Fuß oder Hals gelegt werden können, als man unſrer Realſchule billige Wünſche verſagt. Ich kann deshalb ſagen, daß die Zukunft unſres Gymnaſiums weſentlich von der Förderung der äußeren und inneren Angelegenheiten des geſammten heſſiſchen Realſchulweſens abhängt. Darum mußte ich die Erörterung unſrer Realſchulangelegenheiten der Be⸗ ſprechung unſres Gymnaſiums vorausſchicken. 3


