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ten Kategorie der gute Wille tüchtiger Lehrer immer durchzudringen vermöge. Wenn aber in der niederen Realſchule ſogar die Strebſamſten die entſcheidenden Principien eines ächten Realſchulweſens nicht aufrecht zu erhalten vermögen, wenn demnach das Gymnaſialweſen viele qualificirte Lehrkräfte des niedrig geſtellten und zu keiner Weiterentwickelung beſtimmten Realſchulweſens an ſich zieht, ſo bleibt den Aus⸗ harrenden eine wahre Siſyphusarbeit: die principielle Förderung des Realſchulweſens kommt in Jahr⸗ zehenden um keinen Schritt weiter, und oft beherrſcht deshalb die Blindheit gewiſſer Intereſſenten die wichtigſten Geſtaltungen einer Realſchule. Fehlt dem Realſchulweſen das veredelnde Princip, der Zu⸗ ſammenhang mit der wirklichen Wiſſenſchaft und der Hochſchule, ſo geräth es in die Dienſtbarkeit der⸗ jenigen, welchen die Gedanken einer ächt menſchlichen Erziehung mehr oder weniger fern liegen; das mannigfaltige Bedürfniß und der möglichſt vielſeitige Gewinn beſtimmen dann zumeiſt die Praxis der Realſchule, und ein oberflächlicher Encyclopädismus findet leicht größeren Anklang, als die ernſte und maß⸗ haltende Gymnaſtik des Geiſtes. Eine Anſtalt dagegen, die ein Glied des Realſchulweſens iſt, welches auch für höhere Studien vorbereitet, wird zwar auch mit Eifer und Sorgfalt darauf ausgehen, mannigfaltige, poſitive Kenntniſſe der Schüler ausreichend zu mehren, aber ſie wird vor Allem mehr auf die Kraft des Lernens und Denkens, als auf den Stoff und Inhalt deſſelben Bedacht nehmen, ſie wird vor Allem eine rechte Luſt an der geiſtigen Arbeit begründen wollen, einen energiſchen und zähen Trieb für eine ſpätere ſelbſtthätige Erweiterung des Wiſſens.—
Einer ſolchen Schule kommt es weniger auf äußere, gedächtnißmäßige, blendende Erfolge, als auf den rechten Geiſt des Unterrichts an: ſie wird nicht verlangen, daß der Schüler in irgend einem Ge⸗ genſtande, welchen er ſpäter genauer ſtudiren wird, auf die letzten Gründe gekommen ſei, daß er wohl gar eine Viſſenſchaft ſtudire; ſie will nicht, daß der Unterricht ſyſtematiſche Vollſtändigkeit eines Lehr⸗ gegenſtandes gebe; ſie unterweiſt noch nicht für's praktiſche Leben und deſſen Bedürfniſſe, wenn ſie auch darauf hinweiſt, ſondern überläßt den Fachleuten ein wichtiges Stück Arbeit; ſie ſtellt ſich nicht an, als ob ſie den Zögling mit dem für das ganze Leben ausreichenden Wiſſensſtoffe verſehen müſſe, ſon⸗ dern ſagt ihrem Abiturienten: ich habe dir nur gezeigt, wie man denkt, fühlt und ſtrebt, jetzt hoffe ich, daß dein Streben zur ſelbſtthätigen Weiterentwicklung herangereift iſt; die vorbereitende Schule be⸗ laſtet den Zögling nicht mit ſolcher Maſſe der Lernſtoffe, daß er des Lernens und des Denkens herzlich ſatt wird, ſondern ihre einzelnen Aufgaben waren nur Anregungen zur Fortſetzung der freien Aufmerk⸗ ſamkeit und Denkthätigkeit. Demnach wird eine im rechten Geiſte auch für ein höheres Studium vor⸗ bereitende Realſchule ſich nirgends den Anſchein geben, als ob ſie ein Wiſſen abſchließe, ſondern ſie wird allezeit den denkenden Geiſt in eine deſſelben würdige Bahn einleiten. An dieſer allein muſtergültigen Methode, welche für dierenigen berechnet iſt, welche nach dem Abgange von der Schule ihre Studien fortſetzen, nehmen aber alle diejenigen Theil, welche nicht für weitere Studien ſich vorbereiten; und man kann demnach ſagen, daß ein Realſchulweſen, welches dazu beſtimmt iſt, für höhere Studien vorzubereiten, durch dieſe Beſtimmung zum wahren Vortheile ſämmtlicher Schüler eine fr eiere, den Geiſt vor Ueberlaſtung, Mechaniſirung, Verknöcherung ſichernde Methode empfängt. Freilich kann auch eine Schule, welche nicht für höhere Studien vorbereitet, jene geiſtbildende Aufgabe verfolgen, wenn ſich ihre Lehrer von innen heraus dasjenige Geſetz des Unterrichts zu geben. vermögen, welches die thatſächliche Be⸗ ziehung einer Schule oder eines Schulweſens zur Univerſität oder Academie von außen her gibt. Allein ſehr oft werden Realſchulen, welche nicht entweder ſelbſt für höhere Studien vorbereiten, oder wenigſtens einem vorbereitenden Realſchulweſen angehören, wiſſenſchaftliche Zwecke ſcheinbar anticipiren und dadurch in ſchwere Erziehungsfehler verfallen. Im vorjährigen Programme unſerer Anſtalt, S. 13, haben wir ſchon angedeutet, wie wohl alle Realſchulen unſeres Landes, welche bisher höchſtens für po⸗ lytechniſche Schulen vorbereiteten, an derartigen Organiſationsfehlern gelitten haben.


