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fünfzehn Jahren durch einen Waarenabſatz im Werth von circa vierzig Millionen Fres. reichlich be⸗ zahlt gemacht. Seit dieſer Zeit hat man ſich auch in Deutſchland gewaltig aufgerafft. Bereits iſt in Berlin ein Gewerbemuſeum ähnlich dem Kenſingtonmuſeum in Verbindung mit einer Lehr⸗ anſtalt gegründet, und jetzt ſchon entſtehen an den hervorragendſten Fabrikplätzen Kunſt⸗ und Induſtrieſchulen. Zum Theil vorzügliche literariſche Arbeiten mit Illuſtrationen und photographiſche Abbildungen geben den Induſtriellen die nöthigen Hilfsmittel und lenken die Aufmerkſamkeit des Publikums auf dieſes Gebiet; ein philoſophiſcher Geiſt durchzieht Werke wie das Semper'ſche, in welchem mit kritiſcher Schärfe der einzuſchlagende Weg gezeigt wird.“ Walloth ſagt dann aber gewiß nichts Unrichtiges, wenn er behauptet,„ein ſo allgemeines Intereſſe, wie es ſich für die philoſophiſche und ethiſche Bildung zeige, ſei für die äſthetiſche nicht vorhanden, und es ſei dringend zu wünſchen, daß das Verſäumte raſch nachgeholt werde.“„Während erfreulicher Weiſe für die Verbreitung der Kenntniſſe auf dem Gebiete der Naturwiſſenſchaften und der Volkswirthſchaft durch eine Anzahl populärer Schriften und vorzügliche Lehranſtalten geſorgt iſt, und während auch auf äſthetiſchem Gebiet Poeſie und Muſik ſich einer allgemeinen Pflege erfreuen, iſt für die äſthetiſche Würdigung der bildenden Künſte ſo gut wie gar Nichts gethan.“„Das große Ganze des Volkes, namentlich die Bewohner kleinerer Städte und des Landes zeigen ſich vollſtändig theilnahmlos für die Beſtrebungen auf den höheren Gebieten der bildenden Künſte. Iſt daher das Ziel einer Harmonie, wie ſie das helleniſche Volksleben kennzeichnete, noch weit ent⸗ fernt und dürfen wir auch ſelbſt einen hohen Genuß darin finden, ſtatt am Ende am Anfange dieſes Zieles zu ſtehen, ſo müſſen wir uns doch geſtehen, daß ein Verzug in der Erreichung deſſelben nicht ohne große Gefahren verknüpft iſt. Nur ein allgemeines, geläutertes Volks⸗ urtheil bildet eine ſichere Baſis für die naturgemäße Entwickelung einer wahrhaft nationalen Kunſt und die mehr zufällige Begünſtigung fürſtlicher Gönner oder reicher Corporationen bringt die Gefahr einer capriciöſen Behandlung und damit eines Sinkens der Kunſt. Mehr noch als Fürſten⸗ gunſt und Fürſtenſold muß den Künſtler das Bewußtſein begeiſtern, daß er den leitenden Ideen ſeiner Zeit, daß er der Kultur des ganzen Volkes, welches mit Stolz ihn zu ſeinen Beſten zählen wird, Ausdruck verleiht. Aber nicht nur dieſe mehr ideale Seite der äſthetiſchen Bildung iſt es, welche zu einer gewiſſenhaften Prüfung auffordert, ſondern auch die reale und materielle, welche uns nöthigt, auf dem Gebiete der Kunſtinduſtrie ſo raſch und durchgreifend wie möglich unſere Pflicht zu erfüllen.“
„Auf keinem anderen Wege iſt nun aher eine Belehrung des Volkes ſicherer zu erreichen, als auf dem Wege des Unterrichts, und zwar durch Unterweiſen der Jugend.“
„Es iſt dies alſo Aufgabe der Schule und zwar nicht etwa einer beſonderen Fachſchule, ſondern ſpeciell der Realſchule, einmal weil ſie ſich durch die äſthetiſche Bildung ihrer Jugend ein pädagogiſches Hülfsmittel erwirbt, welches bei den vorwiegend philoſophiſchen und ethiſchen (ſetzen wir hinzu: gar häufig durchaus nicht von idealem Geiſtesleben durchdrungenen) Unterrichts⸗ gegenſtänden ihres Lehrplans ſeither noch mehr oder weniger verkümmert war, und dann weil aus ihr vorzüglich die ſpäteren Induſtriellen hervorgehen, deren Bildung des Geſchmackes, unter den auf dem Gebiete der Kunſtinduſtrie beſtehenden Verhältniſſen, eine rjentliihe Bedingung für ihr ſpäteres materielles Wohlergehen iſt.“(S. 4 u. 5.)


