Aufsatz 
Betrachtungen über Organisation und die staatliche Stellung der Realschulen des Großherzogtums Hessen
Entstehung
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Organiſation der Gymnaſien entſcheidender zu fördern, als es durch eine koſtſpielige Erweiterung ihres Klaſſenſyſtems geſchehen kann. Nach den beſonderen Bildungsintereſſen laſſe man die ſtudirende Jugend ungehindert nach der einen oder der andern Seite gehen, für das Gymnaſium oder die Realſchule 1. Ordn.(oder deren Vorbereitungsanſtalten) ſich nach freier Wahl entſcheiden. Dann wird man eine zwar etwas geringere, aber doch noch ſehr beträchtliche Anzahl von Gymnaſiaſten nach feſten Grundſätzen einer beſtimmten und an allen Gymnaſien gleichmäßig bindenden Unterrichtsordnung ſtrenger anhalten und unterrichten können. Das Gymnaſium wird dadurch ſeiner urſprünglichen und wahren Beſtimmung zu⸗ rückgegeben, neben einer allge mein menſchlichen Erziehung vor allem eine gründliche philolo⸗ giſch⸗humaniſtiſche Vorbildung für Univerſitätsſtudien zu gewähren. Wer auch nur einige Jahre in den oberen Klaſſen eines unſeres Gymnaſien Unterricht in den alten Sprachen ertheilt hat und ſich dabei namentlich die Correctur der ſchriftlichen Arbeiten nicht zu leicht machte, wer nicht etwa durch kluges Ausweichen, durch principielle Herabſetzung des Lateinſchreibens oder in der Begeiſterung einer vorwie⸗ gend äſthetiſchen Behandlung der alten Autoren die eigentlichen Schwierigkeiten des Gymnaſialunterrichtes umging: der wird zugeben, daß dieſe Schwierigkeiten nur dann vermindert und die ſpecifiſchen Leiſtun⸗ gen der Gymnaſien geſteigert werden können, wenn die Gymnaſien von unten herauf im Allgemeinen vorwiegend ſolche Schüler unterrichten, welchen es um die charakteriſtiſchen Lehrgegenſtände des Gymnaſiums ernſt iſt, wenn dann von unten herauf ein ſtrenges Verſetzungsſyſtem gehandhabt wird und auf dieſe Weiſe wirklich reife und ältere Schüler in die Gymnaſialprima geführt werden. Eine ſo entſchiedene Feſtigkeit und Straffheit des Lehr⸗ und Verſetzungsſyſtems, wie wir es im Intereſſe der Gymnaſien und der Uni⸗ verſitätsſtudien wünſchen müſſen, läßt ſich nun offendar nur dann in den Gymnaſien durchführen, wenn aus⸗ gebildete Realſchulen den Gymnaſien zur Seite ſtehen. Da unſerer Schulbehörde die Unterrichts⸗ und Prüfungsordnung für Gymnaſien ſeit einiger Zeit zu einem Gegenſtande ihrer Berathungen geworden iſt, und weil jetzt wohl auch unſere Gymnaſien von denjenigen Beziehungen, welche im Augenblick unſere Realſchulen fördern, berührt werden, ſo darf man hoffen, daß gerade diejenigen Schulmänner, welche ſich für die Weiterentwicklung unſerer Gymnaſien am ernſteſten intereſſiren, gerne dem von uns vertre⸗ tenen Realſchulprincip werden zum Siege verhelſen wollen. Seither haben in unſerem Staate die Gym⸗ naſien allein das Verdienſt der allgemeinen höheren Schulbildung für ſich in Anſpruch genommen. So lange die Realſchule ſich nicht zu ähnlichen Beſtrebungen erhob, überließ ſie alſo gewiſſermaßen dem Gymnaſium ein Monopol. Sollten ſich aber bei letzterem nicht auch etliche Nachtheile eingeſtellt haben,

welche das Monopol und den Schutzzoll auf dem Gebiete der Induſtrie hervorrufen? Jetzt aber ſcheint die Zeit gekommen zu ſein, in welcher wir die verſchiedenartigen Intereſſen der höheren Schulbildung mit unbefangenerem Blicke betrachten können und müſſen. Und je geneigter wir ſind, über unſere lo⸗ calen Verhältniſſe hinwegzuſchauen, und den Blick auf die größeren Gebiete des deutſchen Unterrichts⸗ weſens zu lenken, je beſtimmter wir die großartigeren Anſchauungen erfaſſen, von welchen der Organis⸗ mus eines einheitlich gegliederten, alle weſentlichen Bildungsbedürfniſſe der einzelnen Geſellſchaftskreiſe und des geſammten Staatslebens berückſichtigenden Unterrichtsweſens getragen iſt und getragen ſein muß: um ſo bereitwilliger werden wir gleichzeitig das Gymnaſium und die Realſchule fördern wollen. Gerade derzenige, welchem das Gymnaſialweſen theuer iſt, muß wünſchen, daß die Förderung des Real⸗ ſchulweſens ein Mittel werde für die tiefere Erfaſſung ſeiner eigenen Aufgabe.

Wird aber nicht durch die Entwicklung der Realſchulen die Exiſtenz einer techniſchen⸗ oder Ge⸗ werbeſchule in Zweifel geſtellt? Jede Unterrichtsſtufe der vollſtändigen Realſchule bereitet auch für die ſpecielle techniſche Fachbildung vor. Demnach wird eine vollſtändige Realſchule die techniſche Fach⸗ bildung und ihre Schule nicht hemmen, ſondern nur fördern. Dagegen wird allerdings die vollſtändige Realſchule einer ſolchen techniſchen Anſtalt entgegentreten, welche die Jugend ſchon in einer Zeit, in wel⸗