Aufsatz 
Über die nächsten Aufgaben des Gymnasiums und der Realschule zu Worms, nebst einem Anhange: Die Bedeutung und Stellung der Vorschule
Entstehung
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Um nun die Kunſtinduſtrie durch die Schulen zu fördern, empfiehlt Walloth, den Weg zu betreten, welchen die uns in dieſem Gebiete überlegenen Franzoſen beſchritten.

Die Urſachen der Ueberlegenheit der Franzoſen auf dem Gebiete der Kunſtinduſtrie zeigen uns aufs Deutlichſte den zur Erreichung eines gleichen Zieles einzuſchlagenden Weg. Ihr Jahr⸗ hunderte lang dauernder Einfluß in dieſer Beziehung lag weniger in dem politiſchen Uebergewicht der Nation, als in dem Umſtande, daß in Frankreich ſeit mehrerrn Jahrhundertendie Kunſt nicht blos als ein angemeſſener Luxus gepflegt wurde, ſondern daß mit richtigem Blick alle Regierungen, ſo verſchieden ſie ſonſt ſein mochten, das Gedeihen der Kunſt im Intereſſe des natio⸗ nalen Wohles, der Ehre und der Blüthe des Landes als eine Angelegen⸗ heit des Staates aufgefaßt und demgemäß gefördert haben. Selbſt mitten in den Stürmen der Revolution und der darauf folgenden Kriege blieb die Hebung der Induſtrie ein Gegenſtand der ſorgſamen Beachtung für die jeweilige Regierung. Bereits 1797 wurde der fühlbare Mangel gewandter Zeichner im Rathe der 500 beſprochen und fand dieſe Frage 1806 und 1814 eine ein⸗ gehendere Erörterung. Napoleon errichtete 1803 die ſogenanntenchambres consultatives de manu- factures, fabriques, arts et métiers, welche die Regierung in einer beſtändigen Beziehung zu der Induſtrie des Landes erhalten ſollten. Mit dem den Franzoſrn eigenthümlichen organiſatoriſchen Talent wurde namentlich der Zeichenunterricht den unterſten Schichten des Volkes zugänglich gemacht. Wie mit richtiger Erkenntniß grade da, wo die Bildung mit der materiellen Arbeit ſich verbinden ſoll, geſorgt wurde, zeigte in der letzten Ausſtellung die Abtheilung histoire de travail, in der die kunſtgewerblichen Leiſtungen aus allen Epochen der Vergangenheit vorgeführt wurden. Durch ſolche Anregungen hat ſich bei den Franzoſen die Empfänglichkeit für das Schöne und der gute Geſchmack in ſo hohem Grade ausgebildet, daß ſie heute noch mit nur geringen Ausnahmen ihre Ueberlegenheit auf dem Felde der Kunſtinduſtrie behaupten können. Ihre Juwelier⸗ und Goldſchmiedekunſt, ihre Bronze⸗, ihre Porzellan⸗, Möbel⸗ und Teppichfabrikation, ihre Seidenwirkerei und Kunſtweberei, zeigen alle eine ebenſo begabte Phantaſie, wie tüchtige techniſche Fertigkeit. Uud grade dieſe letztere hat auch ihre ideale Kunſt weeſſentlich gefördert, ein Umſtand, der die Wichtigkeit der engen Beziehungen zwiſchen Kunſt und Induſtrie recht auffällig nachweiſt. Jemehr die Induſtrie durchdrungen wird von der Kunſt, und jemehr der Kunſt die breite und geſunde Baſis der Induſtrie verliehen wird, deſto erſprießlichere Reſultate ſind für beide zu erwarten. Die ideale Kunſt erwirbt ſich dadurch in ſtrenger Schule die techniſche Fertigkeit und tritt in nähere Beziehung zu dem nationalen Leben, welches für ſie eine unverſiegbare Quelle der Geiſtesbildung wird. Die Induſtrie aber wird durch eine künſtleriſche Behandlung ihrer Producte die Weihe des Schönen empfangen und ſich eine Stellung erringen, wie ſie das Handwerk in den vielgeprieſenen guten alten Zeiten beſaß, in welchen ſeingoldner Boden eine ſprüchwörtliche Bezeichnung für das materielle Wohl⸗ ergehen des ganzen Standes geworden iſt.Die Kunſt, ſagt Richter,die rein menſchliche Kraft, welche(ohne den Menſchen) zu erzeugen die Maſchine nicht fähig iſt, bekämpft in der Induſtrie die mit der Maſſe und Billigkeit des Induſtrieproductes erzeugte Gefahr der Verſchlechterung, indem ſie die Güte des Productes erzeugt und vereint im weiteren Verlauf mit der Güte die Schönheit. Sie tritt ſo veredelnd zum rohen Produet der Arbeit hinzu und erſcheint heute in der Induſtrie weſſentlich als Concurrenzfrage.