Aufsatz 
Über die nächsten Aufgaben des Gymnasiums und der Realschule zu Worms, nebst einem Anhange: Die Bedeutung und Stellung der Vorschule
Entstehung
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viele Sorge zu tragen und in ſtillem Herzen und mit ſtandhafter Ausdauer es abzuwarten, ob jene Wendungen und Fügungen eeintreten, welche allein zum Heile führen. Doch warum ſchreibe ich* Ich will es offen ſagen. Obwich in der Führung der hieſigen Anſtalten zum erwünſchten Ziele ggelange, auf einem ich erſehe dies nicht nur aus Documenten, der Anſtalt nicht gllein von berechtigten Parteien, ſondern auch von perſönlichen Beſtrebungen bearbeiteten, aber auch ſeit vielen Jahren untergrabenen Boden: dies iſt mir heute noch nicht gewiß. Da habe ich das berechtigte Bedürfniß, die Eindrücke nicht zu werſchweigen, die Anſichten offen darzulegen, welche ſich mir, dem dunverhofft und unbefangen in ſo eigenthümliche Verhältniſſe Eintretenden, aufdrängten, und klar die Grundbedingumgendererfolgreichen Weiterentwicklung unſrer Schulen bauszuſprechen. Kann ich dann das Beſſere auch nicht nach Wunſch herbeiführen, ſo wird es mir doch allezeit zur Genugthuung gereichen, wenn, ſchn mir ſagen kann, daß. ich viedaiht die Saüsan SWege von vornherein erkannt und angerathen habe. mgonu i nn

Der Ausgangspunkt und die Hauptquelle ales Leidens unſrer Anſtalt, war. wum iſt

ihre Armutha Dieſes Urtheil kann nur diejenigen befremden, welchen ganz außer Stande ſind, die finanzielle Lage unſrer Schule mit derjenigen gleichartiger Anſtalten unſres Landes zu ver⸗ gleichen, oder kein Herz haben für Wohl und Wehe einer Erziehungsanſtalt, ihrer Lehrer und Schüler.

Und dabei muß noch feſtgehalten werden, daß ſelbſt die am günſtigſten geſtellten Gymnaſien des

Landes, diejenigen zu Darmſtadt und Gießen, ihre Etats keineswegs mit den jüngſt normirten Etats der höheren Schulen Preußens und Badens vergleichen können. Man wollte in Worms zwei An⸗ ſtalten, ein Gymnaſium und eine Realſchule, mit Mitteln herſtellen, welche kaum ausreichten, um

eine Anſtalt zu unterhalten. Was war die Folge? Zungedachten Zwecken vermochte man ſelbſt

bis heute weder die erforderliche Zahl der Lehrkräfte zu beſchaffen, noch die vorhandenen ausreichend zzu dotiren. Die Locale, MobilienUnterrichtsmüttel geriethen in einen Zuſtand, welcher vielleicht

einem Liebhaber antiquariſcher Seltenheiten einiges Intereſſe abnöthigte Man⸗ darf davon ſprechen;

ees riſt allbekannt. Unter ſolchen Verhältniſſen hätte, die Stadt Worms und namentlich auch der Staat den beiden Anſtalten, die, erforderlichen Mittel ſchan längſt, darbieten müſſen. Da dies nicht geſchah, ſo kann ich das Vorhaben der beiden extremen, Parteien, von welchen die eine das Gym⸗

naſium, die andre die Nealſchule beſchränkt, odex aufgehoben wiſſen wollte, recht wohl, begreifen; und

ich möchte es ſogar entſchuldigen wenn ich, im Intereſſe der Perſonen⸗ die S gche aus dem Auge

verlieren könnte. Unſre Doppellehranſtalt glich ganz natuxgemäß, einem Naubthier, mit zwei Köpfen

und zwei an einander gewachſenen Leibern, deſſen einer Theil den andren aufzuſpeiſen begehrte.

Von dieſen Dingen muß geſprochen werden, weil vor dem tiefer ſchauenden Auge die an⸗

ngedeußsts Situation ſich bis jetzt nur ganz unweſentlich geändert hat. Wie immer wieder die wilden

Schößlinge aus dem Boden hervorſchießen, ſo lange verborgen unter der Oberfläche die alten Wurzeln

liegen und Berechtigung und Kraft des Wachsthums haben; ſo werden in unfren Schulangelegen⸗

heiten die alten Triebkräfte immer wieder, ſei es in dieſer, ſei es in jener Form, zum Vorſchein kommen, ſo lange das Uebel nicht erkannt, und an der Wurzel gefaßt, wird. Ich ſelbſt bin nicht im Stande, die überkommene Lage zu⸗ ändern, wenn dieſelbe nicht auch von andren hülfreichen Händen,

von edlen, nicht ſelbſtiſch denkenden Männern umgeſtaltet wird. Ich werde ſogar nachweiſen, daß die Wormſer Gymnaſial⸗ und Nealſchulfrage. nicht guf dem engeren Boden der Stadt Worms zu Aller, Zufriedenheit gelöſt wexrden kann, ſondern dazu der Hülfe des Staates bedarf.

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