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ſprechen, daß man ſehr wohl daran thun wird, wenn man unſerem Realſchulweſen die ihm zukommende Ausbildung und Stellung nicht vorenthalten wird. Wenn zunächſt auch nur eine Realſchule unſeres Landes eine Prima erhielte und zur Ertheilung des zum Beſuche der Univerſität berechtigenden Ma⸗ turitätszeugniſſes ermächtigt würde, ſo würde unſer geſammtes Realſchulweſen wieder in ſeine frühere Stellung zurückgeführt und entſcheidend gefördert. Darf man auch pädagogiſche und didaktiſche Gründe vorführen, welche ohne Zweifel mit beſonderem Nachdruck dafür ſprechen, daß unſerem Realſchulweſen der Kopf nicht fehlen dürfe? Unſere jetzige Lebensanſchauung iſt eine ſo praktiſch erwägende, daß der Hinweis auf irgendwelche praktiſchen Geſichtspunkte vielleicht dienlicher iſt, als die Erörterung von Prin⸗ cipien, welche von dem wahren Begriffe ächter Erziehung abgeleitet werden.
Wenn von den Realſchulen nur dies gefordert wird, daß ſie möglichſt für die Bedürfniſſe des praktiſchen Lebens arbeiten ſollen, und wenn dann alle Schüler derſelben die mannichfachen Kenntniſſe ſich aneignen ſollten, welche für verſchiedenartige Lebensſtellungen nützlich ſein müßten: ſo müßte ein Streben nach encyclopädiſchem Wiſſen in die Schule eintreten, welches den tieferen Intereſſen eines Geiſt, Willen und Herz ausbildenden Unterrichts im Wege ſteht. Die Realſchulen unſeres Landes ſind aber in ihrer Beziehung zum praktiſchen Leben ſchon jetzt mehr oder weniger dem Encyclopädismus ver⸗ fallen, wie überhaupt die Erziehung und der Unterricht der Gegenwart an den Fehlern des encyclopä⸗ diſchen Wiſſens leiden. Bereits im vorigen Jahrhundert war bekanntlich eine praktiſch⸗realiſtiſche und encyelopädiſtiſche Richtung des Erziehungsweſens in Deutſchland zur Herrſchaft gelangt. Die Humaniſten, an ihrer Spitze Fried. Aug. Wolf und ſeine Jünger, thaten ihr gebührenden Einhalt, und unſere großen Dichter, Denker und geiſtvollen Pädagogen verwieſen die Schulerziehung auf ihren eigentlichen Beruf. Allein auch die Praxis der Philologen, wie ſie jetzt häufig in Gymnaſien herrſcht, iſt zum Theil ſo ſehr einer realiſtiſch⸗encyeclopädiſtiſchen Richtung verfallen, daß auch für die Gymnaſien heute eindring⸗ licher als je die warnenden Worte Moritz Seifferts geſprochen ſind:„Es iſt jedenfalls eine auf⸗ fallende und befremdende Erſcheinung in den pädagogiſch⸗didaktiſchen Kämpfen der neueren Zeit, daß man der freien Selbſtthätigkeit, alſo dem wahrhaft ſittlichen Fleiße des Schülers ſo wenig als möglich Vorſchub zu leiſten und nur dem Trichter— gleichviel ob dem Nürnberger oder dem einer moraliſchen Charybdis— auf die Spur zu kommen ſucht.“ Der Encyelopädismus muß fort und fort von den erziehenden Lehranſtalten, den Gymnaſien und Realſchulen, bekämpft werden. Sogar viele an ſich höchſt anerkennenswerthe Verſuche, der Jugend das Lernen durch naturgemäße Lehrgänge zu erleich⸗ tern und dadurch den Umfang des Lernens zu vergrößern, haben leicht die ſchädliche Folge, daß die Denkkraft geſchwächt wird, und daß die produktiven Vermögen des Geiſtes, die Characteranlagen des Kindes unter dem Drucke des Lernſtoffes Schaden nehmen.
Welche Kategorie von Realſchulen wird nun vorzüglich geeignet ſein, die productiven Vermögen des jugendlichen Geiſtes zu entwickeln? Faſſen wir zwei Realſchulen von weſentlich verſchiedenen Aufgaben in's Auge. Die eine von beiden hat eine ſolche Organiſation, daß ſie auch für höhere Studien gewiſſer Wiſſenſchaften einen Theil ihrer Schüler vorbereitet, die andere dagegen enthält nur ſolche Schüler, deren ſchulmäßige Bildung ein⸗ für allemal von ihr abgeſchloſſen wird. Der warhaft pädagogiſche Lehrer wird zwar in beiden Anſtalten in demſelben Geiſte wirken wollen. Wird er es aber auch immer können? Wird ihm nicht in mancher Realſchule niederen Charakters die herkömmliche von den all⸗ täglichen Lebensbedürſniſſen abhängige Richtung des Unterrichts, ja ſogar vielleicht die danach beſtimmte Zuſammenſetzung der Lehrercollegien Schwierigkeiten bereiten? Iſt ferner die niedere Realſchule deſſen ſicher, daß ſie ihre tüchtigſten Lehrkräfte zu halten vermag? Vermag ſie denn etwa dem ſtrebſamen Lehrer volle innere Befriedigung und Sicherſtellung ſeiner äußeren Verhältniſſe zu bieten? Die Beant⸗ wortung dieſer Fragen enthält zugleich die Antwort auf die Frage, ob in der principiell niedrig geſtell⸗


